Insolvente Fluggesellschaft Air Berlin soll Großteil des Staatskredits zurückgezahlt haben

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat noch 1,2 Millionen Gläubiger, darunter viele Passagiere. Doch viel Geld überweist das Unternehmen erst mal dem Bund.

Maschine in Air-Berlin-Lackierung in Düsseldorf: Auch Forderungen von Arbeitnehmern haben Vorrang
David Young/dpa

Maschine in Air-Berlin-Lackierung in Düsseldorf: Auch Forderungen von Arbeitnehmern haben Vorrang


Mit einem umstrittenen Staatskredit über 150 Millionen Euro wurde der Flugbetrieb von Air Berlin der insolventen Airline bis zu einem Verkauf aufrechterhalten. Nun hat auch die Bundesregierung das geliehene Geld inzwischen fast komplett zurückbekommen.

Knapp zwei Jahre nach der Insolvenz der einst zweitgrößten deutschen Airline seien von dem Darlehen der staatlichen Förderbank KfW nur noch rund zehn Millionen Euro offen, sagte Insolvenzverwalter Lucas Flöther der Nachrichtenagentur dpa. Ende 2018 waren bereits etwa zwei Drittel der Summe getilgt worden, vor einem Jahr mussten noch 75 Millionen Euro zurückgezahlt werden.

Air Berlin hatte am 15. August 2017 Insolvenz angemeldet. Das Darlehen wiederum sollte eigentlich durch den Verkauf von Unternehmensteilen zurückgezahlt werden. Weil die EU-Kommission der Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki durch Lufthansa jedoch widersprach, rechnete Flöther zwischenzeitlich mit deutlich geringeren Einnahmen. Er habe davon ausgehen müssen, dass es schwieriger werde. Nun gehe er davon aus, dass das vollständig gelingt. Der Kredit war auch unter der Prämisse gewährt worden, dass er bevorzugt zurückgezahlt wird.

Air Berlin hat noch rund 40 Mitarbeiter

Erhöht das auch die Chancen der gut 1,2 Millionen Passagiere, die noch auf ihr Geld warten? Sie hatten Tickets für Flüge gebucht, die wegen der Insolvenz nicht mehr starteten. Laut Flöther gibt es da keinen Zusammenhang. Die Nachricht berge "keine Hoffnung, dass die Fluggäste als normale Gläubiger Geld zurückbekommen". Denn nicht nur das Darlehen des Bundes habe Vorrang, auch zahlreiche andere Forderungen müssten bedient werden, ehe die Passagiere an die Reihe kommen. "Darunter sind vor allem die Arbeitnehmer, die hohe Forderungen angemeldet haben."

Air Berlin hatte Insolvenz angemeldet, nachdem die Fluggesellschaft Etihad als Großaktionär den Geldhahn zugedreht hatte. Das hätte die Airline mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus Flöthers Sicht nicht tun dürfen. Etihad habe im April 2017 eine sogenannte harte Patronatserklärung abgegeben.

Vor diesem Hintergrund reichte er voriges Jahr nach Gerichtsangaben Klage beim Landgericht Berlin ein und fordert Schadensersatz in Milliardenhöhe. Sollte sich der Sanierungsexperte damit durchsetzen, gäbe es mehr Geld an die Gläubiger zu verteilen. Zunächst müssen die Gerichte entscheiden, wer in dem Streit zuständig ist. Etihad reichte ebenfalls Klage ein - beim High Court in London.

Nach der Pleite wurden verschiedene Geschäftsteile der Air Berlin an unterschiedliche Airlines verkauft. Damit ist die Arbeit von Verwalter Flöther noch nicht beendet. Er ist noch auf Jahre mit der Abwicklung beschäftigt - und hat dabei weiterhin Hilfe von Air-Berlin-Mitarbeitern. Noch knapp 40 sind es an der Zahl.

"Sie übernehmen verschiedene Aufgaben, die perspektivisch aber immer weniger werden", sagte Flöther. So müssten etwa weiterhin Daten in der IT gesichert und Personalakten verwaltet werden. Nicht zuletzt prüfen sie die Rückzahlungen an jene Air-Berlin-Kunden, die nach der Insolvenz noch Flüge buchten. Diese Tickets wurden gesondert gesichert - mit Rückzahlgarantie. "Dabei müssen wir aber genau prüfen, wer tatsächlich noch Ansprüche hat und ob Zahlungen bereits erstattet wurden, etwa über den Kreditkartenanbieter", so Flöther. "Hier sind wir aber schon sehr weit."

