Neue Langstreckentochter Air France-KLM plant Emirates-Konkurrentin

Air France-KLM sagt den noblen Fluglinien aus der Golfregion den Kampf an. Mit einer neuen Tochtergesellschaft will sie den gleichen Komfort auf der Langstrecke bieten, das aber zu viel günstigeren Preisen.

Air France Airbus A319
REUTERS

Air France Airbus A319


Die Fluggesellschaft Air France-KLM Chart zeigen will mit einer neuen Langstreckentochter ihren arabischen Konkurrentinnen wie Emirates Paroli bieten. Die neue Gesellschaft soll in Frankreich parallel zur Hauptmarke Air France antreten und den Konzern wieder in die Lage versetzen, in umkämpften Märkten neue Verbindungen anzubieten, künsigte Unternehmenschef Jean-Marc Janaillac an. Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl der Fluggäste auch dadurch konzernweit von zuletzt 79 Millionen auf rund hundert Millionen steigen.

Für die neue, zunächst namenlose Langstreckentochter plant das Management mit einer Flotte von zehn Flugzeugen bis zum Jahr 2020. Im Gegensatz zur Lufthansa-Tochter Eurowings soll sie als Premium-Fluglinie antreten, das aber zu deutlich günstigeren Ticketpreisen. Worin sich dieses etwa vom Langstreckenangebot der Eurowings unterscheiden soll, blieb allerdings offen - ebenso die Frage, wie sich das betriebswirtschaftlich rechnen soll. Dazu verriet Janaillac nur so viel: Sein Konzept sei ein "einfaches, modernes und innovatives Angebot".

Einen Ansatz für Einsparungen bieten zunächst einmal die Gehälter der Piloten, die aus der Mannschaft von Air France rekrutiert werden. Ihre Arbeitsverträge sollen sich stärker an den Standards der Branche orientieren. Auch Bedingungen für die Flugbegleiter sollen von dem Niveau der einstigen Staatsfluglinie Air France abgekoppelt werden - was weiteren Streit mit den Gewerkschaften bedeuten dürfte. Diese hatten sich in der Vergangenheit mit heftigen Streiks gegen Umstrukturierungen gewehrt - etwa gegen den Ausbau der Billigtochter Transavia.

Piloten müssen Verzicht üben

Den reinen Punkt-zu-Punkt-Verkehr will Janaillac künftig allein der Transavia und der Regionaltochter Hop! überlassen - ähnlich wie es die Lufthansa Chart zeigen mit ihrer Billigtochter Eurowings vorgemacht hat. Air France und KLM sollen sich auf den Verkehr an den Drehkreuzen Paris und Amsterdam konzentrieren. Ähnlich absolviert die Lufthansa Chart zeigen ihre Europaflüge abseits von Frankfurt und München unter ihrer Billigmarke Eurowings. Diese soll aufgrund niedrigerer Gehälter und Betriebskosten im Wettbewerb mit anderen Billigheimern wie Ryanair Chart zeigen und Easyjet Chart zeigen bestehen.

Ein paar zusätzliche Tricks wird Janaillac allerdings noch zusätzlich auf Lager haben müssen. Denn Emirates und Co. sind auch nicht eben für hohe Ticketpreise bekannt. Die Golfstaaten machten der europäischen Luftfahrtbranche mit niedrigen Preisen in Schlüsselmärkten "extrem starke Konkurrenz", räumte der Chef von Air France-KLM denn auch ein. Der Status quo sei jedoch keine Option. "Wir müssen eine neue Dynamik entwickeln, um auf unseren Märkten wieder in eine Führungsposition zu kommen."

Im Sommer machte überdies die Terrorangst in Europa der Fluglinie zu schaffen. Der Umsatz ging im dritten Quartal um fünf Prozent zurück. Der operative Gewinn fiel sogar noch deutlicher um 15 Prozent, obwohl die niedrigen Treibstoffpreise für Entlastung sorgten. Immerhin steht Air France-KLM Chart zeigen bilanztechnisch noch recht gut da. Weil Abschreibungen und ungünstige Währungskurse das Ergebnis ein Jahr zuvor belastet hatten, stieg der Überschuss um 13 Prozent auf 544 Millionen Euro.

Die Anleger nahmen die Nachrichten positiv auf. Bis zum späten Vormittag gewannen die Aktien von Air-France-KLM in Paris mehr als zwei Prozent an Wert.

mik/dpa-AFX



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philemajo 03.11.2016
1. Aha?
Klingt ja wirklich nach einem nachhaltigen Plan! O'Leary und Konsorten lachen sich wahrscheinlich schon schlapp. Eine Airline, die sich selbst und ihren beiden Kernmarken schon im Billigsegment Konkurrenz macht, auch noch im Premiumsegment mit günstigeren Preisen angreift, findet bestimmt noch ganz viel Kunden, die gerne viel Geld für leidlichen Service bei den Kernmarken ausgeben ;-) Au revoir AF/KLM!
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