Ackermanns Abgang Watsche für den neuen Chef

Josef Ackermanns letzte Bilanzpressekonferenz sollte allein ihm gehören. Doch das gelingt nicht. Aller Augen sind auf einen seiner zwei Nachfolger gerichtet: auf den umstrittenen Investmentbanker Anshu Jain. Und daran ist der scheidende Deutsche-Bank-Chef nicht ganz unschuldig.
Jain, Ackermann: Investmentsparte hat die Konzernbilanz verdorben

Jain, Ackermann: Investmentsparte hat die Konzernbilanz verdorben

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Sie haben sich wirklich alle Mühe gegeben, die Etikette zu wahren. Als Josef Ackermann am Donnerstagmorgen um kurz vor zehn die Bühne des Hermann-Josef-Abs-Saals betritt, haben sich seine Nachfolger brav hinter ihm in die Schlange der Führungskräfte eingereiht. Bis zu ihrem offiziellen Amtsantritt im Mai sollen Anshu Jain und Jürgen Fitschen in der Öffentlichkeit als ganz normale Top-Manager wahrgenommen werden. Die Zeit bis dahin soll noch Ackermann gehören. Doch das funktioniert natürlich nicht - ebenso wenig, wie der Versuch, den charismatischen Investmentbanker Jain und den biederen Mittelstandsexperten Fitschen als gleichberechtigte Partner darzustellen.

Zumindest die Fotografen haben ihre Wahl schon getroffen: Als sich die zwölfköpfige Führungsriege der Bank zum Gruppenfoto aufstellt, dirigieren die Presseleute Jain an die Seite von Ackermann. Nach kurzem Zögern folgt der Inder der Bitte. Die Blitze Dutzender Kameras zucken. Sein künftiger Co-Chef Jürgen Fitschen steht indes unbehelligt irgendwo rechts zwischen den anderen Managern. Er wird während der gesamten Pressekonferenz schweigen.

Jain ist kein Glamour-Typ - und doch ein Exot in den biederen deutschen Vorstandsetagen. Er gibt sich locker. Über dem dunklen Anzug trägt er auch diesmal wieder seinen schwarzen Rucksack. Während sein Noch-Chef Ackermann seine Rede abliest, hört Jain mit einem Knopf im Ohr zu - für die Übersetzung ins Englische. Er spreche ausreichend Deutsch für einen Smalltalk, versichert ein ranghoher Deutsche-Bank-Insider. Öffentlich hat ihn freilich noch nie jemand in der Sprache seines Arbeitgebers reden hören. Immerhin will er nun offenbar von London nach Deutschland ziehen: Er suche eine Wohnung im Frankfurter Raum, heißt es.

Jain ist der umstrittene Star der Deutschen Bank. Er dreht das ganz große Rad. Als Chef des Investmentbankings hat er dem Konzern in den vergangenen Jahren gigantische Gewinne beschert - und ab und zu auch gigantische Verluste. 2008 etwa, im Jahr der großen Krise, als alleine sein Bereich ein Minus von 8,5 Milliarden Euro verursachte. Oder auch Ende 2011: Von Oktober bis Dezember fuhren Jains Leute einen Verlust von 422 Millionen Euro ein. Das sei "sicher nicht berauschend", sagt Ackermann.

Der Noch-Chef hat das schlechte Abschneiden des Investmentbankings als Hauptursache dafür ausgemacht, dass der Konzern seine ambitionierte Gewinnvorgabe von zehn Milliarden Euro krachend verfehlt hat. "Wir haben die zehn Milliarden nicht erreicht, weil wir im Investmentbanking rund 3,5 Milliarden unter den Zielvorgaben geblieben sind", sagt Ackermann. Andere Bereiche hingegen hätten die Vorgaben erfüllt. Das klingt wie eine schallende Ohrfeige, mit der der Alte dem Neuen noch mal zeigen will, wer hier das Sagen hat - obgleich Ackermann sofort versichert, die harte Kritik habe "nichts mit Herrn Jain" zu tun. Er selbst habe ihn schließlich "jahrelang gefördert".

"Eine Lösung, die die Bedürfnisse der Bank abdeckt"

Über das Verhältnis von Jain und Ackermann ist viel spekuliert worden. In der Tat galt der Schweizer Bankchef lange Zeit als tatkräftiger Förderer des jungen, talentierten Geldvermehrers aus London, 2004 hievte er ihn an die Spitze der wichtigen Kapitalmarktsparte. Doch die Finanzkrise und der gigantische Verlust 2008 haben Ackermann skeptisch werden lassen. Plötzlich, so hieß es, wollte er keinen reinen Investmentbanker mehr an der Spitze der Bank - zumindest nicht alleine.

Stattdessen versuchte er zunächst den Ex-Bundesbankchef Axel Weber als Nachfolger zu installieren, der als Bankenaufseher so ziemlich das Gegenteil eines Investmentbankers war. Als dieser Plan scheiterte, soll Ackermann intern für seinen Landsmann Hugo Bänziger geworben haben, der als Risikovorstand der Bank bisher dafür da ist, Jains Händler im Zaum zu halten. Doch auch damit kam Ackermann nicht durch. Die nun gefundene Variante mit der Doppelspitze aus Jain und Fitschen lobt Ackermann denn auch eher verhalten. "Wir haben eine Lösung gefunden, die die Bedürfnisse der Bank gut abdeckt." Begeisterung klingt anders.

Auch Jain antwortet kryptisch, als er nach seinem Verhältnis zu seinem scheidenden Chef gefragt wird. Ackermann habe alles, was die Investmentbanker getan haben, unterstützt, sagt Jain. Und ohne diese Unterstützung des Vorstandschefs wäre man nicht "zu einer der führenden Investmentbanken geworden". Das kann man als Lob verstehen, aber auch als Hinweis darauf, dass es Ackermann selbst war, der den Konzern von den Erträgen aus dem Investmentbanking abhängig gemacht hat. Wie auch immer - Berichte über Probleme zwischen ihm und Ackermann haben laut Jain jedenfalls "keine Grundlage".

Ob Jain den Konzern künftig noch stärker auf das Investmentbanking ausrichten wird, ist offen. Fragen zu den Plänen der beiden neuen Vorstandschefs sind am Donnerstag verboten. Doch was seinen bisherigen Bereich angeht, hat Jain da schon so eine Idee, wie es weitergehen soll: "Unsere Strategie wird uns auch künftig zu einem Gewinner machen."

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