Air Berlin Mehdorn kündigt harten Sparkurs an

Trotz guter Geschäfte in diesem Sommer steuert Air Berlin im fünften Jahr in Folge auf einen Verlust zu. Jetzt hat Unternehmenschef Hartmut Mehdorn die Mitarbeiter der Fluglinie auf harte Einschnitte vorbereitet - im Zuge des Sparpakets "Turbine 2013" drohen auch radikale Stellenstreichungen.
Air-Berlin-Chef Mehdorn: "Einschnitte sind nicht auszuschließen"

Air-Berlin-Chef Mehdorn: "Einschnitte sind nicht auszuschließen"

Foto: dapd

Berlin - Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn will die angeschlagene Fluglinie im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone führen - und bereitet seine Belegschaft in diesem Zusammenhang auf spürbare Einschnitte vor. "Wir werden sicher an schwierigen Maßnahmen nicht vorbeikommen", sagte Mehdorn am Donnerstag bei der Vorstellung des Quartalsberichts.

Zwar wollte der Konzernchef einen möglichen Stellenabbau weder dementieren noch bestätigen und verwies darauf, dass die Details des neuen Sparprogramms "Turbine 2013" noch erarbeitet würden. Allerdings deuteten mehrere seiner Äußerungen auf für die Belegschaft schmerzhafte Entscheidungen hin. So sollen Mehdorn zufolge in den kommenden acht Monaten "Strukturen und Arbeitsabläufe nach weiteren Potentialen für Kosteneinsparungen" durchleuchtet werden. "Dabei sind auch Einschnitte nicht auszuschließen", sagte Mehdorn.

Konkret sollen demnach Flugziele, Flotte, Bodenservice, Netzwerkplanung und IT-Bereich genauer unter die Lupe genommen werden. Durch den schnellen Aufbau des Unternehmens seien "Ineffizienzen entstanden", die nun abgebaut werden müssten. Auch mit den Tarifpartnern müsse gesprochen werden, sagte der Manager. Der Nachrichtensender n-tv und die Nachrichtenagentur dapd hatten am Dienstag übereinstimmend berichtet, die Fluglinie erwäge den Abbau von rund 900 seiner 9300 Arbeitsplätze.

Vielfliegerprogramm wird verkauft

Fest steht hingegen schon, dass Air Berlin sein Vielfliegerprogramms "topbonus" verkaufen möchte. Dazu befindet sich das Unternehmen laut Mehdorn in "fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem Investor". Das Programm werde in ein eigenes Unternehmen ausgelagert. Eine Mehrheitsanteil an dem Unternehmen soll dann verkauft werden.

Bereits am Mittwochabend hatte Air Berlin   seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal von Juli bis September vorgestellt. Der Konzern konnte demnach seinen Gewinn auf 66,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Der Umsatz stieg um rund 1,4 Prozent auf fast 1,4 Milliarden Euro.

Die positive Entwicklung der Geschäftszahlen führte Mehdorn auf das erste Sparprogramm "Shape & Size" zurück, dass er kurz nach seinem Antritt im vergangenen Jahr etabliert hatte. Ziel von Air Berlin bleibe es, ab kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Die Fluggesellschaft hatte die Geschäftsjahre seit 2008 stets mit einem Verlust abgeschlossen.

Air Berlin stehe aber nach wie vor unter erheblichem finanziellen Druck, sagte Mehdorn. Das Unternehmen belasteten hohe Treibstoffkosten, die Verschiebung des Startermins für den neuen Berliner Großflughafen, der schwache Euro und die trüben Aussichten für die Konjunktur.

fdi/dpa/AFP/dapd
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