Im Video: Insolvenz-Auktion - Air Berlin unterm Hammer

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apr/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Mertrager 01.08.2019
1. Da gewinnt immer nur einer
Nämlich der Insolvenzverwalter. Die gesetzlichen Regeln hierzu sind mE unausgegoren und sollten angepasst werden. Auch gegen die Juristenmehrheit im Parlament. Erstes Ziel sollte Transparenz sein. Heute ist das nicht gegeben. Da fließen Millionen ab und ja ein Gericht prüft das. Aber wenn man solche Verfahren kennt, bekommt man Zweifel an der Fähigkeit der Gerichte, das zu prüfen. Mehr Transparenz könnte hier helfen.
ksail 01.08.2019
2.
Zitat von MertragerNämlich der Insolvenzverwalter. Die gesetzlichen Regeln hierzu sind mE unausgegoren und sollten angepasst werden. Auch gegen die Juristenmehrheit im Parlament. Erstes Ziel sollte Transparenz sein. Heute ist das nicht gegeben. Da fließen Millionen ab und ja ein Gericht prüft das. Aber wenn man solche Verfahren kennt, bekommt man Zweifel an der Fähigkeit der Gerichte, das zu prüfen. Mehr Transparenz könnte hier helfen.
Nein, das steht ja gerade im Artikel. Auch der Bund hat in diesem Fall sein Geld fast komplett zurückerhalten und es besteht die Chance, gegen Etihad aufgrund der Patronatserklärung vorzugehen. Natürlich bekommt der Insolvenzverwalter eine Menge Geld, aber er hat auch eine verantwortungsvolle Aufgabe.
mullah_nd 01.08.2019
3. Btr Subline
Das freut natürlich den Steuerzahler. :) und wer bereit ist in ein Flugzeug zu steigen, dem sollte das RISIKO bewusst sein, dass eine Fluggesellschaft auch mal PLEITE gehen kann. So gesehen ist es nur recht, dass privatwirtschaftlicher Handel in diesem Fall nicht durch Steuergelder abgesichert wird. Ihre Subline impliziert ja gerade das Gegenteil.
skygirl 01.08.2019
4. insbesondere...
Zitat von mullah_ndDas freut natürlich den Steuerzahler. :) und wer bereit ist in ein Flugzeug zu steigen, dem sollte das RISIKO bewusst sein, dass eine Fluggesellschaft auch mal PLEITE gehen kann. So gesehen ist es nur recht, dass privatwirtschaftlicher Handel in diesem Fall nicht durch Steuergelder abgesichert wird. Ihre Subline impliziert ja gerade das Gegenteil.
....weil die wirtschaftlichen Probleme der Air Berlin ja niemandem verborgen geblieben sein sollten. Jahrelang wurde kein Gewinn erwirtschaftet und Warnungen gab es ja zuhauf. Man musste kein Branchenkenner gewesen sein um die Zeichen an der Wand richtig zu deuten.
cs01 01.08.2019
5.
Zitat von MertragerNämlich der Insolvenzverwalter. Die gesetzlichen Regeln hierzu sind mE unausgegoren und sollten angepasst werden. Auch gegen die Juristenmehrheit im Parlament. Erstes Ziel sollte Transparenz sein. Heute ist das nicht gegeben. Da fließen Millionen ab und ja ein Gericht prüft das. Aber wenn man solche Verfahren kennt, bekommt man Zweifel an der Fähigkeit der Gerichte, das zu prüfen. Mehr Transparenz könnte hier helfen.
Klar bekommt der Geld dafür, der macht das beruflich und nicht als Hobby. Und hat in aller Regel einen haufen Personal zu zahlen. Als ich Referendar bei einem Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter war, habe ich doch gestaunt, wie viel mehr Personal der hatte, als normale Anwälte. Und nicht vergessen, ein Insovenzverwalter haftet persönlich, wenn er Mist baut.
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