Exportboom Chinesen kaufen mehr deutsche Schweine

Der Schlachtpreis stieg in zwei Wochen um fast 20 Euro pro Schwein: Während der Absatz hierzulande schwächelt, hilft den deutschen Schweineproduzenten der Export - wegen einer tödlichen Tierseuche.

Schweinehälften in einem niedersächsischen Schlachthof (Archiv)
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Schweinehälften in einem niedersächsischen Schlachthof (Archiv)


Der Konsum von Schweinefleisch und die Schlachtzahlen in Deutschland sinken seit Jahren - in dieser Situation sorgt seit Kurzem ein Nachfrageboom aus China wieder für Auftrieb bei den Schlachtpreisen. Die Nachfrage nach europäischem Schweinefleisch im Reich der Mitte sei in den vergangenen drei Wochen stark angestiegen, sagte der Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Matthias Quaing.

"Der Schlachtpreis stieg in den vergangenen zwei Wochen um 20 Cent, das sind im Durchschnitt fast 20 Euro pro Schwein - so einen Anstieg hatten wir schon lange nicht mehr", sagte Quaing. Als Gründe für die sprunghafte Nachfrage führt er den Handelskrieg zwischen Peking und Washington - sowie die in China herrschende Afrikanische Schweinepest an.

Auch in Nachbarländern wie Tschechien, Polen oder Belgien wurde der Erreger der Afrikanischen Schweinepest bereits nachgewiesen. Deutschland gilt bisher als verschont von der tödlichen Tierseuche. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat einen 51 Kilometer langen Elektrozaun bauen lassen, mit dem im Falle eines Ausbruchs die Kernzone abgeriegelt werden soll. Auch Dänemark, das seit Jahrzehnten viel Schweinefleisch für den Export produziert, will sich mit einem Wildschweinzaun entlang der deutschen Grenze schützen.

Tönnies: 3,6 Prozent weniger Umsatz

Die steigenden Preise für Schweinefleisch wiederum können laut ISN auch Nachteile haben. Viele mittelständische Fleischverarbeiter könnten die gestiegenen Einkaufspreise nicht mehr refinanzieren. "Unternehmen ohne gültige China-Lizenz könnten ins Hintertreffen geraten", warnte Quaing laut Fachportal "agrarheute".

Hintergrund ist, dass die Wursthersteller die Preise mit dem Lebensmitteleinzelhandel in längerfristigen Verträgen festlegen. Die Rechnung gehe am Ende nur auf, wenn der Handel die steigenden Preise auch an die Verbraucher weitergebe - sonst dürfte es für den einen oder anderen Wurstfabrikanten existenzielle Schwierigkeiten geben, sagte Quaing.

Video aus China: Ein Hochhaus für Schweine

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In Deutschland dagegen schrumpft der Markt für Schweinefleisch. Die drei größten deutschen Schweine-Schlachtbetriebe sind einer jährlichen ISN-Erhebung zufolge Tönnies, das niederländische Unternehmen Vion und die münstersche Genossenschaft Westfleisch. Tönnies mit Sitz in Ostwestfalen hatte Mitte März ein Umsatz-Minus von 3,6 Prozent auf 6,65 Milliarden Euro für 2018 verkündet.

apr/dpa



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