Unabhängigkeit von russischer Energie Italien sichert sich Gaslieferungen aus Afrika

Aus moralischen Gründen will Italien »bald« kein russisches Gas mehr kaufen. Dafür hat das Land sich unter anderem mit Angola und der Republik Kongo auf mehr Lieferungen geeinigt.
Italienische Regierung: Auf »Tour del gas« in Afrika

Italienische Regierung: Auf »Tour del gas« in Afrika

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JULIO PACHECO NTELA / AFP

Innerhalb der EU sind keine Staaten so abhängig von Russlands Gas wie Deutschland und Italien. Doch während man hierzulande Alternativen bislang vor allem in Ländern wie Norwegen, Katar oder den Niederlanden sucht, blickt man in Rom längst nach Afrika.

Um sich vom russischen Gas zu lösen, hat Italien nun weitere Übereinkünfte für mehr Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) mit Angola und der Republik Kongo getroffen. Ab 2023 sollen 4,5 Milliarden Kubikmeter LNG aus der Republik Kongo kommen, wie der italienische Energieversorger Eni mitteilte .

Der Chef des teilstaatlichen Energiekonzerns war zusammen mit Italiens Außenminister Luigi Di Maio und dem Minister für den ökologischen Umbau, Roberto Cingolani, in die afrikanischen Länder gereist. Regierungschef Mario Draghi musste wegen eines positiven Coronatests ungeplant in Rom bleiben.

Am Vortag hatte die Delegation mit Angola, südlich der Republik Kongo an der afrikanischen Westküste gelegen, zudem bereits eine weitere »wichtige Vereinbarung« für mehr Gaslieferungen getroffen, wie Di Maio auf Facebook schrieb. Die italienische Regierung hatte bereits vor ihrer »Tour del gas«, wie Medien die Reise nannten, mit dem nordafrikanischen Algerien und dem Golfstaat Katar mehr Gaslieferungen ausgehandelt.

Rom will in 18 Monaten unabhängig von russischem Gas sein

Italien mit seinen knapp 60 Millionen Einwohnern importiert wie Deutschland bislang einen Großteil seines Gases aus Russland – konkret rund 45 Prozent. Das Land sieht sich wegen des Ukrainekriegs aus moralischen Gründen zu einer raschen Abkehr von russischen Gaslieferungen verpflichtet.

»Meiner Meinung nach müssen wir aus ethischen Gründen bald die russischen Gaslieferungen stoppen«, sagte der italienische Minister für die ökologische Wende, Roberto Cingolani, der Zeitung »La Stampa«. Italien sei »mit großer Geschwindigkeit dabei«, seine Versorgungsquellen zu diversifizieren, fuhr er fort.

Anders als die Bundesregierung ist die italienische Regierung wegen des Angriffskriegs in der Ukraine auch zu einem Embargo gegen Gas aus Russland bereit  – solange es von der EU beschlossen wird. In Brüssel war dieser Schritt jedoch zuletzt am Widerstand aus Deutschland und Österreich gescheitert.

Offen ist auch, welche moralischen Probleme Italien etwa in Bezug auf die Lieferungen aus Afrika sieht. Die Regierung hat jedenfalls erst kürzlich bereits zusätzliche Gaslieferungen mit Algerien vereinbart, von wo aus das Land schon versorgt wird.

Es sei »klar, dass ganz Europa beim Gas stark von Russland abhängt«, sagte Cingolani und sprach von einem »schwerwiegenden geopolitischen Fehler der vergangenen 20 Jahre«. Der Minister schätzt, dass Italien sich binnen 18 Monaten unabhängig von russischem Gas machen könnte. Zuvor war von einem Zeitraum von »24 bis 30 Monaten« die Rede.

apr/dpa/AFP
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