Air-Berlin-Insolvenz Die Schuld der Scheichs

Air Berlin ist insolvent, weil der Großaktionär Etihad die Finanzhilfen gestoppt hat. Ein überraschender und gefährlicher Schritt, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Abu Dhabi auf Jahre belasten könnte.
Air-Berlin-Maschine im Landeanflug

Air-Berlin-Maschine im Landeanflug

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Man wüsste wirklich gerne, wie Hartmut Mehdorn über die Pleite von Air Berlin denkt - leider äußert sich der frühere Firmenchef im Moment nicht. Immerhin war er es, der Ende 2011 die arabische staatliche Airline Etihad als Retter und Anteilseigner zur schon damals finanziell klammen zweitgrößten deutschen Fluglinie holte.

Die Partner passten von Anfang an nicht zusammen, auch wenn das Notbündnis euphorisch gefeiert wurde. Auf der einen Seite der viel zu schnell gewachsene Lufthansa-Konkurrent, entstanden aus einem Sammelsurium zusammengekaufter, kleinerer Gesellschaften, der sich mit Hilfe aus dem Morgenland endlich den internationalen Durchbruch erhoffte. Und auf der anderen Seite die ehrgeizigen Aufsteiger aus Abu Dhabi, die gegenüber dem Erzrivalen Emirates aufholen wollten, indem sie angeschlagene europäische Airlines übernahmen.

Die schon damals unheilvolle Kombination endet nun mit einem Eklat, der sogar die Beziehungen zwischen beiden Ländern noch über Jahre hinaus belasten könnte: Etihad stoppt die finanzielle Unterstützung - und schickt Air Berlin damit in die Insolvenz.

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Air-Berlin-Insolvenz: Chronik eines Sinkflugs

Foto: Air Berlin

Warum jetzt? Diese Frage müssen sich die Verantwortlichen bei Etihad gefallen lassen. Dass es um die deutsche Fluglinie nicht gut stand, war in der Branche schon lange bekannt. Unter anderem deshalb reiste Lufthansa-Chef Carsten Spohr Anfang Mai mit der Bundeskanzlerin nach Abu Dhabi, um in Gesprächen mit der Regierung nach einer Lösung für Air Berlin zu suchen. Die wurde zunächst zwar nicht gefunden. Allerdings sagten die Scheichs zu, ihren Ableger zumindest bis zum Spätherbst 2018 weiter zu alimentieren, um den Wahlkampf der Kanzlerin nicht im Hochsommer mit Horrormeldungen über die Insolvenz von Air Berlin zu torpedieren.

Genau das ist jetzt passiert, und der Bundesregierung blieb nichts anderes übrig, als schnell zu reagieren. Bilder von massenhaft auf Mallorca gestrandeten Urlaubern hätten viele Wähler wohl vergrault.

Air Berlin bekommt vom Staat deshalb einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro, der bis November reicht. Dann sind die Koalitionsverhandlungen längst abgeschlossen, und die neue Regierung ist im Amt. Lufthansa und Easyjet dürfen mit dem Segen des Bundeskartellamts die verbliebene Flotte unter sich aufteilen und halten sich so Ryanair vom Leib. Außergewöhnliche Situationen schaffen zuweilen eben ungewöhnliche Kooperationen.

Etihad dagegen dürfte vorerst genug von Kooperationen haben. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", haben sie sich die Araber wohl gedacht. Doch ihr völlig überstürzter Abgang bei Air Berlin könnte sich noch rächen. Wer soll mit dem Emirat künftig noch Geschäfte machen, wenn dort offenbar nicht einmal ein Versprechen gegenüber der Bundeskanzlerin etwas gilt?

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