Abu Dhabi Bahn ergattert Großauftrag für Schienennetz am Golf

Die Deutsche Bahn hat den Zuschlag für ein lukratives Geschäft erhalten: Sie wird ein Schienennetz in den Vereinigten Arabischen Emiraten planen. Verkehrsminister Ramsauer und Bahn-Chef Grube unterzeichneten in Abu Dhabi einen entsprechenden Vertrag - möglicherweise ein Deal in zweistelliger Milliardenhöhe.

Grube (l.) und Ramsauer: Zur Unterschrift nach Abu Dhabi
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Grube (l.) und Ramsauer: Zur Unterschrift nach Abu Dhabi


Berlin/Abu Dhabi - Die Golfregion entpuppt sich als immer interessanterer Geschäftspartner für die Deutsche Bahn. Das Unternehmen hat dort erneut einen Großauftrag eingefahren. Verkehrsminister Peter Ramsauer und Bahn-Chef Rüdiger Grube reisten eigens nach Abu Dhabi, um ihre Unterschrift unter ein vielversprechendes Papier der Al-Masaood-Gruppe zu setzen. "Deutschland wird die Vereinigten Arabischen Emirate beim Aufbau einer hochmodernen und leistungsfähigen Schieneninfrastruktur nach Kräften unterstützen", erklärte Ramsauer anschließend. Die unterzeichnete Absichtserklärung sei "die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit".

Ob das Unternehmen auch an Bau und Betrieb beteiligt wird, soll einem Bahn- Sprecher zufolge erst später entschieden werden. Das Gesamtvolumen des Auftrages kann demnach "durchaus in zweistelliger Milliardenhöhe" liegen.

CSU-Mann Ramsauer gilt seit seinem Amtsantritt im Verkehrsministerium als "politischer Türöffner" und hat bereits einige große Verträge für die deutsche Wirtschaft eingefädelt. "Aus meinen Gesprächen mit Regierungsmitgliedern weiß ich, dass in der Region die Erfahrungen und das Fachwissen der Deutschen Bahn überaus geschätzt werden", sagte er am Sonntag. Ramsauer hat zuvor schon den Milliardenauftrag für die Deutsche Bahn aus Katar zum Aufbau eines Schienensystems und den Millionenauftrag der israelischen Eisenbahn an Siemens angebahnt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind für Deutschland einer der wichtigsten Wirtschaftspartner in Nah- und Mittelost. Die deutschen Exporte in die VAE - beispielsweise Kraftfahrzeuge, Maschinen und Anlagen - hatten 2008 den Angaben zufolge einen Wert von 8,16 Milliarden Euro. Vertreter der Bahn messen Ramsauers Besuch eine strategisch hohe Bedeutung bei, wie aus Kreisen verlautete.

Investitionen in Milliardenhöhe

Grube erklärte, die Bahn wolle ihre Kompetenz unter Beweis stellen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir bei den anstehenden Projekten mit unseren Planungsleistungen berücksichtigt werden. Später wollen wir auch unsere Betreiberkompetenz unter Beweis stellen", sagte er.

In der Region sind nach Unternehmensangaben in den nächsten Jahren Investitionen in Milliardenhöhe für große Bahnsysteme geplant. Dazu gehören Projekte für den Regionalverkehr, die Metro, die Straßenbahn sowie die Union Railway, eine geplante Fernbahnlinie, die Abu Dhabi mit den südlichen Emiraten verbinden soll.

Die Al-Masaood-Gruppe, eine der führenden industriellen Gruppen in den VAE, ist bereits industrieller Partner großer deutscher Unternehmen bei Logistik- und Verkehrssystemen und will mit Hilfe der Deutschen Bahn im Eisenbahngeschäft Fuß fassen. Der Geschäftsführer der DB International, Martin Bay, erklärte, sein Unternehmen sei seit fünf Jahren in den VAE tätig und kenne die lokalen Gegebenheiten. "So haben wir für die Union Railway konzeptionelle Untersuchungen durchgeführt und ein Straßenbahnsystem in dem neuen Stadtteil Al Raha Beach geplant. Deshalb haben wir auch in der Zukunft große Chancen in diesem wachsenden Markt."

