Neuer Prestigeflieger Warum Airbus den A350 herbeisehnt

Der neue Langstreckenjet A350 hat seinen Erstflug erfolgreich absolviert. Höchste Zeit, denn das Vorgängermodell A340 ist inzwischen ein Ladenhüter, der die Airbus-Muttergesellschaft EADS noch teuer zu stehen kommen dürfte.

REUTERS

Von Daniel Michaels, Wall Street Journal Deutschland


Dass der A350 fliegen kann, hat er gerade eindrucksvoll bewiesen. Doch ob er langfristig erfolgreich sein wird, muss sich erst noch erweisen.

Der Vorgänger A340 jedenfalls, der 1993 in den Verkauf ging, bereitet Airbus noch immer Probleme. Die vor rund zehn Jahren mit viel Tamtam gestarteten vergrößerten Varianten der Modellreihe werden zwar seit zwei Jahren nicht mehr produziert. Voraussichtlich müssen wegen großzügiger Garantien für die ausgelieferten Flugzeuge noch Hunderte Millionen Dollar Verlust gebucht werden.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Der Kontrast zum neuen Vorzeigeprojekt A350 könnte schärfer kaum sein. Airbus freut sich zwar bereits jetzt über mehr als 600 Bestellungen für das neue Modell. Aber das muss nichts heißen: Auch der A340 war anfangs hundertprozentig auf Erfolg gepolt.

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Airbus A350: Vorzeigeflieger ersetzt Ladenhüter
Im Jahr 2002 war die zweite Generation des A340 aus der Montagehalle gerollt. Richard Branson, der schillernde Gründer von Virgin Atlantic Airways, präsentierte die erste Maschine in einer glamourösen Show zusammen mit Top-Model Claudia Schiffer. Der Prestigeflieger war nicht ganz billig: Der offizielle Listenpreis lag damals bei 200 Millionen US-Dollar.

Von 200 auf 20 Millionen in zehn Jahren

Im vergangenen Herbst schickte Virgin die Maschine zurück an Airbus. Der silbern-purpurne Anstrich war verschwunden. Stattdessen kam der einstige Hoffnungsträger in langweiligem Weiß daher. Jetzt verhandelt Airbus nach Angaben informierter Personen mit einem maltesischen Leasingunternehmen, um das Flugzeug für weniger als 20 Millionen Dollar loszuschlagen.

Virgin ist nicht allein. Führende Fluggesellschaften von Kanada bis China stellten die teuren Maschinen bereits nach wenigen Jahren wieder außer Dienst. Es ist relativ schwer, Abnehmer für den mit so viel Euphorie gestarteten Flieger zu finden.

Der Interkontinentaljet mit seinen vier Triebwerken sei im Betrieb schlicht zu teuer, klagen die Airlines. "Leider ist der A340 nicht wie ein Gebrauchtwagen, der sich einfach verschrotten lässt", sagt der Chef von Qatar Airlines, Akbar Al Baker. Eigentlich wollte sich die Fluggesellschaft von ihren vier A340 schon längst getrennt haben. Doch ein Deal ging in die Brüche, da der potentielle Abnehmer zusätzliches Geld für die Übernahme der Maschinen forderte.

Seit 2011 wird der A340 nicht mehr gebaut. Inzwischen macht der fallende Wiederverkaufswert der ausgelieferten Maschinen den europäischen Hausbanken von Airbus zu schaffen. Mehr als zehn Geldhäuser setzen den Flugzeugbauer unter Druck, ihnen entweder die Verluste mit A340-Geschäften zu erstatten oder neue Käufer für die Flugzeuge zu finden.

Der A340 litt nicht einmal unter Kinderkrankheiten, als er an den Start ging, so wie andere technisch anspruchsvolle Flieger aus dem EADS-Konzern oder vom Erzrivalen Boeing Chart zeigen. Vielmehr machte dem Unternehmen ein ganz klassisches Geschäftsproblem zu schaffen. Der Flugzeugbauer verließ sich bei der Auftragsakquise nämlich auf aggressive Verkaufskampagnen und großzügige Finanzierungsbedingungen. Zum Beispiel gab der Vertrieb in den Verkaufsverträgen großzügig Garantien für den Wiederverkaufswert. Jetzt zeigen sich die versteckten Kosten der längst abgeschlossen geglaubten Verkäufe.

