Insolvente Fluggesellschaft Wöhrl bietet bis zu 500 Millionen Euro für Air Berlin

Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will eigenen Angaben zufolge Air Berlin kaufen und dafür bis zu eine halbe Milliarde Euro bezahlen. Ein entsprechendes Übernahmeangebot sei bereits eingereicht worden.
Hans Rudolf Wöhrl (Archivbild 2013)

Hans Rudolf Wöhrl (Archivbild 2013)

Foto: Karlheinz Schindler/ dpa

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin ist insolvent, und noch bis Freitag kommender Woche können Interessenten ein Angebot zur Übernahme von Teilen oder der kompletten Airline vorlegen. Eines hat nun der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl eingereicht: Er bietet nach eigenen Angaben bis zu eine halbe Milliarde Euro für Air Berlin  .

Wöhrls Firma Intro teilte mit, am Sonntag per Fax ein entsprechendes Übernahmeangebot bei Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther eingereicht zu haben. Die Unternehmen Lufthansa, Condor, Tui, Germania sowie Niki Lauda seien informiert worden, sich an dem Angebot beteiligen zu können. Komme es zu keiner Beteiligung, sei man mit Investoren auch allein in der Lage, die Sanierung zu wagen. Es werde davon ausgegangen, dass Air Berlin bald wieder wachse "und demzufolge mindestens die heutige Anzahl von Mitarbeitern gebraucht werde".

Wöhrl erklärte in einem Facebook-Beitrag , die zur Gruppe gehörende Aurum Project AG biete für die gesamte Air-Berlin-Gruppe, wie sie Ende 2016 bestanden habe. Der Kaufpreis solle in mehreren Tranchen gezahlt werden. Eine erste Rate von 50 Millionen Euro sei am Übernahmetag fällig, die weiteren Tranchen seien abhängig vom Ergebnis und könnten sich auf bis zu 450 Millionen Euro belaufen. Im Falle eines Weiterverkaufs erhielten die Mitarbeiter eine Gewinnbeteiligung von 100 Millionen Euro.

Man sei bereit, Anteile sowohl an andere Investoren als auch an strategische Partner abzugeben. "Bei Fluggesellschaften gilt dies vor allen Dingen dann, wenn diese auch Flugzeuge chartern und entsprechende Auslastungsgarantien geben."

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Air-Berlin-Insolvenz: Chronik eines Sinkflugs

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Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline wird bis 21. September angepeilt. Neben Wöhrl gibt es mehrere andere Interessenten:

  • Lufthansa: Die größte deutsche Fluggesellschaft hatte früh ihr Interesse angemeldet und gilt als aussichtsreichster Bieter. Lufthansa   will Teile von Air Berlin übernehmen, Insidern zufolge soll sie an rund 70 der 144 Maschinen von Air Berlin Interesse haben. Eine komplette Übernahme kann aus kartellrechtlichen Gründen nicht erfolgen.
  • Easyjet und Condor: Berichten zufolge werden der britische Billigflieger Easyjet und der deutsche Ferienflieger Condor, eine Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook, als Interessenten an Teilen von Air Berlin gehandelt. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann wollte die Meldungen zu Easyjet   in einem Interview Mitte August weder bestätigen noch dementieren. Condor erklärte damals lediglich, Thomas Cook und die Fluggesellschaft stünden "für eine aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit".
  • Alexander Skora: Der Berliner Unternehmer erwägt, die insolvente Fluggesellschaft zu kaufen und gemeinsam mit einem Konsortium aus israelischen, kanadischen und US-Investoren für das Unternehmen zu bieten.
  • Niki Lauda: Der Ex-Formel-1-Star gründete einst die nach ihm benannte Niki Luftfahrt GmbH. 2011 verkaufte er sie an Air Berlin. Ende August schrieb er eigenen Angaben zufolge einen Brief an den Insolvenzverwalter von Air Berlin, "in dem ich mein Interesse an FlyNiki bekunde".
  • Utz Claassen: Nach SPIEGEL-Informationen will der frühere Chef des Energiekonzerns EnBW Air Berlin kaufen. In einem Schreiben an den Sachwalter Lucas Flöther versicherte Claassen, er wolle "einen möglichst großen Anteil der Arbeitsplätze... gewährleisten". Dazu habe er "hochpotente und hochseriöse internationale Investoren" kontaktiert, mit denen er "freundschaftlich verbunden" sei.
  • Zeitfracht: Der Berliner Logistikdienstleister Zeitfracht will Air Berlin als Ganzes übernehmen und bis Mitte September ein verbindliches Angebot vorlegen.
aar/Reuters/AFP
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