Kriselnde Fluglinie Air Berlin droht Partnerverlust in den USA

Air Berlin setzt in der Krise massiv auf das Geschäft mit Flügen in die USA. Doch die Partnerlinie American Airlines könnte die Zusammenarbeit mit den Deutschen aufkündigen.
Aufsteller der Fluggesellschaft Air Berlin am Flughafen Düsseldorf

Aufsteller der Fluggesellschaft Air Berlin am Flughafen Düsseldorf

Foto: Jannis Mattar/ dpa

Eine riesige Reklame an einer Halle unweit des Flughafens Berlin-Tegel soll den Weg weisen: Air Berlin wirbt hier aufwendig mit Stars und Stripes für die eigenen USA-Flüge. Ein Teil der 14 Air-Berlin-Langstreckenflieger, alles Airbus-Maschinen vom Typ A330-200, wird aktuell nach Nordamerika und in die Karibik eingesetzt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Zur Überraschung mancher Branchenkenner kündigte Air-Berlin-Chef Stefan Pichler vor einigen Wochen sogar an, das Geschäft über dem Atlantik noch ausbauen zu wollen. Die Jets sollen offenbar auch zum Weitertransport von Passagieren des Air-Berlin-Großaktionärs Etihad aus Abu Dhabi in die USA dienen. 60 Prozent des Umsatzes sollen künftig auf dem am härtesten umkämpften Luftfahrtmarkt der Welt verdient werden. Dabei sind die Margen dort traditionell niedrig und die Konkurrenz ist riesig.

Ob der Plan aufgeht, ist allerdings mehr als fraglich. Denn ein anderer Teil des US-Geschäfts ist nach SPIEGEL-Informationen akut gefährdet. Demnach will die US-Gesellschaft American Airlines offenbar das seit fast sechs Jahren bestehende Code-Share-Abkommen mit der deutschen Linie aufkündigen. Bei einer solchen Vereinbarung werden Flüge gemeinsam vermarktet, auch können Airlines Anschlussflüge der Partnergesellschaft unter eigener Flugnummer anbieten. Eine Sprecherin der US-Linie sagte dem SPIEGEL, man überprüfe aktuell die Vereinbarungen mit Air Berlin. Bereits Ende März 2017 könnte damit Schluss sein. Air Berlin möchte die Zukunft der Code-Share-Vereinbarung mit dem US-Partner nicht kommentieren.

Schon in der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen Air Berlin und American Airlines nicht spannungsfrei. Beide gehören dem Luftfahrtbündnis One World an. Als Air Berlin einen Flug von Düsseldorf nach Dallas anbieten wollte, stieß dies bei American Airlines nicht auf Begeisterung - der Dienst wurde nie aufgenommen. Der dafür eingeplante Airbus wurde stattdessen für eine Strecke nach Palma de Mallorca eingesetzt. Das führte dazu, dass manche Passagiere für den kurzen Flug in den Genuss einer wirklichen Business-Class kamen - der Einsatz einer Langstreckenmaschine dürfte für Air Berlin allerdings wenig wirtschaftlich gewesen sein.

Profitieren kann American Airlines zudem bisher offenbar kaum von der Kooperation mit Air Berlin. Die 2013 aufgenommene Verbindung von Chicago nach Düsseldorf hat die US-Gesellschaft jüngst eingestellt. Der Sprecherin zufolge flogen aus Düsseldorf Passagiere weiter mit Air Berlin.

Vielleicht hat die Überprüfung des Code-Share-Abkommens ja auch noch einen anderen Hintergrund: American Airlines gehört zu einer Allianz von US-Fluglinien, die Airlines aus den Golfstaaten vorwerfen, staatlich subventioniert zu sein. Weil die arabische Fluglinie Etihad einen Anteil an Air Berlin hält, gehören wohl beide eher ins gegnerische Lager. Und sie betreiben bereits eine Art Arbeitsteilung: Die östlichste Verbindung von Air Berlin geht nach Abu Dhabi, das Geschäft in Asien erledigt Etihad. So bleibt für Air Berlin auf der Langstrecke vor allem, in Richtung Nordamerika abzuheben - und American Airlines Konkurrenz zu machen. Den Amerikanern kann das nicht gefallen.

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