Airbus spielt die Probleme herunter

Der aktuelle Airbus-Vorstand spielt die Probleme herunter. Die Misere mit dem A340 spiegele lediglich die aktuell schwierigen Marktbedingungen wider, heißt es. Letztlich würden sich auch wieder Käufer für die ausrangierten Flieger finden, heißt es.

Airbus ist allerdings mit immensen Forderungen für den früheren Hoffnungsträger konfrontiert. Sie gehen auf die Garantien zum Wiederverkaufswert zurück. Sofern die Preise unter gewisse Schwellen fallen, so hat Airbus garantiert, muss der Hersteller für den Unterschied geradestehen.

"Der A340 erhielt mehr finanzielle Unterstützung als jede andere Airbus-Neuentwicklung", räumt Vize-Finanzchef Nigel Taylor heute ein. Als die Maschine zu Beginn der Nullerjahre das erste Mal abhob, kränkelte der transatlantische Flugverkehrsmarkt wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 gerade schwer. Airbus musste mit Kampfpreisen um Kunden buhlen. Später kam die Angst vor der Vogelgrippe hinzu.

Angeblich ist man bei Airbus für die Schlappe mit dem A340 gut gewappnet. Die Konzernmutter EADS Chart zeigen hat laut Geschäftsbericht 2012 mehr als eine Milliarde Dollar zurückgestellt, um die Garantien für seine Produkte abzudecken.

Zu den fortdauernden Verlusten aus den belastenden Preisgarantien kommen noch hohe Entwicklungskosten für das einstige Prestigeprojekt hinzu. Airbus veröffentlicht keine Finanzergebnisse für jedes einzelne Modell.

Auch die ultralange Boeing 777 flog in schweres Wetter

Auch die Konkurrenz bei Boeing ist mit der ultralangen Version der populären 777 in schwere Wetter geflogen. Immerhin waren die US-Amerikaner nicht ganz so euphorisch, was den Verkaufserfolg anbelangt und warfen nicht ganz so großzügig mit Finanzierungsanreizen um sich wie Airbus.

Airbus bemüht sich, die Probleme zu lösen, die die alten A340-Geschäfte bereiten. Erfahrenes Verkaufspersonal soll helfen, für die Garantiefälle neue Besitzer zu finden. Das könnte allerdings extrem niedrige Erlöse bedeuten, räumen Airbus-Vertreter freimütig ein.

Der Fall des A340 ist ungewöhnlich. Üblicherweise wandern Flugzeuge in der Verwertungskette über einen Zeitraum von rund 25 Jahren von den großen Flugkonzernen hinunter bis zu den kleinen Gesellschaften. Vom erwarteten Wiederverkaufspreis hängt dabei ab, welche Airline einen Kauf stemmen kann. Wenn die Nachfrage nach einem bestimmten Modell kollabiert, müssen deren Besitzer in großem Stil den Wert abschreiben.

Fachleute für die Bewertung von Flugzeugen schätzen den Wert des großen A340 auf inzwischen weniger als 20 Millionen Dollar. Einige Fluggesellschaften haben den Flieger aber mit jeweils zwischen 40 und 140 Millionen Dollar in ihren Büchern stehen.

Lediglich 131 Exemplare wurden ausgeliefert

Die Konzernmutter EADS macht sich über den Fall nicht zu viele Sorgen. Der Luft- und Raumfahrtkonzern mit seinen 75 Milliarden Dollar Umsatz jährlich hält die Auswirkungen für "beherrschbar".

Im Prinzip kann Airbus also von Glück sprechen, dass sich die A340 als Flop erwiesen hat. Wäre das Flugzeug ein Bestseller geworden, käme es Airbus heute weitaus teurer zu stehen.

Die ausgelieferten Maschinen lagen mit ihren Eigenschaften weit unter den Erwartungen der Käufer. Steigende Kerosinpreise und die Konkurrenz der Boeing 777 gruben dem A340 seit spätestens 2005 das Wasser ab. "Die 777 ist ein viel besseres Flugzeug", sagte Anfang dieses Jahres sogar der hohe Airbus-Vertreter John Leahy in seltener Offenheit.

Dieser Tage setzt Airbus all seine Hoffnungen auf den neuen A350, der sich voll auf finanziellem Erfolgskurs zu befinden scheint. Doch das hat seinen Preis. Als Teil eines Verkaufsabschlusses für den A350 mit Singapore Airlines vom Oktober nimmt Airbus zehn A340-500 zurück.

