Interessent Lufthansa Bundesregierung ringt um Haltung zur Air-Berlin-Übernahme

Mehrere Bundesminister sprachen sich bei der anstehenden Übernahme der insolventen Air Berlin für die Lufthansa aus. Die Wettbewerbshüter sind alarmiert. Nun heißt es aus dem Wirtschaftsministerium, bevorzugt werde niemand.

Maschine von Air Berlin
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Maschine von Air Berlin


Die Bundesregierung wehrt sich gegen den Eindruck, sie bevorzuge die Lufthansa beim möglichen Kauf von Teilen der insolventen Air Berlin. "Wir sind weder für noch gegen einen bestimmten Interessenten", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Ziel sei eine Lösung, die sowohl wettbewerbsrechtlichen Aspekten Rechnung trage als auch die Zukunft der Beschäftigten von Air Berlin im Blick habe. Bei den Verhandlungen zwischen Air Berlin Chart zeigen und anderen Fluggesellschaften sitze die Regierung nicht mit am Tisch.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hatte jedoch noch kurz zuvor in einem Interview eine Stärkung der Lufthansa befürwortet. "Ich würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernimmt", sagte die SPD-Politikerin dem "Handelsblatt". Die Lufthansa sei "ein Champion im Luftverkehr". Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach sich in mehreren Interviews dafür aus, dass ein Großteil von Air Berlin an die Lufthansa geht.

Lufthansa will sich einen großen Teil der Flugzeuge von Air Berlin sichern. Die Abstimmungen sind nach SPIEGEL-Informationen weit fortgeschritten, schon diese Woche wird eine erste Einigung erwartet. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann verhandelt derzeit mit mindestens drei Interessenten. Das Engagement der Lufthansa Chart zeigen sehen Wettbewerbshüter dabei kritisch. Die Bundesregierung erkennt darin keine Probleme, schließlich werde die Fluggesellschaft nicht allein von einer Firma übernommen. Die Bundesregierung stützt die insolvente Fluggesellschaft zudem mit einem Übergangskredit von 150 Millionen Euro und will den Flugbetrieb so bis Ende November sichern.

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Air-Berlin-Insolvenz: Chronik eines Sinkflugs

Kritisiert wird das Engagement der Regierung unter anderem vom früheren Nürnberger Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der die insolvente Fluggesellschaft ebenfalls übernehmen will. Es deute manches darauf hin, "dass hier von langer Hand eine einseitige Strategie zugunsten der Lufthansa entwickelt wurde", teilte seine Firma mit. Auch Air-Berlin-Konkurrent Ryanair Chart zeigen äußerte sich empört - und legte bereits Kartellbeschwerde ein. Die irische Billigfluglinie hält die Umstände der Insolvenz für arrangiert, damit die Lufthansa Air Berlin schuldenfrei übernehmen könne.

Außer der Lufthansa gelten die britische Billiglinie Easyjet, Tuifly sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor als aussichtsreichste Kandidaten. Der Gläubigerausschuss von Air Berlin tritt wohl am Mittwoch zu seiner ersten Sitzung zusammen, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtete. Große Weichenstellungen seien dann aber nicht zu erwarten. Das fünfköpfige Gremium vertritt die Interessen der Gläubiger und muss einem Verkauf der insolventen Fluggesellschaft oder von Teilen davon zustimmen.

apr/Reuters/dpa

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beat126 21.08.2017
1. Wenn die Merkel-CDU die Links-Partei überholt
Zitat: "Ziel sei eine Lösung, die sowohl wettbewerbsrechtlichen Aspekten Rechnung trage als auch die Zukunft der Beschäftigten von Air Berlin im Blick habe." Ein solches Ziel kann die Politik gar nicht verfolgen, weil sie kein Mandat dazu hat. Die Politik hat das Konkursrecht ausser Kraft gesetzt und damit die Gewaltenteilung verletzt. Air Berlin ist aber nur eines der vielen Beispiele: VW ist ein anderes, die Energieversorger auch, die sich am Atomendlager nicht beteiligen müssen oder sämtliche Bankenrettungen. Von den Hoch- und Tiefbauten ganz zu schweigen. Deutschland ist sich vermutlich gar nicht bewusst, wieviel "Plan-" in seiner Wirtschaft ist.
ffmfrankfurt 21.08.2017
2.
Da geht es um eine reine Monopolstellung der Lufthansa. Unglaublich, so lange Konkurrenz nicht zugelassen wird kann fliegen von und nach Deutschland auch nicht günstiger werden. Die Zeiten, dass Lufthansa als führende Airline bezeichnet wird, sehr geehrter Herr Dobrindt, ist ja nun auch definitiv vorbei.
rxra99 21.08.2017
3. Ein Skandal dieser Verkehrsminister
Dass Lufthansa ihre Marktposition sichern will ist verstaendlich aber, dass ein Verkehrminister fuer ein Unternehmen Partei ergreift ein Skandal. Und ueberhaupt "Champion der Luftfahrt". Was ein Unsinn. Easyjet ist auch hochprofessionell und extrem effizient gefuehrt. Also auch ein Champion auf seinem Gebiet.
axel_roland 21.08.2017
4. Hauptsache der Staat springt nicht für die Schulden ein
Das wäre äußerst ärgerlich...
mens 21.08.2017
5. Kleingeistig
Kartell hin oder her, soll die Konkursmasse lieber von internationalen Dumpingfliegern gefleddert werden? Die Billigflieger schädigen mit ihren Preisen und ihrem Handeln die Umwelt (aber es wird lieber über Diesel diskutiert, dass einem die Ohren bluten) und Sozialstandards (Briefkastenfirmen die Piloten anbieten). Interessiert das die Kartellwächter auch?
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