Streit über Sparplan Flucht über den Zaun - Air-France-Manager von Mitarbeitern attackiert

Air France plant drastische Sparmaßnahmen, fast 3000 Mitarbeiter könnten ihren Job verlieren. Bei Protesten sind Angestellte der Fluggesellschaft nun handgreiflich geworden, zwei Top-Manager mussten flüchten.

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Im Streit um einen neuen Sparplan bei der französischen Fluggesellschaft Air France haben Hunderte Demonstranten ein Treffen von Konzernführung und Betriebsrat gestürmt. Die protestierenden Air-France-Mitarbeiter drangen am Montagvormittag in die Konzernzentrale ein und erzwangen einen Abbruch der Sitzung.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Personalvorstand Xavier Broseta am Montag mit zerrissenem Hemd aus einem Handgemenge flüchtete. Auch ein weiterer Manager wurde attackiert. "Das Management von Air France verurteilt die körperlichen Gewalttaten entschieden", teilte das Unternehmen mit und kündigte eine Klage an.

Zuvor hatte Air-France-Chef Frédéric Gagey den Arbeitnehmervertretern den neuen Sparplan vorgestellt, durch den 2900 Arbeitsplätze gefährdet sind. Es könnten bis zu 300 Piloten, 900 Flugbegleiter und 1700 Mitarbeiter des Bodenpersonals betroffen sein. Gagey hatte den Raum aber bereits verlassen, bevor die Mitarbeiter mit Spruchbändern und Fahnen etwa eine Stunde nach Beginn hereinstürmten.

Air France ist in Europa durch Billigflieger und auf Langstreckenflügen durch die Konkurrenz von Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten unter Druck geraten. Mit dem Sparplan wollte die Fluggesellschaft wieder wettbewerbsfähiger werden, Verhandlungen mit den Gewerkschaften scheiterten aber. Vergangene Woche gab der Verwaltungsrat des Konzerns daher grünes Licht für einen alternativen Sparplan.

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Streit um Sparplan: Mitarbeiter stürmen Betriebsratssitzung von Air France
Für Montag haben drei Gewerkschaften Streiks angekündigt

Air France setzt nicht mehr nur auf das freiwillige Ausscheiden von Mitarbeitern, sondern schließt auch Entlassungen nicht aus. Gespart werden soll zudem im Langstreckennetz: Gagey sagte am Montag vor den Gewerkschaftsvertretern, 2016 sollten fünf Flugzeuge aus der Langstreckenflotte abgezogen werden, 2017 dann neun weitere. Bei 22 Verbindungen soll die Zahl der angebotenen Flüge reduziert werden.

Im Streit mit der Konzernführung hatten drei Gewerkschaften für Montag zu Streiks aufgerufen. Air France erwartete aber keine größeren Behinderung: Die Fluggesellschaft wollte keine Flüge streichen und rechnete lediglich mit Verspätungen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der Eindruck erweckt, der Vorstandschef von Air France sei mit zerrissenem Hemd vor seinen Mitarbeitern geflüchtet. Tatsächlich handelte es sich um Personalvorstand Xavier Broseta und einen weiteren Manager, Pierre Plissonnier.

mka/AFP/dpa/Reuters



insgesamt 103 Beiträge
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exil-berliner 05.10.2015
1. Chef muss vor Angestellten flüchten..
Chef muss vor Angestellten flüchten.. das gleiche wünscht man aktuell deutschen PolitikerINNEN, dass diese mit Ihren Entscheidungen vor den Wählern flüchten müssen. Gut so!
FrankH 05.10.2015
2. Vorbild für Lufthansa
die Piloten werden lernen müssen, dass die "guten alten" Zeiten vorbei sind. Sie sind nicht mehr die "Helden der Lüfte", sondern bessere Busfahrer. Letztlich Angestellte des Unternehmens. Und damit ist es einfach Zeit, mit Privilegien aufzuräumen, die es in anderen Branchen auch nicht gibt. Die LH sollte genauso vorgehen.
mielforte 05.10.2015
3. Frankreich plant eine Arbeitsmarktreform,
ähnlich Hartz IV. Dieser Fall gibt einen Vorgeschmack auf das, was die Franzosen unter Zivilcourage verstehen. Die Grand Nation auf dem Weg in die nächste Revolution?
merkur08 05.10.2015
4. Das wird der Lufthansa auch passieren.
Zu sehr an alten Privilegien festhalten und sich nicht bewegen. Frankreich wird Air France nicht ewig halten können. Sollten EU Richtlinien konsequent durchgeführt werden eigentlich gar nicht....Alitalia wird ja auch nur als EU-Beruhigungstablette für Italien am Leben erhalten.... Cockpit hat sich schon ins eigen Knie geschossen. Air France zahlt sogar noch mehr an die Piloten als Lufthansa wird sich aber unter den Staat flüchten. Und die Grande Nation (Lol) wird aus nationalen Gründen vor allen Dingen vor den Wahlen das nationale Prestigeobjekt Air France nicht aufgeben können und wollen. Marine Le PEN lässt grüßen.
kaltwasser 05.10.2015
5. So
sind sie die Franzosen! Immer ein wenig revolutionär. Diese Mentalität fehlt und Deutschen leider. Angesichts der Lage hätte unsere Elite sonst bald nichts mehr zu lachen.
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