Schweizer ABB-Konzern Manager taucht mit 100 Millionen Dollar ab

In der südkoreanischen Niederlassung des Schweizer Industriekonzerns ABB ist ein Mitarbeiter verschwunden - und mit ihm rund 100 Millionen Dollar. Interpol ermittelt.

Ein Betrugsfall in Südkorea kostet den ohnehin mit Problemen kämpfenden Schweizer Konzern ABB viel Geld: Ein Mitarbeiter der südkoreanischen Niederlassung soll rund 100 Millionen US-Dollar veruntreut haben. Nun ist er abgetaucht.

Anfang des Monats sei eine "verdächtige Person" verschwunden, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns . Kurz darauf habe ABB erhebliche finanzielle Unstimmigkeiten in Südkorea aufgedeckt. "Die derzeitige Schätzung weist eine Belastung vor Steuern von etwa 100 Millionen US-Dollar aus", teilte ABB mit. Eine unmittelbare Untersuchung des Falls unter Einbindung von Interpol sei eingeleitet worden.

Wie faz.net berichtet , handelt es sich bei dem Mitarbeiter um den bisherigen Schatzmeister der ABB-Tochtergesellschaft in Seoul. Als Kassenwart war er demnach im Rang nur eine Stufe unterhalb des lokalen Finanzchefs angesiedelt. Der Mitarbeiter soll systematisch Unterlagen und Bankdokumente gefälscht und dabei auch mit Dritten zusammengearbeitet haben.

Es sei dabei offenbar "nur" um persönliche Bereicherung gegangen, berichtet faz.net weiter. Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass Gelder zu Bestechungszwecken abgezweigt wurden.

Der in einigen Bereichen mit Siemens konkurrierende Konzern ABB hofft noch, die Auswirkungen der kriminellen Aktivitäten auf die Bilanz deutlich reduzieren zu können. So soll veruntreutes Geld wieder zurückgewonnen werden - zudem seien bei Versicherungen Ansprüche angemeldet worden. ABB will das endgültige Ergebnis für das vergangene Jahr jetzt spätestens bis 16. März vorlegen.

Der Elektrokonzern ABB war erst vor wenigen Tagen in die Schlagzeilen geraten, da die britische Strafverfolgungsbehörde (SFO) wegen Korruptionsverdachts ein Verfahren gegen die britische ABB-Tochter eingeleitet hat.

An der Börse hatten die Nachrichten nur geringe Auswirkungen. Das ABB-Papier gab leicht nach. Zuletzt hatte die Aktie aber auch deutlich zugelegt. Aktienanalysten machten sich wegen des Betrugsfalls in Südkorea keine großen Sorgen. Ein Analyst stufte den Vorfall zwar als "unglücklich" ein, geht aber davon aus, dass ein Teil der Verluste über Versicherungen gedeckt sein könnte.

kry/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.