Nach Teilübernahme durch Lufthansa Bund fordert Kulanz für Air-Berlin-Kunden

Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluglinie Air Berlin, darunter 3000 Mitarbeiter. Die Bundesregierung fordert, dass der Konzern den Air-Berlin-Kunden bei den Tickets entgegenkommt.

Flieger von Lufthansa und Air Berlin
REUTERS

Flieger von Lufthansa und Air Berlin


Die Lufthansa soll sich stärker für Beschäftigte und Kunden der insolventen Air Berlin einsetzen. So fordert Justizminister Heiko Maas (SPD), dass der Konzern Air-Berlin-Kunden entgegenkommt, deren Tickets verfallen.

"Es sollte im eigenen Interesse der Lufthansa liegen, sich jetzt möglichst kulant gegenüber den Kunden zu zeigen, und Air-Berlin-Tickets auf den von ihr übernommenen Strecken zu akzeptieren", sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies wäre ein wichtiges Signal, um Kundenvertrauen nicht zu verlieren.

Ähnlich äußerte sich der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller: "Viele Tausend Air-Berlin-Kunden werden von ihrem Geld nichts mehr wiedersehen. Die Lufthansa sollte sich großzügig zeigen und Air-Berlin-Kunden die Gebühren für bereits gebuchte Tickets erstatten."

Die Lufthansa übernimmt für voraussichtlich etwa 210 Millionen Euro 81 der 134 Flugzeuge von Air Berlin. Zudem können 3000 Beschäftigte zum deutschen Marktführer wechseln.

Kommissarische Arbeitsministerin fordert mehr Engagement

Die Bundesregierung wünscht sich darüber hinaus noch mehr Engagement: "Die Lufthansa und andere Interessierte, die gute Stücke von Air Berlin übernehmen, müssen bei der Qualifizierung und Vermittlung der Air-Berlin-Beschäftigten in einer Transfergesellschaft Verantwortung übernehmen", sagte die kommissarische Arbeitsministerin Katarina Barley (SPD). "Wir brauchen jetzt rasch ein Bekenntnis aller Beteiligten - im Interesse der vielen Frauen und Männer bei Air Berlin, die gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt brauchen."

Bislang haben Air Berlin selbst, Berlin und Nordrhein-Westfalen angekündigt, sich an einer Transfergesellschaft zu beteiligen. "Einen vergleichbaren Einsatz würde ich mir auch von Bayern wünschen, wo ebenfalls viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze stehen", sagte Barley.

Die Lufthansa wies die Appelle nach mehr Engagement zurück. Die Fluggesellschaft teilte mit, man habe mit der Übernahme von großen Teilen von Air Berlin schon viel für deren Beschäftigte beigetragen. "Lufthansa hat sich mehr als jeder andere Akteur engagiert mit der Schaffung und Übernahme von 3000 Arbeitsplätzen und Investments von 1,5 Milliarden Euro zur nachhaltigen Sicherung dieser Jobs."

Berliner Verwaltung sucht Arbeitskräfte

Die Berliner Verwaltung ist daran interessiert, Mitarbeiter von Air Berlin einzustellen. "Wir suchen rund 4000 Beschäftigte im Moment", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Abgeordnetenhaus. Bei Air Berlin gebe es viel Verwaltungs- und IT-Erfahrung. Auch mit der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg habe es Gespräche gegeben, dort werde aber nicht im gleichen Umfang Personal gebraucht.

Die Folgen der Air-Berlin-Insolvenz erreichen derweil auch den Ferienflieger TUIfly. 150 Stellen stehen dort nach Firmenangaben auf dem Spiel. Die Airline des Reisekonzerns TUI hat wegen der Rückgabe von 14 von Air Berlin gecharterten Boeing-Flugzeugen samt Besatzung nun einen Personalüberhang. Zuerst hatten die "Neue Presse" und die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" über den möglichen Stellenabbau berichtet.

brt/dpa

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