Arbeitsuchende Air Berliner Eurowings-Mitarbeiter warnen vor ihren Jobs

Hunderte Mitarbeiter der insolventen Air Berlin brauchen neue Jobs. Die Lufthansa-Tochter Eurowings bietet neue Stellen. Doch dort Beschäftigte warnen laut einem Medienbericht vor miesen Arbeitsbedingungen.
Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Mehrere hundert Piloten und Flugbegleiter der Fluggesellschaft Air Berlin verlieren jetzt ihre Arbeit, sie sind seit heute freigestellt. Hoffnung auf neue Arbeit macht vielen von ihnen Eurowings. Die Billigtochter der Lufthansa hat neue Stellen angekündigt. Doch Eurowings-Mitarbeiter warnen nun die Air-Berlin-Kollegen in einem offenen Brief vor den schlechten Bedingungen, unter denen sie arbeiten, berichtet die "Bild"-Zeitung. Darin skizzieren sie ein erschreckendes Niveau.

Eurowings habe noch schlechtere Bedingungen als der sonst so stark kritisierte Konkurrent Ryanair, schreiben die Absender des Briefs, die sich selbst nicht zu erkennen geben. Es gebe keine Altersvorsorge, 15 Tage Kündigungsfrist, Urlaubsanspruch auf dem gesetzlichen Mindestniveau des Landes, Rentenanspruch teilweise erst nach acht Jahren Einzahlung in das örtliche Sozialsystem.

Robert Jahn, Geschäftsführer von Eurowings Europe wies die Kritik zurück: "Wir sagen es klar und deutlich: Dieses Schreiben enthält falsche Behauptungen und ist in hohem Maße geschäftsschädigend", sagte er der "Bild". "Viel schlimmer aber ist, dass die Air-Berlin-Crews in ihrer schwierigen Situation für die Durchsetzung eigener Interessen instrumentalisiert werden und so mit ihren Ängsten gespielt wird."

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Allerdings wurde Eurowings Europe, die unter österreichischer Lizenz fliegt, schon mehrfach für seine schlechten Arbeitsbedingungen kritisiert. Arbeitnehmervertreter prangerten 2016 Dumpinglöhne und Tarifflucht bei der Airline an, etwa Verträge ohne Kündigungsschutz und Fixgehalt für Flugbegleiter.

Johannes Schwarcz, Luftfahrtexperte der österreichischen Gewerkschaft Vida, überraschen die aktuellen Vorwürfe und Warnungen nicht. "Es ist nicht das erste Mal, dass wir von den fragwürdigen Arbeitsbedingungen bei Eurowings Europe hören", sagte er dem Luftfahrtmagazin "Austrianwings". Das Magazin zitiert zudem Mitarbeiter von Eurowings, die die Zustände ebenfalls anprangern: Von schlechter Absicherung im Krankheitsfall ist dort die Rede, niedrigen Löhnen, mangelnder Versorgung mit Essen und Trinken auf den Flügen trotz gesetzlicher Regelungen dazu.

Die Lufthansa hat Vorwürfe bisher stets zurückgewiesen. Das Unternehmen übernimmt den größten Teil von Air Berlin, an die Tochter Eurowings gehen Jets aus der Flotte des ehemaligen Rivalen, weitere Teile übernehmen Easyjet, das Logistikunternehmen Zeitfracht und die Wartungsfirma Nayak.

Lufthansa setzt Jumbos für Flüge nach Berlin ein

Auf das geringe Angebot an Flügen durch die Air-Berlin-Insolvenz reagiert die Lufthansa auch mit größeren Flugzeugen. Ab diesem Mittwoch bis voraussichtlich Ende November fliegt die Lufthansa mit Jumbojets zwischen Berlin und Frankfurt, teilte der Konzern mit. "Wir rechnen mit einer sehr hohen Nachfrage auf dieser Strecke im November. Mit den bisherigen Flugzeugkapazitäten wäre es nicht zu bewältigen", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Als Jumbojets werden Flugzeuge vom Typ Boeing 747 bezeichnet. Die Maschinen besitzen zwei Passagierdecks und werden überwiegend im Transatlantik- und internationalen Fernflugverkehr eingesetzt.

kig/dpa
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