Laut "Tagesspiegel am Sonntag" ist die Größenordnung des Auftrags in Abu Dhabi allerdings nicht vergleichbar mit dem 17-Milliarden-Euro-Auftrag für das Emirat Katar, den die Bahn im vergangenen November abgeschlossen hatte.

ler/apn/dpa



insgesamt 215 Beiträge
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rick.sander 25.03.2010
1. Grube ist genauso der Richtige
wie Mehdorn der Richtige war, oder auch nicht. Er hat ja bei ihm gelernt. Beide sind keine Eisenbahner und damit von vornherein für diesen Job ungeeignet, denn die Bahn hat ihre eigenen Gesetze. von dem "Gewinn" muß man die Einsparungen noch abziehen, die nicht erzielt worden wären, wenn die Fahrzeuge anständig gewartet worden wären(denn das kostet) und das notwendige Personal um pünktlich und sauber zu sein. Dann bliebe nichts mehr übrig und die Mißwirtschaft und Unfähigkeit der Verantwortlichen läge offen zu Tage. dann wäre da noch die Frage, wo denn der "Gewinn" herkommt und wofür er verwendet wird. Denn von den notwendigen Streckensanierungen und -Ausbauten ist ja keine Rede. Das Netz gehört weg von der DB und dann werden wir sehen.
Elfenklatscher 25.03.2010
2. selbst ins knie geschossen
die dbag wundert sich wohl ernsthaft über diesen einbruch? sie ist selbst verantwortlich dafür! die db verhindert mit aller kraft jeglichen gütertransport, wo sie nur kann. es werden keine gleisanschlüsse an fabrikgelände gebaut, lkw per zug transportieren wurde wieder abgeschafft, die kosten für speditionsfirmen hat die bahn in die höhe geschraubt, strecken werden eingestampft. es gibt mehrere gutachten, die belegen, daß dadurch der güterverkehr auf der strasse wieder zugenommen hat. manchmal frage ich mich, wozu es die dbag noch gibt. immerhin arbeitet sie fatalerweise gegen ihre kundschaft und beschwert sich dann über einbrechende gewinne...sowas
japan10 25.03.2010
3.
Zitat von sysopDie Wirtschaftskrise hat die Deutsche Bahn stark gebeutelt: Der Gewinn ist 2009 um über 32 Prozent eingebrochen und sank auf 830 Millionen Euro. Ist Grube der Richtige für die Deutsche Bahn?
Nicht die Finanzkrise hat die Bahn gebeutelt, sondern die Bahn selbst zieht sich nach unten. Grube will ja auch an die Börse und sich im Haifischbecken tummeln, damit noch mehr die Daumenschrauben angezogen werden können. Dieser Konzern ist ein gutes Spiegelbild für unsere Gesellschaft.
weltbetrachter 28.03.2010
4. ... wann denn auch hier ? ? ?
Glückwunsch an die Deutsche Bahn ! ! ! Aber wann wird denn hierzulande mit gleicher Akrebie gehandelt? Projekte stecken jahrelang fest, die Ostanbindung des Münchener Flughafens sei da nur als Beispiel für viele andere genannt. Prima das im Ausland Projekte durchgeführt werden. Aber wo bleibt Deutschland ??? - Oder kommen künftig die Subventionen für die Bahn auch aus dem Ausland zur Entlastung des deutschen Steuerzahlers ? ? ?
oberst klein 28.03.2010
5. Bahn ergattert Großauftrag für Schienennetz am Golf
Das ist ja wohl ein Witz: In Deutschland sind die Züge dreckig und unpünktlich und jetzt investiert die heruntergewirtschaftete Bundesbahn Milliarden an Steuergeldern in Abu Dhabi.
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