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Absicherung BP fordert Notfallfonds für künftige Ölkatastrophen

Der Ölmulti BP sorgt sich offenbar um die gesamte Branche: Der Chefökonom des Konzerns schlägt in der "Financial Times Deutschland" einen Notfallfonds für zukünftige Katastrophen vor - mit dem Argument, kleinere Unternehmen damit schützen zu wollen.
BP versucht mit allen Mitteln der Ölpest Herr zu werden - das treibt die Kosten nach oben

BP versucht mit allen Mitteln der Ölpest Herr zu werden - das treibt die Kosten nach oben

Foto: Bevil Knapp/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Ölpest im Golf von Mexiko ist noch lange nicht gebannt, doch BP denkt schon weiter: Der britische Ölkonzern BP hat für den Fall weiterer Ölkatastrophen einen Notfallfonds vorgeschlagen, an dem sich die gesamte Branche beteiligen solle.

Kleinere Unternehmen könnten höhere Kosten bei der Ölförderung und vor allem die Folgekosten von Unfällen wie dem Untergang der Bohrplattform "Deepwater Horizon" nicht tragen, sagte Christof Rühl, Chefökonom des britischen Ölmultis, der "Financial Times Deutschland" ("FTD").

Rühl bezeichnete dies als Schwäche im System, die angegangen werden sollte. Es sei wichtig, weiter auch weniger kapitalstarke Unternehmen an den komplizierten Bohrungen im tiefen Wasser zu beteiligen: "Schließlich sind auch gerade die kleineren Firmen oft die Triebfedern des technologischen Fortschritts."

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist die teuerste Katastrophe, die die Branche je erlebt hat. Schon jetzt kostete sie BP mehr als 2,7 Milliarden Dollar. Außerdem hat der Konzern einen Hilfsfonds über 20 Milliarden Dollar aufgelegt. Analysten schätzen dem Bericht zufolge, dass sich die Schäden für BP auf bis zu 40 Milliarden Dollar addieren könnten. Kleinere und mittelgroße Ölförderer würden von solchen Kosten vermutlich in die Pleite getrieben. Man müsse überlegen, wie man Risiken besser handhabe, sagte der ranghöchste deutsche Manager bei BP.

Der Ökonom geht nach eigenen Worten davon aus, dass die Auswirkungen der Katastrophe auf die Industrie spürbar sein werden. "Sowohl die Aufsichtsbehörden als auch die Industrie werden reagieren müssen", sagte er gegenüber der "FTD". Er rechne damit, dass die US-Regierung die Sicherheitsstandards verschärft und das Bohren in dem Land, das derzeit wegen niedriger Steuern sehr lukrativ sei, teurer werde. "Sicherheit gibt es nicht umsonst", sagte Rühl.

BP ist es noch nicht gelungen, das Loch zu schließen. Auch eine Verschlechterung des Wetters könnte die Versuche behindern das Ölleck zu schließen, erklärten Händler. BP beteuert dagegen, man mache weiterhin Fortschritte beim Stopfen der Quelle und der Beseitigung des Öls. , laufe nach Plan. Die Plattform "Deepwater Horizon" war im April im Meer versunken und hatte elf Menschen in den Tod gerissen. Seitdem sprudeln Millionen Liter Öl ins Meer.

lgr/Reuters/dpa