»Täglicher Ausnahmezustand« durch 9-Euro-Ticket Bahn-Betriebsrat will mehr Geld und freie Tage

Der Ansturm auf die Bahn durch das 9-Euro-Ticket legt offen, dass Personal fehlt. Für die Belegschaft ist die Belastung laut Betriebsrat aber so hoch, dass sie neben mehr Gehalt auch mehr Freizeit braucht.
Szene am Stuttgarter Hauptbahnhof: »Belastungspaket« für die Mitarbeiter

Szene am Stuttgarter Hauptbahnhof: »Belastungspaket« für die Mitarbeiter

Foto: Arnulf Hettrich / IMAGO

Die Personalvertretung der Deutschen Bahn bemängelt erhebliche Mehrbelastungen für die Beschäftigten im Öffentlichen Personennahverkehr durch das 9-Euro-Ticket und fordert einen Ausgleich.

»Das 9-Euro-Ticket bedeutet den täglichen Ausnahmezustand für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen«, sagte der Vizevorsitzende des Gesamtbetriebsrats DB Regio, Ralf Damde, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Bund und Länder müssten dafür sorgen, dass sie branchenweit entlastet würden. Zusätzliche Bezahlung und mehr freie Tage seien unabdingbar.

Betriebsräte der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG betonten in einem Brief an die Verkehrsminister von Bund und Ländern, der dem RND vorliegt, eine kostengünstige Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs dürfe nicht zulasten der Sicherheit und des Arbeitsschutzes gehen.

Das bisher von Juni bis August befristete Ticket sei zu einem »Belastungspaket« für die Bahn-Mitarbeitenden geworden, heißt es.

Dennoch sei das 9-Euro-Ticket im Grundsatz ein Erfolgsmodell. Der Appell der Gewerkschafter: »Verhindern Sie, dass wir nach den drei Monaten wieder in die alten Tarifstrukturen zurückkehren. Unterstützen Sie auch unsere Mitarbeitenden, indem Sie ein einfaches und überall gültiges Tarifsystem gestalten.«

Die Personalvertretung der Deutschen Bahn hatte bereits Anfang Juni nach dem Pfingstwochenende von einer hohen Belastung für die Mitarbeitenden infolge des 9-Euro-Tickets berichtet.

Die Deutsche Bahn hatte mitgeteilt, dass einer internen Auswertung zufolge an den ersten beiden Gültigkeitstagen, dem 1. und 2. Juni, rund zehn Prozent mehr Fahrgäste im Regionalverkehr unterwegs waren. Gleiches gelte für den 7. und 8. Juni, die beiden Tage nach dem langen Pfingstwochenende.

Bis Mitte Juni wurden laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bundesweit schon rund 16 Millionen Tickets verkauft. Dazu kommen mindestens zehn Millionen Tickets der Abonnentinnen und Abonnenten, die für die drei Monate Juni, Juli und August als 9-Euro-Ticket gelten.

mmq/dpa/AFP
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