Das ist für Airbus zwar extrem kostspielig. Aber die Asiaten hatten eine sehr gute Verhandlungsposition, da Airbus ihnen 1998 einen hohen Wiederverkaufswert garantiert hatte. Vergangenes Jahr sackte ihr Marktwert laut einer informierten Person unter die Garantieschwelle.

Auch der britische Carrier Virgin wird seine 18 A340-600 los, vor allem, da er die Maschinen lediglich geleast hatte. Das ist in der Branche durchaus üblich. Das Pikante dabei: Airbus selbst hat die Flieger verleast und das nur unter der Hand bekanntgegeben. Üblicherweise treten bei solchen Geschäften Leasingunternehmen auf den Plan.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

Mitarbeit: Marietta Cauchi und Jon Ostrower



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ladozs 14.06.2013
1. Ladenhüter!?
Na ja, der WSJ- Artikel von J. O. ist wie zumeist ein wenig durch die rosarote "Boeing- Brille geschrieben. Virgin Atlantic geht es seit Jahren nicht wirklich gut,unabhängig vom Flugzeugtyp, Der Qatar-Boss hat immer was zum Meckern und laut Fleet-Plan verfügt Singapore Airlines nur über 5 Flieger vom 340/500. Da die Gesellschaften ,Banken und Leasing-unternehmen auch in Zukunft Airbus -Flugzeuge benötigen, wird man sicherlich bei Neuverträgen entsprechende Vereinbarungen erzielen, die nicht alle zu Lasten von Airbus gehen werden.
waldemar.46 14.06.2013
2. hm, hm, hm............................
Ich kenne aus eigener Erfahrung von Boeing die B-727, die B-737, die B-747 (vermutlich die -200, war 1979), die B-747-400, die B-757 von McDonnel-Douglas die DC-9, die DC-10, die MD-11 von Airbus den A-300, den A-320 (in einer grausam engen Bestuhlung bei Air New Zealand) den A-330 in versch. Ausführungen, den A 340 Über die Wirtschaftlichkeit usw. kann ich als Laie natürlich nichts aussagen. Aber vom Inneren her empfand ich die B-727 und die MD-11 als die angenehmsten Flugzeuge. Beim A-330 hatte ich immer ein mulmiges, nicht erklärbares Gefühl. Und beim A-340 redete ich mir stets ein, dass dieser fliegende Bleistift (in der längsten Ausführung) eigentlich durchbrechen müsste. Und freiwillig werde ich in absehbarer Zeit (noch) nicht mit dem A-380 fliegen, der - laut Insidern - mehr Mucken haben soll als ein Hund Flöhe. Der Techniker oder der Kaufmann sieht diese ganzen Maschinen natürlich unter ganz anderen Aspekten als der Passagier. Warten wir mal ab, was die Zukunft noch an "Innovationen" bringt - wie z.B. gewisse Li-Batterien und so............
engineer68 14.06.2013
3. naja
Ich weiß nicht so Recht. Der Artikel hört sich schon sehr schlecht an und beschreibt den A340 in Gänze als absolutes Desaster. Den A340 gibt es in den Versionen 200 und 300 seit Anfang der 1990er Jahre, diese Flieger sind inzwischen sicher bereits abgeschrieben aber immer noch im Einsatz. Der Artikel ist, wie so viele wenn es um die Luftfahrt geht, wieder einmal nicht exakt. Die Probleme die oben beschrieben werden, beziehen sich aus meiner Sicht hauptsächlich auf den A340-500/600. Diese Maschinen waren nicht der Erfolg. Trotzdem handelt es sich für den Passagier um ein tolles Flugzeug.
kaba06 14.06.2013
4. Halbwahrheiten und Unfug....
...vom A340 wurden nicht nur insgesamt 377 Exemplare ausgeliefert - der A330 ist weitgehend baugleich und kommt auf fast 1000 ausgelieferte Flugzeuge mit einigen hundert Bestellungen.
sabaro4711 14.06.2013
5. Na und???
wenn ein neues Eifön, der neue Golf 25 oder die neue Herbstkollektion von Lagerfeld angekündigt wird, sind die Vorgänger auch Ladenhüter und sie werden günstig verhöckert...wo ist da die Besonderheit nur weil Airbus draufsteht?
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