Verlagerung nach Asien Adidas schließt Vorzeige-Schuhfabrik in Deutschland

Die Schuhfabrik von Adidas in Franken galt als gelungenes Beispiel für eine Rückkehr an den Heimatstandort. Doch nach nicht mal fünf Jahren ist wieder Schluss mit "Made in Germany".
Roboter bei Sohlenproduktion von Sportschuhen von Adidas in Ansbach: Ende der Fertigung in Deutschland

Roboter bei Sohlenproduktion von Sportschuhen von Adidas in Ansbach: Ende der Fertigung in Deutschland

Foto: Hannah Hlavac / Adidas / DPA

Erst vor wenigen Jahren hat Adidas die hochautomatisierte Produktion von Turnschuhen in Deutschland und den USA gestartet. Doch damit ist bald schon wieder Schluss. Die sogenannten Speedfactories im fränkischen Ansbach und in Atlanta werden spätestens im April kommenden Jahres geschlossen, teilte Adidas mit. Im Gegenzug werde die Technologie zur weitgehend maschinellen Schuhproduktion bei zwei Zulieferbetrieben in Asien eingesetzt.

Adidas hatte die automatische Fabrik in Ansbach erst im Dezember 2015 vorgestellt und arbeitete dort eng mit dem auf Kunststoffverarbeitung spezialisierten Unternehmen Oechsler zusammen. Die Speedfactories waren geschaffen worden, um möglichst schnell auf neue Trends vor allem in der Laufschuh-Technologie und -mode reagieren zu können. So fertigten in der Ansbacher Fabrik 3D-Drucker Kunststoffsohlen, die individuell an den Fuß angepasst werden.

Geringe Kosten dank Fertigung durch Roboter

Der Hochlohnstandort Deutschland schien dafür attraktiv , weil in solchen Hightech-Fabriken Personalausgaben dank Fertigung durch Roboter kaum ins Gewicht fallen. Die Fabrik in Ansbach startete mit 160 Mitarbeitern. Die Produktion dort macht nur einen Bruchteil der Gesamtproduktion aus. Denn das Massengeschäft beruht unverändert auf in Handarbeit zusammengeklebten Schuhen aus Asien.

Mit dem Projekt in Ansbach verband sich aber die Erwartung, zumindest einen kleinen Teil der aufwendigen Schuhproduktion aus Niedriglohnländern in Asien zurück nach Deutschland zu holen. Zum Start hatte Adidas auf die kurzen Transportwege und niedrigere Kosten für Lagerhaltung verwiesen.

Adidas und Oechsler wollen weiter zusammenarbeiten

Adidas verspricht sich durch die Verlagerung der Speedfactory-Technologie nach Asien eigenen Angaben zufolge eine bessere Ausnutzung bestehender Produktionskapazitäten und mehr Flexibilität in der Produktgestaltung. Zudem könnten künftig so mehr Varianten der Speedfactory-Schuhmodelle angeboten werden, teilte das Unternehmen mit.

Adidas und Oechsler wollen trotz der Schließung der Fabriken ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Von Adidas hieß es, der Konzern werde in Deutschland weiter Fertigungsprozesse entwickeln, verbessern und testen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Adidas bis zur Werkseröffnung in Ansbach seit mehr als 30 Jahren nicht in Deutschland produziert habe. Adidas betreibt jedoch seit 1959 ein Werk in Scheinfeld. Wir haben die Stelle korrigiert.

mmq/Reuters/dpa