787 Dreamliner Boeing-Insider warnt vor Ausfall von Sauerstoff-Notversorgung

Ein Ex-Ingenieur erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing: Bei Tests habe in jedem vierten Fall die Notversorgung mit Sauerstoff versagt. Der Konzern räumt Probleme ein.

Boeing 787 Dreamliner
Robert Schlesinger / DPA

Boeing 787 Dreamliner


Der US-Flugzeugbauer Boeing kommt nicht zur Ruhe. Die technischen Probleme beim einstigen Verkaufsschlager 737 Max sind noch immer nicht ausgeräumt, die Maschinen müssen nach den beiden Abstürzen weiter am Boden bleiben.

Negative Schlagzeilen macht aber auch ein anderes Prestigeprojekt des US-Konzerns: der Langstreckenjet 787 Deamliner. Ein ehemaliger Boeing-Ingenieur berichtet von schwerwiegenden Problemen bei der Sauerstoff-Notversorgung.

Das meldet der britische Sender BBC. Bei dem Ingenieur handelt es sich um John Barnett, der bei Boeing 32 Jahre angestellt war, unter anderem in der Qualitätskontrolle in einer Boeing-Fabrik in South Carolina. Als bei Boeing vor knapp einem Jahrzehnt die Massenproduktion des Dreamliner anlief, habe er beobachtet, dass die Fertigungslinien in großer Eile umgebaut worden seien - auf Kosten von Qualität und Sicherheit.

Im Jahr 2016 habe er dann Probleme bei der Sauerstoffversorgung entdeckt, die im Falle eines plötzlichen Druckabfalls das Überleben der Menschen im Flieger gewährleisten soll. In solchen Fällen sollen Atemmasken aus der Decke fallen, ohne die die Passagiere und Crew in großer Höhe sonst in weniger als einer Minute das Bewusstsein verlieren.

Laut Barnett gibt es folgendes Problem beim Dreamliner: Viele Sauerstoffflaschen entleerten sich nicht automatisch. Die Atemmasken wären also nicht mit Sauerstoff versorgt worden. Laut dem Ingenieur ordnete er während seiner Zeit bei Boeing Überprüfungen an. Von 300 getesteten Flaschen hätten 75 nicht funktioniert, also ein Viertel.

Die BBC berichtet, die Konzernführung habe Barnetts Hinweise dennoch nicht weiterverfolgt. Der 57-Jährige hat das Unternehmen 2017 verlassen, offiziell aus gesundheitlichen Gründen.

Boeing bestreitet Barnetts Vorwürfe, räumt allerdings ein, das Unternehmen habe 2017 "einige Sauerstoffflaschen von einem Zulieferer identifiziert, die nicht korrekt entluden". Diese seien aus dem Verkehr gezogen und durch andere Sauerstoffflaschen ersetzt worden. Vor Auslieferung teste Boeing aber jedes installierte Sauerstoffsystem mehrfach. Auch bereits in Betrieb befindliche Jets würden in regelmäßigen Abständen überprüft.

beb



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Seite 1
cyblord 06.11.2019
1.
Interessant dass Boing beim 787 anscheinend auf echte Sauerstoffflaschen für die Passagierversorgung setzt. Meistens wird dies durch einzelne abgeschlossene Einheiten pro Passagier realisiert. Ein herunterziehen der Maske, setzt eine chemische Reaktion in Gang, welche für ca. 5 Minuten Sauerstoff produziert.
hileute 06.11.2019
2. Wenn das stimmen sollte:
wie kann die Maschine denn dann trotzdem zugelassen sein? 75% Sicherheit klingt doch relativ wenig dafür dass immer über mehr Sicherheit geredet wird
spon-1169332508199 06.11.2019
3.
Hab mich lange gewundert, dass Boeing der amerikanischen Art und Weise zu fertigen wiederstanden hat... war wohl doch nicht so und auch hier wird schnell und schlampig gearbeitet
indepen 06.11.2019
4. Sollte Boeing bei der 787...
...tatsächlich Sauerstofflaschen zur Notversorgung der Passagiere einsetzen, so dürfte das wohl ein erhebliches Gewichtsproblem sein. Im Normalfall befinden sich in der so genannten PSU (Passenger Service Unit) oberhalb der Sitze Sauerstoffgeneratoren, die genügend Sauerstoff für die Zeit produzieren, die im Notfall benötigt wird, um von Reiseflughöhe auf eine Höhe mit atembarer Luft abzusteigen.
Sergeij 06.11.2019
5. Sauerstoffflaschen für die Versorgung der Passagiere?
Das wäre mir neu, dass bei der 787 die Notversorgung der Passagiere über Sauerstoffflaschen geschieht. Das wird (wie bei allen anderen großen Passagierflugzeugen) über einzelne Gasgeneratoren gemacht, die 2-3 Sitze (je nach Kabinenkonfiguration) für etwa 10min mit Sauerstoff versorgen. Sauerstoff aus Flaschen wird nur für die Notversorgung der Piloten (und teilweise der Kabinen-Crew) per Druckatmung verwendet, da diese für einen längeren Zeitraum bei Bewusstsein bleiben müssen. Die Masken der Passagiere (Diluter) sind dagegen drucklos und verhindern nicht, dass diese das Bewusstsein verlieren. Auch bei den Testflügen eines neuen Flugzeugtyps werden für die Notversorgung von an Bord befindlichen Testingenieuren und anderem Personal Druckflaschen verwendet; sollte es damit Probleme gegeben haben, so wäre das für den jetzigen Regelbetrieb des Flugzeuges ohne Belange...
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