A400M-Start in Sevilla Es ist ein Flugzeug

Endlich, endlich, endlich: Der Pannenflieger A400M hat seinen Jungfernflug erfolgreich hinter sich gebracht. Airbus feiert die schwere Geburt als Durchbruch für das milliardenschwere Militärprojekt. Die beteiligten Länder bleiben skeptisch - denn die Kostenfrage ist immer noch nicht geklärt.

Aus Sevilla berichtet


Um 10.16 Uhr war es soweit: Der A400M, den EADS-Chef Louis Gallois einst als "fliegenden Lastwagen" verspottet hatte, hob trotz seines immensen Gewichts von 127 Tonnen vom andalusischen Boden in Sevilla ab. Der Militärtransporter, der sowohl dem Hersteller Airbus als auch den sieben Bestellnationen bisher vor allem Ärger gemacht hatte, flog - so viel Symbolik muss sein - der Sonne entgegen.

Unter den rund 2500 Gästen, die am Rand der Startbahn warteten, brandete Jubel auf - der vor allem Erleichterung ausdrückte. Denn jetzt steht trotz einer fast endlosen Pannenserie zumindest eines fest: Ja, der A400M ist ein Flieger.

Doch noch nicht mal der Moment, in dem die Maschine endlich, endlich in der Luft war, konnte den Zoff um den Flieger beilegen. Bis Ende des Jahres soll Klarheit darüber herrschen, wie es mit dem 20-Milliarden-Euro-Projekt weitergeht. Die Regierungen könnten den Vertrag mit Airbus angesichts vieler Verzögerungen und extrem hoher Mehrkosten problemlos kündigen. Auch Airbus selbst hat bereits gedroht, lieber ein Ende mit Schrecken herbeizuführen als weiter ein Schrecken ohne Ende zu erleben. Der derzeit erfolgreichste Flugzeugbauer der Welt fordert von den Staaten eine Beteiligung von 5,3 Milliarden Euro an den Mehrkosten, die von manchen Experten mittlerweile auf mehr als zehn Milliarden Euro taxiert werden.

Angesichts der verfahrenen Situation ist es für das Unternehmen extrem wichtig, in Sevilla, wo die wichtigsten Kunden und die Weltpresse versammelt sind - die Deutungshoheit über die Ereignisse zu gewinnen. Nur wenige Minuten, nachdem der A400M im andalusischen Himmel verschwunden war, sagte Airbus-Chef Tom Enders: "Das Abheben war für das Projekt ein ganz besonderer Moment." Schließlich sei auch er "ein bisserl" aufgeregt gewesen - auch wenn er natürlich keinen Zweifel daran gehabt habe, dass der Riesenvogel wirklich fliegen kann.

"Was soll denn diese Frage? Wir wollen doch feiern"

Darauf angesprochen, wie es mit den schwierigen Verhandlungen zwischen Airbus und den Bestellnationen weitergehe, wechselte Enders den Gesichtsausdruck von feierlich zu beleidigt: "Was soll denn diese Frage? Heute wollen wir doch feiern." Dann fügte er hinzu: "Wir hoffen natürlich, dass wir bald mit unseren Kunden zu einer fairen Verteilung der Mehrkosten kommen." Was fair bedeutet, wollte Enders nicht sagen - doch kurze Zeit später entschwand er schon zu weiteren Verhandlungen mit den Kunden. Bloß keine Minute verlieren.

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Airbus: Jungfernflug des A400M
Die Eile dürfte bitter nötig sein, denn noch vor dem Abflug des A400M machte der deutsche Staatssekretär Rüdiger Wolf, der sich im Berliner Verteidigungsministerium seit langem mit den Problemen des Militärtransporters herumschlagen muss, einen säuerlich-süffisanten Eindruck. Während die Piloten am Boden noch das Flugzeug testeten, die vier Rotoren bereits liefen und angesichts ihres Durchmessers von fast fünfeinhalb Metern entsprechend Lärm machten, sagte er: "Airbus will uns wohl eindrucksvoll beweisen, dass die Maschine wirklich funktioniert."

Ganz ohne Ironie gab er sich dann jedoch, als es um die weiteren Verhandlungen mit dem Konzern ging. Wolf sieht weder Deutschland noch die anderen Länder in der Pflicht: "Der Hersteller will doch was von uns." Was insofern stimmt, dass die Bestellnationen mit Airbus einen Vertrag über eine Lieferung von 180 Maschinen zum Festpreis von 20 Milliarden Euro vereinbart haben. Allerdings haben die Staaten Airbus auch verpflichtet, die Rotoren nicht beim besten Anbieter, einem kanadischen Unternehmen, zu kaufen, sondern in Europa neu zu entwickeln. Zudem stellten sie immer neue Anforderungen an den Flieger. Der Streit um den A400M ähnelt deshalb ein wenig dem Förmchenwerfen im Sandkasten.

