Krisen-Airline Air Berlin stellt Voranfrage für Staatsbürgschaft

Der gemeinsame Ferienflieger mit Tui ist gescheitert, nun hofft Air Berlin auf Hilfe aus der Politik: Die hoch verschuldete Fluggesellschaft hat bei den Ländern Berlin und NRW angeklopft.

Air-Berlin-Flugzeuge (Archiv)
REUTERS

Air-Berlin-Flugzeuge (Archiv)


Die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin Chart zeigen hat bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt. Ein Sprecher der Fluggesellschaft bestätigte den Vorgang.

Eine solche Anfrage ist der übliche Weg für den Fall, dass das Unternehmen in einem zweiten Schritt dann auch tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellt. Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop erklärte, sie wolle die Anfrage gemeinsam mit dem Bund untersuchen. "Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten prüfen, inwieweit das Land Berlin eine zukunftsorientierte Strategie der Airline unterstützen kann", teilte die Grünen-Politikerin mit. Das NRW-Wirtschaftsministerium äußerte sich bislang nicht zu der Anfrage. Bürgschaftsanfragen seien vertraulich, sagte ein Sprecher.

Die Anfrage wurde nur wenige Stunden nach der Nachricht über das Aus einer Ferienflieger-Fusion mit Tui bekannt. Der arabische Air-Berlin-Großaktionär Etihad, der rund 30 Prozent an der Fluglinie hält, hatte seine bisherigen Pläne für die Air-Berlin-Beteiligung aufgegeben. Die neue Fluggesellschaft hätte ein wichtiges Element für die Sanierung der hoch verschuldeten Air Berlin sein sollen. Wegen Mängeln bei der Flugplanung und dem Umbau der Flotte fallen dort seit Wochen Flüge aus, und es gibt immer wieder große Verspätungen.

Air Berlin sei nicht nur ein Berliner Unternehmen, "sondern trägt den Namen unserer Stadt täglich in die Welt hinaus", sagte Wirtschaftssenatorin Pop. Die Fluggesellschaft müsse jedoch ihre Hausaufgaben machen und den Flugbetrieb wieder stabilisieren, um verloren gegangenes Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner äußerte sich dagegen zurückhaltend über eine etwaige Bürgschaft seines Landes Nordrhein-Westfalen. Lindner, der bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen großen Einfluss auf die geplante Landesregierung hat, sagte der "Bild"-Zeitung : "Mit der FDP wird der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften." Im Fall von Air Berlin sei eine unternehmerische Perspektive noch nicht sichtbar, kritisierte Lindner.

Etihad hatte Air Berlin in der Vergangenheit immer wieder mit hohen Summen unterstützt- unter anderem für den Kauf von Anteilen an der österreichischen Fluglinie Niki. Doch auch Etihad steht derzeit unter Druck. Zwischenzeitlich zeigte auch Lufthansa Interesse an Air Berlin.

apr/dpa/dpa-AFX



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