Insolvente Fluglinie Diese Menschen entscheiden über Air Berlins Schicksal

Nach der Pleite von Air Berlin wird um die Überreste der insolventen Fluglinie geschachert. Wer hat dabei die besten Karten, wer fühlt sich ins Abseits gedrängt und wer kontrolliert den Prozess? Ein Überblick der wichtigsten Akteure.
Mundt, Spohr, Winkelmann, Baumgartner, Flöther, Dobrindt (von oben im Uhrzeigersinn)

Mundt, Spohr, Winkelmann, Baumgartner, Flöther, Dobrindt (von oben im Uhrzeigersinn)

Foto: DPA;Reuters

Vom Insolvenzantrag bis zum Verhandlungsstart dauerte es nur drei Tage: Seit Freitag wird darüber beraten, was nach der Pleite aus Air Berlin wird.

Wer ist an den Überbleibseln von Deutschlands bislang zweitgrößter Airline interessiert? Wer überwacht den Verkauf? Und wer will sich einen Platz am Verhandlungstisch notfalls einklagen?

Der Hauptinteressent

Carsten Spohr

Carsten Spohr

Foto: Daniel Bockwoldt/ picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr dürfte bei den Verhandlungen die wichtigste Rolle spielen. Mit der Lufthansa wird deshalb auch zuerst gesprochen. Bereits seit Monaten treibt der umsatzstärkste Luftverkehrskonzern Europas die Übernahme von Air Berlin in Gesprächen mit der Politik und dem Großaktionär Etihad voran. Ein erster Erfolg war die im Januar genehmigte Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen, rund ein Viertel der Air-Berlin-Flotte.

Spohr sucht nun weitere Maschinen sowie Start- und Landerechte für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings. Insgesamt will Lufthansa   nun nach SPIEGEL-Informationen rund 70 von 140 Flugzeuge übernehmen. Weitere Maschinen könnten beim Billigflieger Easyjet   sowie beim Touristikkonzern TUI landen, der diese in der Vergangenheit zu hohen Gebühren an Air Berlin vermietet hatte.

Für sein Ziel, den Billigflieger Ryanair   von den größeren deutschen Flughäfen fernzuhalten, muss Spohr aus Wettbewerbsgründen wohl wachsende Marktanteile der anderen Anbieter in Kauf nehmen.

Der Gläubiger

Peter Baumgartner

Peter Baumgartner

Foto: Danish Siddiqui/ REUTERS

Der Schweizer Peter Baumgartner steht noch nicht lange an der Spitze von Etihad. Es war sein Vorgänger James Hogan, der den Staatskonzern aus Abu Dhabi 2012 zum Großaktionär von Air Berlin machte. Immer wieder hielt Etihad die Berliner seitdem mit Finanzspritzen am Leben. Die Beteiligung an der angeschlagenen deutschen Airline war Teil eines ambitionierten Wachstumskurses, der jedoch große Verluste brachte. Auch mit seinem Anteil an Alitalia   hatte Etihad kein Glück.

Anfang des Jahres musste Hogan gehen, vergangene Woche entzog Etihad dann Air Berlin die Unterstützung. Wenige Tage später sah sich die deutsche Fluglinie zur Insolvenzanmeldung gezwungen.

Ein Großteil der Schulden von Air Berlin in Höhe von 1,5 Milliarden Euro wird wohl am Partner hängenbleiben. Etihad wehrt sich gegen den Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben. Das Unternehmen habe im April nochmals 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Angesichts der "sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität" wollte Etihad aber nicht noch mehr Geld in Air Berlin pumpen.

Die Überbrücker

Brigitte Zypries und Alexander Dobrindt

Brigitte Zypries und Alexander Dobrindt

Foto: picture alliance / Daniel Reinha

Die Bundesregierung hat es ermöglicht, dass über die Zukunft Air Berlins in halbwegs geordneten Bahnen geredet werden kann. Ohne den Brückenkredit von 150 Millionen Euro hätte die Fluggesellschaft sofort den Betrieb einstellen müssen, Zehntausende Passagiere wären an ausländischen Flughäfen gestrandet. Man habe den "nötigen Rahmen" für Übernahmegespräche geschaffen, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Nun hält es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) allerdings für dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile der insolventen Airline übernimmt. Eine erstaunliche Festlegung, immerhin sitzt die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht mit am Verhandlungstisch.

Der Kläger

Michael O'Leary

Michael O'Leary

Foto: Alessandro Bianchi/ REUTERS

Als "abgekartetes Spiel" zugunsten von Lufthansa hat Michael O'Leary den staatlich abgesicherten 150-Millionen- Euro-Kredit für Air Berlin bezeichnet. Der Ryanair-Chef kündigte Kartellbeschwerden in Deutschland und Europa an. Die Insolvenz sei künstlich herbeigeführt worden, es gebe ein "Komplott" von deutscher Regierung, Lufthansa und Air Berlin gegen die Konkurrenz.

O'Leary ist für sein selbstbewusstes Auftreten bekannt. Seine Fluglinie hat bereits mehr als 300 Flugzeuge und bekommt jedes Jahr 50 neue hinzu, für die in ganz Europa Punkt-zu-Punkt-Strecken gesucht werden. Derzeit gilt das größte Interesse der Billigfluglinie Deutschland und Italien, wo mit Alitalia und Air Berlin jeweils eine verkehrsreiche Airline in die Insolvenz gegangen ist.

Deren Verbindungen würde O'Leary liebend gern übernehmen, die Flugzeuge und ihre teils teuren Crews eher nicht. Ryanairs Image als Arbeitgeber ist schlecht - was die Position in der politischen Auseinandersetzung um Air Berlin schwächen dürfte.

Die Abwickler

Thomas Winkelmann

Thomas Winkelmann

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / Sven Hoppe/dp

Gleich zwei Top-Sanierungsexperten sind in die Rettungsbemühungen involviert. Der Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus sitzt als Generalbevollmächtigter an der Seite von Air-Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann im Cockpit. Seine Mission: Das Geschäft soll so normal wie möglich weiterlaufen. Das Duo Kebekus/Winkelmann leitet die Verkaufsverhandlungen.

Der zweite Insolvenzexperte, Lucas Flöther, überwacht als vorläufiger Sachwalter im Auftrag der Gläubiger alle Vorgänge. Beide Rechtsanwälte kennen einander seit Jahren vom Gravenbrucher Kreis. In diesem Verband sind die 30 führenden Insolvenzverwalter organisiert.

Lucas Flöther

Lucas Flöther

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ picture alliance / Klaus-Dietmar

Kebekus war zuletzt unter anderem als Insolvenzverwalter beim Modekonzern Steilmann gefragt. Flöther wurde bereits zweimal mit der Rettung des Fahrradherstellers Mifa betraut und beschäftigte sich mit der Pleite des Leipziger Internetunternehmens Unister.

Die Schiedsrichter

Andreas Mundt

Andreas Mundt

Foto: Henning Kaiser/ picture alliance / Henning Kaiser/dpa

Bundeskartellamtschef Andreas Mundt hat angekündigt, dass seine Behörde sich eine Übernahme von Air Berlin "gegebenenfalls sehr genau ansehen" werde. Auch die EU-Kartellwächter könnten Einsprüche gegen einen Deal erheben.

Die Wettbewerbshüter müssen überprüfen, ob eine beherrschende Stellung in Teilbereichen des Luftverkehrsmarktes entsteht. Ein Monopol droht bei einer Übernahme durch die Lufthansa laut einer Auswertung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) vor allem auf innerdeutschen Strecken.

dab/dpa
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