Guttenberg fliegt lieber nach Afghanistan

Wolf sieht die Hauptschuld dafür, dass der A400M "Pannenflieger" genannt wird, naturgemäß bei Airbus. Entsprechend sei es nicht an den Regierungen, sich zu bewegen. Verhandlungsinsider sagten SPIEGEL ONLINE aber, das deutsche Verteidigungsministerium stehe angesichts der aktuellen Affäre um die Tanklaster-Bombardierung bei Kunduz so stark unter Druck, dass sich Minister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) keine neuen Probleme aufhalsen wolle.

"Man stelle sich mal vor, die Bundesregierung knickt vor Airbus ein und legt ein paar Milliarden Euro drauf, da haben die doch den nächsten Untersuchungsausschuss an der Backe", sagt ein EADS-Lobbyist. In der Tat hätte Airbus angesichts der Symbolik des Jungfernflugs den deutschen Minister gerne in Sevilla dabei gehabt. Aber der flog am Freitag zur Bundeswehr nach Afghanistan.

Der Handlungsspielraum der Deutschen ist begrenzt. Offenbar sind andere wichtige Kunden wie Frankreich und Großbritannien eher bereit, eine einvernehmliche Lösung mit Airbus zu finden, bei der beide Seiten ihr Gesicht wahren. Schließlich käme ein Aus für das Projekt nicht nur einem Image-GAU für Airbus gleich - die europäischen Armeen stünden auch ohne ernsthafte Alternative da.

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Fotostrecke: Das sind die Frachtgiganten der Lüfte

Dass Deutschland eher abwarten kann, hat auch damit zu tun, dass die Bundeswehr ihre Transall-Maschinen regelmäßig erneuert hat. Frankreich hat das nicht im gleichen Umfang getan, entsprechend sind die Transall-Modelle alles andere als Grande-Nation-tauglich. Frankreich würde aus der Not heraus wohl auch ein Kostenplus beim A400M akzeptieren.

Juan Carlos soll royalen Glanz verbreiten

Trotz aller Probleme verlautete am Freitag aus Verhandlungskreisen, dass bis Ende des Jahres über die Zukunft des Militärtransporters entschieden werden soll. Insbesondere EADS ist daran interessiert, da der Konzern bereits von Wirtschaftsprüfern gedrängt wird, die Projektrisiken durch entsprechende Rückstellungen abzubilden.

Wahrscheinlich wird es aber zu einer Einigung innerhalb des bestehenden Vertrages kommen. Denkbar ist deshalb, dass die Staaten zwar die vereinbarte Summe von 20 Milliarden Euro an Airbus bezahlen, dafür aber weniger Exemplare erhalten. Denkbar ist auch, dass es zu späteren Auslieferungen kommt - oder die Flieger mit weniger technischen Finessen ausgestattet sind.

Dass es noch am Freitag in Sevilla zu einer Lösung kommt, ist zwar unwahrscheinlich. Doch beim A400M-Projekt scheint alles möglich. Immerhin kam der spanische König Juan Carlos zum Airbus-Werk, um der glücklichen Landung des Fliegers beizuwohnen. Vielleicht hilft den Streithähnen ja etwas royaler Glanz.

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Sgt_Pepper, 03.02.2009
1. ???
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Von dem A350 wurden inzwischen 478 (!) Stück bestellt. Das heißt, Airbus ist schon vor Auslieferung des ersten Flugzeugs locker in der Gewinnzone. Der A380 hat sich durchgesetzt, 12 wurden schon ausgeliefert - die Gesamtbestellungen belaufen sich auf 198 Stück. Übernommen hat sich EADS / Airbus allein mit dem A400. Offensichtlich laufen ihnen die Kosten davon, während die Verkaufspreise festgeschrieben wurden...
kikolo, 03.02.2009
2.
was um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Realo, 03.02.2009
3. Mal eine "dumme" Frage.....
....weil ich mich mit Flugzeugen wirklich nicht auskenne, bin nur Passagier..... Die Bundeswehr braucht ein neues Transportflugzeug, das steht fest, die Transall ist uralt. Die Russen bauen doch da riesige Maschinen, könnte man da nicht kaufen ? Oder geht das wieder nicht wg. Nato usw....?
nairobi 03.02.2009
4.
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Man ist in einen Wettbewerb der Visionen eingestiegen und vieles versprochen, was man nicht einhalten konnte. Aber damit ist Airbus nicht allein, vor allem nicht in der Branche! Auf der anderen Seite das Atlantiks sieht es nicht anders aus. Dort überflüglt man Airbus bei den Pannen noch. Dort werden ganze Projekte aufgelegt und anschliessend wieder eingestampft. Und die 787 droht zum Nightmareliner zu werden!
Michael B. 03.02.2009
5.
Zitat von kikolowas um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Haben Sie auch inhaltlich etwas zu sagen? Die A400M ist nicht riesig, sie ist zwar grösser als die Hercules und Transall aber bei weitem kleiner als eine C17 oder AN-124. Aber sie wollten ja eh nur ihr "bundeswehr abschaffen" loswerden und das gleich zweimal, als ob der Doppelpost ihren Wortbrocken mehr Sinn gäbe.
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