Agrarsubventionen Deutsche Firmen kassieren die größten EU-Hilfen

Sie erhalten Millionen Euro von der EU: Deutsche Großunternehmen haben im vergangenen Jahr die höchsten Agrarhilfen der Europäischen Union erhalten. Nicht immer haben die Konzerne auf den ersten Blick mit Landwirtschaft zu tun.

Landwirtschaft in Schleswig-Holstein: Großkonzerne profitieren
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Landwirtschaft in Schleswig-Holstein: Großkonzerne profitieren


Bonn - Deutsche Konzerne sind Spitzenreiter beim Empfang von Agrarsubventionen der Europäischen Union. Das geht aus der neuen Liste der Subventionsempfänger hervor, die die Bonner Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) am Donnerstag veröffentlicht hat.

Das meiste Geld floss demnach an die Hauptgenossenschaft Nord AG (HaGe Nord), die 19,5 Millionen Euro erhielt. Die HaGe Nord machte 2010 einen Gewinn von 18,7 Millionen Euro - er lag damit unter den Hilfen der EU.

Die zweithöchsten Zahlungen gingen an den Münchner Mischkonzern BayWa, der rund 13,44 Millionen Euro EU-Geld erhielt. Das Unternehmen erklärte am Freitag allerdings, dass dies keine Subventionen seien. Vielmehr habe man Dienstleistungen für die EU erbracht, die normal vergütet worden seien. So habe der Konzern Getreide an die BLE verkauft, die als Interventionsstelle der EU tätig ist. Außerdem habe man die Lagerung von Getreide übernommen. Der Auftrag sei regulär ausgeschrieben worden, und die BayWa habe sich gegenüber anderen Mitbewerbern durchgesetzt.

"Damit handelt es sich nicht um Subventionen", teilte die BayWa am Freitag mit. Dass die BLE auf ihrer Liste der Zahlungsempfänger nicht explizit darauf hingewiesen habe, kritisiert die BayWa scharf. "Diese Art der Darstellung ist in hohem Maße geschäftsschädigend", erklärte Vorstandschef Klaus Josef Lutz. "Deshalb erwägen wir rechtliche Schritte gegen die BLE."

Der größte deutsche Milchkonzern Nordmilch erhielt rund neun Millionen Euro EU-Unterstützung, Europas größter Zuckerhersteller Südzucker 2,68 Millionen Euro.

Sogar der Energiekonzern RWE wurde mit EU-Subventionen bedacht - für landwirtschaftlich genutzte Rekultivierungsflächen im Rheinischen Braunkohlerevier. Sie beliefen sich laut der veröffentlichten Liste auf insgesamt 514.000 Euro. Der Leverkusener Chemieriese Bayer bekam für seine Immobilientochter Bayer Real Estate den Angaben zufolge 135.000 Euro Direktzahlungen.

Kritiker beklagen schon seit Jahren die undurchsichtige Vergabepolitik der Landwirtschaftsbeihilfen. "Die Zahlen belegen, dass die Mittel an die Falschen gehen", sagte die Agrarexpertin des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Reinhild Benning, der "Tageszeitung". "Konzerne kassieren Millionen, der durchschnittliche Landwirt wird mit Kleckerbeträgen abgespeist."

Schon die erste Veröffentlichung der Empfängerliste im Juni 2009 zeigte, dass die höchsten Summen an Nahrungsmittelkonzerne und große Agrarfabriken gingen. Um die Vergabe transparenter zu gestalten, müssen die Mitgliedsländer die Empfänger öffentlich machen.

Die Agrarsubventionen sind der größte Ausgabenposten im EU-Haushalt aus - fast die Hälfte des EU-Geldes fließt an Landwirte.

