Blutige Unruhen Deutsche Firmen wollen in Ägypten bleiben

"Wir hoffen, dass das Land nicht auseinanderbricht": Die deutschen Unternehmen wollen Ägypten trotz der blutigen Kämpfe die Treue halten. Die deutsche Handelskammer fürchtet aber schwere Folgen für die angeschlagene Wirtschaft des Landes.

Unruhen in Kairo: 80 deutsche Unternehmen in Ägypten
AP

Unruhen in Kairo: 80 deutsche Unternehmen in Ägypten


Berlin - Die deutsche Wirtschaft will sich trotz der blutigen Unruhen in Ägypten nach Erkenntnissen des DIHK nicht aus dem nordafrikanischen Land zurückziehen. "Die Unternehmen, die da sind, werfen nicht das Handtuch", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

Die deutsch-arabische Industrie- und Handelskammer habe ihre Büros in Kairo und Alexandria geschlossen, so Treier. Sie sollen nach bisherigen Plänen am Sonntag wieder ihre Arbeit aufnehmen. Auch viele Betriebe vor Ort hätten vorübergehend geschlossen. "Die Situation ist eben sehr besorgniserregend, und das tägliche Leben, die Logistik, funktioniert nicht in einer solchen Situation", sagte Treier.

Schon bei früheren Unruhen wären die meisten Unternehmen im Land geblieben. Die Gewalt in Ägypten richte sich nicht gegen Ausländer. Der DIHK befürchtet jedoch weitere Rückschläge für die ägyptische Wirtschaft und eine stärkere Abhängigkeit des Landes von ausländischen Geldgebern.

Einzelne Unternehmen reagieren aber bereits auf die blutigen Kämpfe, die das Land seit Tagen erschüttern. Der AEG-Mutterkonzern Electrolux gab am Donnerstag bekannt, seine Produktion in Ägypten vorerst zu stoppen.

80 deutsche Unternehmen vor Ort

"Wir haben die Hoffnung, dass dieses Land nicht auseinanderbricht", sagte Treier. Die Partner vor Ort sprächen davon, dass es trotz tiefer Gräben zwischen den streitenden Gruppen das Gefühl einer Nation gebe, das letztlich helfen sollte, ein Abgleiten ins Chaos zu verhindern.

"Wir sind besorgt, wir sind beunruhigt, und das geht sicher in die Wirtschaft hinein", sagte Treier. Unter den rund 80 deutschen Unternehmen mit ihren etwa 24.000 Beschäftigten gebe es naturgemäß Unsicherheit. 20 der Firmen seien produzierende Unternehmen aus dem Automobil-, dem chemischen Bereich und der Elektrotechnik.

ade/cte/Reuters/dpa

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