Air-Berlin-Insolvenz Die Schuld der Scheichs

Air Berlin ist insolvent, weil der Großaktionär Etihad die Finanzhilfen gestoppt hat. Ein überraschender und gefährlicher Schritt, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Abu Dhabi auf Jahre belasten könnte.

Air-Berlin-Maschine im Landeanflug
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Air-Berlin-Maschine im Landeanflug


Man wüsste wirklich gerne, wie Hartmut Mehdorn über die Pleite von Air Berlin denkt - leider äußert sich der frühere Firmenchef im Moment nicht. Immerhin war er es, der Ende 2011 die arabische staatliche Airline Etihad als Retter und Anteilseigner zur schon damals finanziell klammen zweitgrößten deutschen Fluglinie holte.

Die Partner passten von Anfang an nicht zusammen, auch wenn das Notbündnis euphorisch gefeiert wurde. Auf der einen Seite der viel zu schnell gewachsene Lufthansa-Konkurrent, entstanden aus einem Sammelsurium zusammengekaufter, kleinerer Gesellschaften, der sich mit Hilfe aus dem Morgenland endlich den internationalen Durchbruch erhoffte. Und auf der anderen Seite die ehrgeizigen Aufsteiger aus Abu Dhabi, die gegenüber dem Erzrivalen Emirates aufholen wollten, indem sie angeschlagene europäische Airlines übernahmen.

Die schon damals unheilvolle Kombination endet nun mit einem Eklat, der sogar die Beziehungen zwischen beiden Ländern noch über Jahre hinaus belasten könnte: Etihad stoppt die finanzielle Unterstützung - und schickt Air Berlin damit in die Insolvenz.

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Air-Berlin-Insolvenz: Chronik eines Sinkflugs

Warum jetzt? Diese Frage müssen sich die Verantwortlichen bei Etihad gefallen lassen. Dass es um die deutsche Fluglinie nicht gut stand, war in der Branche schon lange bekannt. Unter anderem deshalb reiste Lufthansa-Chef Carsten Spohr Anfang Mai mit der Bundeskanzlerin nach Abu Dhabi, um in Gesprächen mit der Regierung nach einer Lösung für Air Berlin zu suchen. Die wurde zunächst zwar nicht gefunden. Allerdings sagten die Scheichs zu, ihren Ableger zumindest bis zum Spätherbst 2018 weiter zu alimentieren, um den Wahlkampf der Kanzlerin nicht im Hochsommer mit Horrormeldungen über die Insolvenz von Air Berlin zu torpedieren.

Genau das ist jetzt passiert, und der Bundesregierung blieb nichts anderes übrig, als schnell zu reagieren. Bilder von massenhaft auf Mallorca gestrandeten Urlaubern hätten viele Wähler wohl vergrault.

Air Berlin bekommt vom Staat deshalb einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro, der bis November reicht. Dann sind die Koalitionsverhandlungen längst abgeschlossen, und die neue Regierung ist im Amt. Lufthansa und Easyjet dürfen mit dem Segen des Bundeskartellamts die verbliebene Flotte unter sich aufteilen und halten sich so Ryanair vom Leib. Außergewöhnliche Situationen schaffen zuweilen eben ungewöhnliche Kooperationen.

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Etihad dagegen dürfte vorerst genug von Kooperationen haben. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", haben sie sich die Araber wohl gedacht. Doch ihr völlig überstürzter Abgang bei Air Berlin könnte sich noch rächen. Wer soll mit dem Emirat künftig noch Geschäfte machen, wenn dort offenbar nicht einmal ein Versprechen gegenüber der Bundeskanzlerin etwas gilt?

insgesamt 175 Beiträge
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RalfHenrichs 15.08.2017
1. That's business
Air Berlin hat quasi nie Gewinn erwirtschaft. Vielleicht kann man den Scheichs vorwerfen - das kann ich nicht beurteilen -, die Fluggesellschaft nicht in die Gewinnzone geführt zu haben. Ansonsten ist es jedem Investor stets unbenommen den Stecker zu ziehen. Versprechen gegenüber irgendjemand Drittes zählen da nicht. Die Scheichs haben sich also völlig korrekt verhalten. Ob sich die Bundeskanzlerin mit dem Überbrückungskredit - genauer: Geschenk - richtig verhalten ist, ist eher zu bezweifeln.
mucschwabe 15.08.2017
2. Wie bitte?
Air Berlin soll 150 Mio. Euro vom Staat als Überbrückungskredit bekommen, damit vor der Wahl keine schlechten Nachrichten in der Presse stehen? Ich bin kein Jurist, aber nennt man sowas nicht Untreue? Wenn es keine positive Fortführungsprognose über die nächsten 18 Monate gibt, ist sowas doch strafbar, zumindest wenn es ein Bankangestellter zu verantworten hätte. Oder sehe ich das falsch?
Echt jetzt 15.08.2017
3. Groteske Verdrehung der Tatsachen
---Zitat--- Air Berlin ist insolvent, weil der Großaktionär Etihad die Finanzhilfen gestoppt hat ---Zitatende--- Air Berlin ist insolvent aufgrund jahrelanger Misswirtschaft. Ohne die Finanzhilfen von Ethihad wäre das schon viel früher passiert. Jetzt auf "die Scheichs" zu schimpfen und gleichzeitig noch eine diplomatische Krise daraus machen zu wollen, ist armselig.
qwertreiber 15.08.2017
4. Daneben
Die Schuld bei Investorenzu suchen, die ein paar hundert Millionen Euro reingepumpt haben, ist wohl doch etwas zu kurz gehüpft. Eine Pleite-Airline aus strategischen Gründen (Verbindungen zu eigenen Hubs) zu stützen, ist durchaus ehrenvoll. Nur muss diese sich nicht wundern, wenn nach Jahren Alternativen gesucht werden. Der Schandfleck ist eher bei der deutschen Airline und dessen Management zu suchen.
kuschl 15.08.2017
5. Ein Versprechen gegenüber der Bundeskanzlerin?
Ein Versprechen gegenüber der Bundeskanzlerin zu Wahlkampfzwecken scheint also genau soviel wert zu sein, wie ein Versprechen der Bundeskanzlerin zu Wahlkampfzwecken. " Mit mir wird es keine Maut ....." Tja: Zu Wahlkampfzwecken kann man dem Wahlmichel alles versprechen, nach der Wahl kommt die Giftliste neuerdings sofort, damit er drei weitere Jahre zum Vergessen hat. Bis jetzt hat es geklappt: Wähleramnesie nennt man das wohl.
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