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs im November hatte dafür gesorgt, dass die Subventionsempfänger seit November nicht einsehbar waren. Die Richter sahen in der Veröffentlichung eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. In der nun wieder erscheinenden Liste tauchen nur noch Unternehmen auf - einzelne Landwirte werden nicht mehr genannt.

seh/AFP



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
brux 28.04.2011
1. Was fehlt im Artikel ?
Wieder einmal wird nicht erwähnt, dass Deutschland diese Transparenzaktion der Europäischen Kommission massiv behindert hat, quasi als Täterschutz. Die Deutschen sehen sich so gerne als die grossen EU-Nettozahler, sind aber ganz vorne dran, wenn`s an`s Absahnen geht. Das gilt im übrigen auch für so manchen deutschen EU-Parlamentarier, der so ziemlich alles mitnimmt, was zu haben ist. MEP Grässle hetzt mit Leidenschaft gegen die EU-Beamten und fordert für sich selbst eine generöse Aufstockung der Kostenpauschale nach der anderen. Neidkampagnen und Hetze sind eben teure Aktivitäten.
MaxGrabowski 28.04.2011
2. Abschaffen den Dreck!
Und wieder eine atomisierten Bauernmarkt schaffen! Warum gibt es in Bayern und BaWü Hammerqualität zu vernünftigen Preisen bei den Lokalbauern? Die Nahrungsmittelindustrie wird noch ihr blaues Wunder erleben! Kauft nicht gerade Aldi hektarweise Land im dunklen Osten? Bei sowat kommt mir dit kotzen! Dreckskonzerne mit ihre Chemieprodukte und Profitgeilheit! Die Aktionäre sollte man Teeren und Federn! Ick wander aus! Ist mir zu blöd hier mit den Lobby-Speichelleckern!
DasReptil 28.04.2011
3. .......
Zitat von bruxWieder einmal wird nicht erwähnt, dass Deutschland diese Transparenzaktion der Europäischen Kommission massiv behindert hat, quasi als Täterschutz. Die Deutschen sehen sich so gerne als die grossen EU-Nettozahler, sind aber ganz vorne dran, wenn`s an`s Absahnen geht. Das gilt im übrigen auch für so manchen deutschen EU-Parlamentarier, der so ziemlich alles mitnimmt, was zu haben ist. MEP Grässle hetzt mit Leidenschaft gegen die EU-Beamten und fordert für sich selbst eine generöse Aufstockung der Kostenpauschale nach der anderen. Neidkampagnen und Hetze sind eben teure Aktivitäten.
Klar, man verschwendet Milliarden, um dann Millionen zurückzubekommen. Grandiose Geschäftsidee der Deutschen. Warum ist da eigentlich sonst niemand drauf gekommen?
weserbauer 28.04.2011
4. Rechenexempel
Zitat von sysopSie erhalten Millionen Euro von der EU: Deutsche Großunternehmen haben im vergangenen Jahr die höchsten Agrarhilfen der Europäischen Union erhalten. Nicht immer haben die Konzerne auf den ersten Blick mit Landwirtschaft zu tun. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,759566,00.html
Da ein Großteil der Subventionen flächenbezogen gezahlt werden, ist es wohl kaum überraschend, das Großbetriebe und Großunternehmen die höchsten Zahlungen erhalten. Aber die Verknappung des weltweiten Angebotes an Agrarrohstoffen wird die Ausgleichszahlungen überflüssig machen, denn der damit verbundene Preisanstieg wird die Landwirtschaft wieder unabhängig von staatlichen Unterstützungen machen.
zauberer1, 28.04.2011
5. bestimmte Almosenempfänger..
Zitat von bruxWieder einmal wird nicht erwähnt, dass Deutschland diese Transparenzaktion der Europäischen Kommission massiv behindert hat, quasi als Täterschutz. Die Deutschen sehen sich so gerne als die grossen EU-Nettozahler, sind aber ganz vorne dran, wenn`s an`s Absahnen geht. Das gilt im übrigen auch für so manchen deutschen EU-Parlamentarier, der so ziemlich alles mitnimmt, was zu haben ist. MEP Grässle hetzt mit Leidenschaft gegen die EU-Beamten und fordert für sich selbst eine generöse Aufstockung der Kostenpauschale nach der anderen. Neidkampagnen und Hetze sind eben teure Aktivitäten.
Es musste dringend Intransparenz geschaffen werden, wo kommen wir denn hin, wenn jeder einsehen kann das sich Politiker nicht zu schade sind diese Almosen zu kassieren. Gab es nicht 2009 einen großen Aufschrei wegen zuviel Transparenz? http://gesamtrechts.wordpress.com/2009/06/20/eu-agrarhilfen-fliessen-nach-deutschland-in-die-taschen-von-politikern/
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