Dieselaffäre Volkswagen will Schadensersatz von Bosch

Der Autozulieferer Bosch gerät in der Abgasaffäre immer stärker unter Druck. Der Großkunde Volkswagen könnte nach SPIEGEL-Informationen bis zu eine Milliarde Euro Schadensersatz verlangen.

Bosch-Logo über der Autobahn A8
DPA

Bosch-Logo über der Autobahn A8


Der Volkswagen-Konzern prüft im Zuge der Dieselaffäre Schadensersatzansprüche gegen seinen Zulieferer Bosch. Das erfuhr der SPIEGEL aus Konzernkreisen. Der Autohersteller sieht den Zulieferer in der Mitverantwortung für entstandene Schäden. Die Forderungen an Bosch könnten sich auf bis zu eine Milliarde Euro summieren. Bosch hatte VW Steuergeräte und Software geliefert, die später als illegale Abschalteinrichtungen verwendet wurden.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 7/2019
Besser umgehen mit der Trennung - Vorstoß für ein neues Familienrecht

Nach SPIEGEL-Informationen hat Volkswagen bereits Ende 2018 eine Klage gegen Bosch vorbereitet, weil ansonsten eine Verjährung möglicher Ansprüche gedroht hätte. Inzwischen haben die Konzerne eine Frist bis Ende März vereinbart. Bis dahin wollen beide Unternehmen über das weitere Vorgehen entscheiden.

Bosch erklärt dazu, mit Volkswagen bestehe ein jahrzehntelanges Hersteller-Lieferanten-Verhältnis. "Wir können uns eine solche Klage gegen Bosch nicht vorstellen", so der Zulieferer. Volkswagen äußert sich nicht.

Auch seitens der Ermittlungsbehörden gerät Bosch stärker unter Druck. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart im Herbst ein Bußgeldverfahren gegen Bosch eingeleitet. Die Ermittler sehen Aufsichtspflichtverletzungen bei Bosch. Dem Unternehmen droht ein Bußgeld im dreistelligen Millionenbereich.

Bosch bestätigt das Bußgeldverfahren und erklärt: "Das Verfahren steht im Kontext mit den Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH im Zusammenhang des Einsatzes angeblich manipulierter Software in Steuergeräten von Dieselfahrzeugen."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

fdo/sh/haw

insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Andy091965 08.02.2019
1. Wenn Bosch
an VW zahlen muss ist das dann ein Gewinn der an die Aktionäre weiter gegeben wird oder muss VW diesen Betrag zu 100% an den Endkunden weiter geben? Schönen Abend noch, Andy
HardiJo 08.02.2019
2. Jetzt will VW...
...sich wohl alles von den Zulieferern zurück holen?
Björn L 08.02.2019
3. Schwer vorstellbar, dass Bosch nicht nach Vorgaben fertigt
Lieber Spiegel, im Zuge des Dieselbetruges möchte ich wissen, warum der VW Konzern nur in den USA zur Rechenschaft gezogen wurde, aber nicht in anderen Ländern wie China, Russland uvm. Auch würde ich gerne erfahren, warum alle weltweiten Hersteller so leise wurden und niemand die Gunst der Stunde nutzte, um bsp zu Werbezwecken sich als integrer zu verkaufen. Das muß doch auffällig sein. Mittlerweile wissen wir, dass Porsche, BMW, Mercedes und Peugeot auch betrogen haben, ohne derart am Pranger zu stehen.
w.diverso 08.02.2019
4. Wenn es schon nicht
ein paar kleine Mitarbeiter bei VW sind die diese Betrugs-Software geschrieben haben, dann kann es doch nur ein Zulieferer gewesen sein. Der Herr Winterkorn der sich sonst in jede technische Kleinigkeit eingemischt hat, kann über sowas was Millionen von Autos betrifft doch wirklich nichts gewusst haben.
claus7447 08.02.2019
5. Spannend
Soweit beim Prozess in Stuttgart gegen die Porsche SA verlautet wurde, gibt es ein Schreiben von Bosch an VW, das bereits auf 2005 datiert ist und VW darauf hinweist, dass die S/W Teile nicht für den Serieneinsatz erlaubt sind. Aber bei VW steht wohl das Wasser hoch! RB als Zulieferant muss sehen wie sich das löst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.