Air-Berlin-Zerschlagung Lufthansa-Billigtochter schreibt bereits Stellen für neue Crews aus

Eurowings bereitet die Übernahme von Air-Berlin-Maschinen und ihren Crews vor - zu deutlich schlechteren Konditionen. Nach SPIEGEL-Informationen wirbt die Führung der Lufthansa-Tochter bei Mitarbeitern für die geplante Expansion.
Eurowings-Flugzeug am Flughafen München

Eurowings-Flugzeug am Flughafen München

Foto: Alexander Heinl/ dpa

Die Führung der Lufthansa-Billigtochter Eurowings stellt schon jetzt die Weichen für eine Übernahme von mehreren Dutzend Jets des insolventen Wettbewerbers Air Berlin - obwohl sie offiziell noch gar nicht den Zuschlag bekommen hat. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einer internen Mitarbeiterinfo von Matthias Spohr hervor, dem jüngeren Bruder von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Er leitet den Flugbetrieb von Eurowings.

In dem Schreiben wirbt der Manager um Verständnis, dass die Firma bereits Stellenausschreibungen für zusätzliche Crews veröffentlicht hat, auf die sich von Arbeitslosigkeit bedrohte Air-Berlin-Kollegen bewerben können - in der Regel allerdings zu deutlich schlechteren Konditionen. In einer ersten Phase sollen nach SPIEGEL-Informationen zunächst 200 Piloten und 400 Flugbegleiter eingestellt werden.

Der Stammbelegschaft, versichert Spohr, drohten durch die geplante Aufstockung "keine negativen Auswirkungen", stattdessen würden sich die Aufstiegschancen für alle verbessern. Zudem sei die Eröffnung von "neuen deutschen Standorten" möglich, wie zum Beispiel "die Wiedereröffnung unserer Station München". Voraussetzung sei allerdings, dass die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) Entgegenkommen zeige.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Gewerkschaft hält bei dem geplanten Ausbau von Eurowings mit Jets und Angestellten von Air Berlin in Deutschland einen Trumpf in der Hand. Nach einem bereits vor längerer Zeit abgeschlossenen Tarifvertrag darf der deutsche Eurowings-Ableger nur maximal 23 Maschinen betreiben. Diese Schwelle würde durch die Eingliederung von Teilen der Air Berlin-Flotte deutlich überschritten - und kann nur mit Zustimmung der VC angehoben werden.

Spohr geht offenbar davon aus, dass der Deal daran nicht scheitern wird. "Wir sind in konstruktiven Gesprächen", versichert er der Belegschaft, "und hoffen, in Kürze die Grundlagen für das avisierte kurzfristige Wachstum unseres Flugbetriebs schaffen zu können."

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