Mauscheleien bei der Bahn Ex-Manager bekam 374.850 Euro - fast ohne Gegenleistung

Ein Untersuchungsbericht offenbart pikante Details der Berateraffäre bei der Bahn: Weil ein Manager "Existenzängste" geltend machte, wurde mit einem gut dotierten Beratervertrag bedacht. Sein Arbeitsaufwand hielt sich offenbar in Grenzen.

Die Konzernzentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz in Berlin
DPA

Die Konzernzentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz in Berlin


Die Deutsche Bahn bemüht sich, Konsequenzen zu ziehen aus dem Debakel um Dutzende Berateraufträge, die ohne Zustimmung des Konzernaufsichtsrats vergeben wurden. So wird ein noch bis 2020 laufender Vertrag mit dem langjährigen Berater Edmund Schlummer gestoppt, früher Vorstand der Tochter DB Cargo. Das berichtet das "Handelsblatt".

Schlummer stand mit einer Summe von 7,89 Millionen Euro Honorar an der Spitze von insgesamt 25 ehemaligen Bahnmanagern, die nach ihrem Ausscheiden das Unternehmen gegen Geld beraten hatten. Bahn-Chefkontrolleur Michael Odenwald sagte der Zeitung, bis zu einer endgültigen Entscheidung ruhe "der Vertrag von Herrn Schlummer". Aus diesem Vertrag würden "keine Leistungen abgerufen und schon gar nicht vergütet".

"Leistungserbringung allenfalls in geringem Umfang"

Dem "Handelsblatt" liegt ein Untersuchungsbericht vor, den die Wirtschaftsberatungsgesellschaft EY - früher Ernst & Young - erstellt hat. Das Gutachten umfasst 432 Seiten. Darin findet sich auch der Fall eines früheren Managers der Bahn Logistiktochter Schenker. Laut "Handelsblatt" monierte der Mann, seine "wirtschaftliche Existenz" sei durch einen geplanten Aufhebungsvertrag gefährdet.

Er fragte deshalb den damaligen Bahnvorstand Ulrich Weber, ob er nicht als Berater für den Konzern arbeiten könne. Tatsächlich heuerte er als Berater für "Internationalisierung der Personalarbeit" an und bekam dafür 374.850 Euro. Im Gegenzug traf er sich laut "Handelsblatt" einmal im Monat für einen halben Tag mit Vorstand Weber - eine zweifelhafte Praxis, wie die EY-Prüfer anmerken: "Eine Leistungserbringung konnte allenfalls in geringem Umfang festgestellt werden", heißt es im Gutachten. Die Vergütung sei "nicht marktüblich" gewesen.

EY war vom Bahn-Aufsichtsrat mit der Durchleuchtung aller Beraterverträge beauftragt worden. Dem Gutachten zufolge wurden bei 57 von 60 untersuchten Beraterverträgen, die die Bahn und ihre Töchter mit früheren Managern zwischen 2008 und 2018 abgeschlossen hatte, anders als vorgeschrieben nicht der Aufsichtsrat informiert.

beb



insgesamt 62 Beiträge
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!!!Fovea!!! 10.10.2019
1. Aber
das Geld kam doch doppelt wieder herein, durch gestiegene Personalkosten, wurde doch jahrelang an der Ticketpreisschraube gedreht...., so what...... Schuld bekamen die Lokführer.
ex-optimist 10.10.2019
2. Vetternwirtschaft
Filz, Korruption, Selbstbedienung. Was resultiert jetzt aus den Erkenntnissen? Strafverfahren? Schadenersatz? Oder wie üblich Versetzung, Belobigung, Beförderung?
sh.stefan.heitmann 10.10.2019
3. Die Deutsche Bahn bemüht sich, Konsequenzen zu ziehen aus dem Debakel
Nein tut sie nicht! Konsequenzen ziehen wäre: jeder der darin involviert wird fristlos gekündigt und wegen Untreue angezeigt. Tund sie das nicht wollen sie auch keine Konsequenzen ziehen sondern es vergessen
hans_habermoos 10.10.2019
4. Es gibt keine Korruption in DE
Nochmal: Es gibt keine Korruption oder Vetternwirtschaft in DE. Italien klar, Frankreich keine Frage, aber doch nicht in DE. Dann würden doch die Menschen auf die Straße gehen oder Politiker würden die Korruption bekämpfen. Nein, wir sind hier DE ganz sauber.
lesheinen 10.10.2019
5.
Leider ist es jetzt zu spät. Die DB akzeptiert keine Existenzängste als Rechtfertigung für Beraterverträge mehr. Ich werde nicht mehr berücksichtigt. Das bin ich selbst schuld, hätte ich doch vorige Woche den Brief zur Post gebracht statt faul auf dem Sofa zu liegen. Ich weiß ja nicht, wie so die Gepflogenheiten der Wirtschaft für "Alte Herrren", ich benutze mal einen Begriff aus dem Fußball, sind, aber für praktisches Nichtstun eine so hohe Vergütung zu gewähren, grenzt m. E. an Untreue.
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