Ackermanns letzte Bilanz Deutsche Bank stutzt Mitarbeitern die Boni

Josef Ackermann verabschiedet sich mit Kürzungen: Der Noch-Chef der Deutschen Bank hat bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz verkündet, dass die Boni für die Mitarbeiter um ein Sechstel schrumpfen. Das Investmentbanking seines Nachfolgers Anshu Jain schwächelt.
Ackermann (rechts), Nachfolger Jain: "Erwartungen leider nicht erfüllt"

Ackermann (rechts), Nachfolger Jain: "Erwartungen leider nicht erfüllt"

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Zu einem seiner letzten großen Auftritte kam der Deutsche-Bank-Chef durch die Hintertür. Weil rund ein Dutzend Globalisierungskritiker von Attac vor der Firmenzentrale im Frankfurter Bankenviertel protestierte, wich Josef Ackermann auf einen Hintereingang aus. Die Demonstranten versuchten, das Vordach des Eingangsbereichs zu erklimmen. Schließlich lösten Polizisten die Protestaktion auf.

Auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz verkündete Ackermann dann ordentliche, aber keineswegs berauschende Zahlen. Der Gewinn nach Steuern beträgt 4,3 Milliarden Euro, knapp doppelt so viel wie 2010. Allerdings hatte Ackermann Anfang 2011 noch ein deutlich höheres Ergebnis in Aussicht gestellt.

Im letzten Quartal rutschte Deutschlands größtes Geldhaus sogar in die roten Zahlen. Größter Verlustsektor dafür war das Investmentbanking - die Sparte von Anshu Jain, einem der beiden Ackermann-Nachfolger. Vor allem im zweiten Halbjahr 2011 schwächelte die Abteilung. Das Geschäft mit Anleihen und Aktien brach ein, Börsengänge wurden verschoben und Firmenübernahmen abgesagt.

Ackermann verteidigte Jains Sparte zwar, sagte aber auch, dass das Investmentbanking die Erwartungen "leider nicht erfüllen" konnte. Jain musste sich mit einem Gewinn von 2,9 Milliarden Euro vor Steuern zufrieden geben, 2010 waren es noch fünf Milliarden gewesen. Ein Minus also von rund 40 Prozent.

Auch auf absehbare Zeit werde das Investmentbanking nicht mehr den Ertrag früherer Zeiten erreichen können, sagte Ackermann. "Doch auch wenn der Kuchen künftig kleiner werden dürfte, kann sich die Deutsche Bank daraus ein größeres Stück herausschneiden."

700 Millionen Euro für Rechtsstreits zurückgelegt

Allerdings drohen der Deutschen Bank   noch Kosten aus den Rechtsstreitigkeiten in den USA und Europa. Das Institut muss sich gegen zahlreiche Klagen zur Wehr setzen. Die Kläger werfen der Bank unlautere Geschäftspraktiken vor - vor allem, was die Zeit vor der Finanzkrise betrifft. Das Kreditinstitut legte jetzt 700 Millionen Euro für mögliche Kosten der Klagen zurück.

Ackermann sagte, das Management nehme Kritik an seinen Geschäften sehr ernst. Wo erforderlich, würden Konsequenzen gezogen. Dennoch bekenne die Deutsche Bank sich im Grundsatz "voll" zum Investmentbanking. "Wir sind sicher, dass wir auch in Zukunft viel Freude daran haben werden."

Die Boni für Mitarbeiter will die Deutsche Bank spürbar kürzen. Das Budget dafür sei um rund ein Sechstel gekürzt worden, um die Kapitalbasis des Marktführers zu verbessern, sagte Ackermann. Außerdem sollen weniger Boni in bar ausgezahlt werden.

Damit habe die Bank die Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht EBA bereits erreicht. Mit einer Kernkapitalquote von 9,5 Prozent würden die geforderten neun Prozent sogar leicht übertroffen.

cte/Reuters/dpa