Ackermann beschwert sich "Wie Schwerverbrecher"

"Unglaublich", "ehrverletzend", "nicht akzeptabel": Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat sich über Ermittler beklagt, die vergangene Woche sein Büro durchsucht hatten. Die Beamten hätten seine Mitarbeiter wie Schwerverbrecher behandelt.
Ackermann: "Unakzeptabel, vor allem, wenn es um so wenig geht"

Ackermann: "Unakzeptabel, vor allem, wenn es um so wenig geht"

Foto: dapd

Berlin - Die Razzia sorgte für Aufsehen: Am vergangenen Montag durchsuchten Ermittler das Büro von Josef Ackermann. Hintergrund ist der Kirch-Prozess, die Staatsanwälte werfen dem Deutsche-Bank-Chef Falschaussagen in dem Rechtsstreit vor. Die Bank wehrt sich gegen die Vorwürfe und hat gegen die Richter des Zivilverfahrens Befangenheitsanträge gestellt.

Am Wochenende hat sich Ackermann nun bitter über das Vorgehen der Ermittler beschwert. "Wie bei Schwerverbrechern" seien diese vorgegangen, sagte er bei einer Veranstaltung der "Süddeutschen Zeitung". "Das ist unglaublich, ehrverletzend." Alle sechs damaligen Vorstandsmitglieder hätten sich in der Sache übereinstimmend geäußert: "Zu unterstellen, dass wir alle lügen, ist schon ein hartes Stück."

Der Deutsche-Bank-Chef störte sich laut "SZ" besonders am Vorgehen der Ermittler: Ihr Tonfall sei "schlichtweg unakzeptabel" gewesen - "vor allem, wenn es um so wenig geht".

Anders als zunächst spekuliert wurde, hängt sein Verzicht auf einen Platz im Aufsichtsrat offenbar nicht mit der Razzia zusammen. "Das Ermittlungsverfahren kam im Nachhinein", sagte Ackermann. Nach SPIEGEL-Informationen hat Ackermann Anfang November seinen Verzicht auf seine Kandidatur zum Aufsichtsratsvorsitzenden erklärt.

Über den geplanten Abschied von der Deutschen Bank informierte Ackermann zunächst Werner Wenning, Mitglied des Nominierungsausschusses im Aufsichtsrat. Unmittelbar danach hätten Wenning und Aufsichtsratschef Clemens Börsig Kontakt zu Paul Achleitner aufgenommen - der Finanzvorstand der Allianz habe binnen zwei Tagen eingewilligt, für den Aufsichtsratsvorsitz zu kandidieren.

Laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" scheiterte die Berufung zum Aufsichtsratschef an mangelndem Rückhalt bei Großaktionären: "Kein institutioneller Investor hat sich bedingungslos für ihn ausgesprochen", zitierte die Zeitung einen namentlich nicht genannten Fonds-Manager.

Spekuliert wird nun bereits über künftige Posten: Ackermann ist laut einem Bericht der Schweizer "Sonntagszeitung" beim Schweizer Versicherer Zurich Financial erster Kandidat für den Posten des Verwaltungsratspräsidenten. Ackermann äußerte sich am Samstag nicht zu seinen Plänen.

cte/dpa
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