Nach Insolvenz Air Berlin zahlt fast 100 Millionen Euro Staatshilfe zurück

Im August 2017 lieh der Staat der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin 150 Millionen Euro. Jetzt ist ein Großteil des Kredits zurückgezahlt - ob die anderen Gläubiger Geld zurückbekommen, ist aber unklar.

Ein Flugzeug von Air Berlin (Archivbild)
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Ein Flugzeug von Air Berlin (Archivbild)


Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat etwa zwei Drittel des staatlichen 150-Millionen-Euro-Kredits zurückgezahlt. Insolvenzverwalter Lucas Flöther sagte der "Bild"-Zeitung, dass "rund 98 Millionen Euro" getilgt seien. Noch im August 2018 seien es erst 75 Millionen Euro gewesen.

Der Großaktionär Etihad Airways hatte im August 2017 überraschend die Zahlungen an Air Berlin eingestellt. Mitte desselben Monats erklärte die Fluggesellschaft die Insolvenz und erhielt zur Überbrückung des Flugbetriebs einen umstrittenen Hilfskredit der staatlichen KfW-Bank in Höhe von 150 Millionen Euro. Ende Oktober 2017 stellte Air Berlin den Dienst ein.

"Nach jetzigem Stand werden wir unter Umständen sogar in der Lage sein, das gesamte Darlehen zu tilgen - allerdings ohne Zinsen", sagte Flöther der Zeitung weiter. Zur Begründung für die nun überraschend hohe Rückzahlung nannte er "Sicherheiten und Zahlungsansprüche, die vorher nicht bekannt waren". Der KfW-Kredit wird als sogenanntes besichertes Massedarlehen vorrangig getilgt.

Insolvenzverwalter lässt Haftungsansprüche gegen Vorstände prüfen

Dem Bericht zufolge lässt Flöther derzeit auch Haftungsansprüche gegen frühere Vorstände und Aufsichtsräte rechtlich prüfen. Dabei würden beispielsweise alle Protokolle des Vorstands und des Aufsichtsrats aus den vergangenen zehn Jahren untersucht. Laut dem Insolvenzverwalter dauere diese Prüfung an und werde "sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen".

Die mehr als 1,2 Millionen Gläubiger würden aber voraussichtlich nur dann Zahlungen erhalten, wenn etwa vom Gesellschafter Etihad zusätzliche Mittel zur Masse flössen. Gegen Etihad geht Flöther mittlerweile mit einer Klage auf Schadensersatz vor dem Berliner Landgericht vor. "Die Ansprüche gegen Etihad sind potenziell der wichtigste Vermögenswert im Verfahren", sagte Flöther der "Bild".

kko/AFP



insgesamt 3 Beiträge
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raoul2 28.12.2018
1. Daß "andere Gläubiger"
noch irgendwelche Zahlungen erhalten, erscheint sehr unwahrscheinlich (aber durchaus wünschenswert) zu sein. Die bis zur Insolvenz angesammelten Prämienmeilen im "Top Bonus"-Programm etwa hatten zwar einen nicht unerheblichen Wert für die Vielflieger - an (auch nur teilweise) Auszahlungen glaubt aber wohl kaum noch eine/r. Sehr schade.
schamot 28.12.2018
2. Möchte darauf hinweisen
Daß AB das Geld nur bekommen hat um Flieger von Personal zu trennen. Damit konnte Lufthansa die Flieger übernehmen ohne sozialverträglich die Belegschaft abwickeln zu müssen.
Ökofred 28.12.2018
3. Tatsächlich?
Zitat von schamotDaß AB das Geld nur bekommen hat um Flieger von Personal zu trennen. Damit konnte Lufthansa die Flieger übernehmen ohne sozialverträglich die Belegschaft abwickeln zu müssen.
Und ich dachte, damit sollte der Flugverkehr abgewickelt werden, ein plötzlicher Stop wäre wg. der anfallenden Sozialkosten viel teurer gekommen. Flieger? Sie meinen die Flugzeuge?
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