Nach 43 Jahren Betrieb Ältestes französisches Atomkraftwerk wird abgeschaltet

Seit 1977 produziert das AKW Fessenheim im französischen Elsass Atomstrom - zum Ärger der angrenzenden Länder. Nun wird das Werk abgeschaltet.
Atomkraftwerk Fessenheim

Atomkraftwerk Fessenheim

Foto: SEBASTIEN BOZON/ AFP

Das betriebsälteste Atomkraftwerk Frankreichs Im elsässischen Fessenheim wird endgültig abgeschaltet. Der zweite Druckwasserreaktor soll nach Angaben des Betreibers EDF am späten Montagabend ab ca. 23.30 Uhr heruntergefahren werden. Die Stilllegung des Kraftwerks soll am Dienstagmorgen beendet sein. Der erste Reaktorblock des seit Ende 1977 Strom produzierenden Kraftwerks am Rhein war bereits Ende Februar vom Netz genommen worden.

Kritikern galt das Kraftwerk an der Grenze zu Baden-Württemberg schon seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko. Atomkraftgegner in Deutschland und der Schweiz hatten sich lange ohne Erfolg für ein Abschalten der beiden Reaktoren eingesetzt. Beide Länder waren besorgt über häufige Störfälle und das Erdbebenrisiko am Oberrhein. Ursprünglich war die Abschaltung bereits Ende 2016 geplant, der damalige Staatschef François Hollande hielt seine Zusage aber nicht ein.

Deutsche Politiker und Umweltaktivisten begrüßten die Stilllegung. Der Zenit der Atomkraft sei längst überschritten, sagte Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD). Die Abschaltung des AKW in Fessenheim mache auch Deutschland und die Schweiz sicherer. Erst in der vergangenen Woche war ein Reaktor ungeplant heruntergefahren worden.

Batterie-Recycling und Bahnverbindungen

Die Region um die Gemeinde Fessenheim im südelsässischen Département Haut-Rhin soll nun zu einem grünen, grenzübergreifenden Vorzeigeprojekt werden. In einem deutsch-französischen Innovationspark sind Projekte zu nachhaltiger Energiegewinnung geplant. Wasserstoffproduktion, Batterie-Recycling und viele weitere Projekte lägen auf dem Tisch, sagte Brigitte Klinkert, Präsidentin des zuständigen Département-Rats.

Die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer setzt auf die geplante direkte Bahnverbindung über eine neue Rheinbrücke zwischen Freiburg und Colmar als Impuls für die Grenzregion. Die Bahnstrecke werde Wirtschaftskraft bringen, sagte Schäfer.

Bis das Gelände des Kernkraftwerks selbst genutzt werden kann, werden jedoch noch Jahrzehnte vergehen. Nach Betreiberangaben sind für die Vorbereitungen der Demontage fünf Jahre veranschlagt, der Abbau selbst dauert dann nochmals 15 Jahre.

rai/dpa/afp
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