Streit über Sparplan Air France Mitarbeiter nach Protesten festgenommen

Zerrissene Hemden und eine Flucht über den Zaun: Eine Woche nach der wütenden Attacke von Air France Mitarbeitern auf ihre Chefs hat die Polizei mehrere Beschuldigte festgenommen. Es handle sich um Gewerkschaftsmitglieder.

Personalchef Xavier Broseta: Von wütenden Mitarbeitern das Hemd zerrissen
REUTERS

Personalchef Xavier Broseta: Von wütenden Mitarbeitern das Hemd zerrissen


Es waren die wohl spektakulärsten Mitarbeiterproteste des Jahres: Vor einer Woche hatten Beschäftigte der französischen Fluglinie Air France Beratungen der Konzernführung über einen massiven Stellenabbau gestürmt und zwei Spitzenmanager in die Flucht gejagt. Das Bild von Personalchef Xavier Broseta, dem das Hemd vom Leib gerissen wurde, ging um die Welt. Jetzt hat die französische Polizei mehrere mutmaßliche Täter verhaftet. Die beschuldigten Mitarbeiter des Unternehmens sollen Gewerkschaftsmitglieder sein.

In Polizei- und Justizkreisen war zunächst von fünf Personen die Rede, die zu Hause aufgegriffen worden seien. Die französische Zeitung "Le Parisien" berichtet von sechs Personen. Sie befänden sich nun in Paris in Gewahrsam. Identifiziert worden seien sie durch Filmaufnahmen. Die französische Fluggesellschaft wollte sich nicht dazu äußern.

Air France-KLM steht ebenso wie die Lufthansa wegen der Billigflieger und der arabischen Konkurrenz unter starkem Druck und plant deshalb Einsparungen.

Das Management hofft dabei auf weitere Gespräche mit den Beschäftigten über ein Sanierungspaket. Der Zeitung "Le Parisien" zufolge ist es bereit, über einen alternativen Plan zu diskutieren. Vorbild seien dabei die Vereinbarungen bei der niederländischen Schwestergesellschaft KLM. Dort waren unter anderem ein Verzicht auf Lohnsteigerungen sowie eine Anhebung des Rentenalters ausgehandelt worden. Im Gegenzug wolle Air France weniger Strecken aufgeben als bislang vorgesehen, berichtete das Blatt.

kop/Reuters/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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Alfred Ahrens 12.10.2015
1. Schon traurig, dass es eine Woche dauert bis Gesetzesbrecher in Frankreich verhaftet werden!
Und ist es ein Unterschied, ob sie Gewerkschaftsmitglieder oder nicht sind ? Sie haben das Motto der Republik Liberté, égalité, fraternité nicht verstanden und wollen das nicht. So einfach.
derblaueplanet 12.10.2015
2. Voilá!
Zitat von Alfred AhrensUnd ist es ein Unterschied, ob sie Gewerkschaftsmitglieder oder nicht sind ? Sie haben das Motto der Republik Liberté, égalité, fraternité nicht verstanden und wollen das nicht. So einfach.
Sie meinen das, was Anatol France so wunderbar beschrieb: "Das Recht in seiner majestätischen Gleichheit verbietet dem Reichen so gut wie dem Armen, unter Brücken zu schlafen, in den Straßen zu betteln oder Brot zu stehlen." Das ist es doch, was Sie unter "Liberté, égalité, fraternité!" verstehen, nicht?!
Rina Maria 13.10.2015
3. @alfred Tetzlaff Ahrens....
so kannte man ihn.Traurig ist nur, vor 35 Jahren hat man über solche Sprüche herzhaft gelacht, heute muss man sich Sorgen machen.
redwed11 13.10.2015
4.
Zitat von Alfred AhrensUnd ist es ein Unterschied, ob sie Gewerkschaftsmitglieder oder nicht sind ? Sie haben das Motto der Republik Liberté, égalité, fraternité nicht verstanden und wollen das nicht. So einfach.
Es ist lächerlich, wegen eines Bagatelldelikts (Sachbeschädigung und evtl. einfache Körperverletzung) jemanden in U-Haft zu nehmen. Aber der Vorgang sollte allen in den Vorstandsetagen vor Augen führen was, wenn Entscheidungen getroffen werden, bei dem viele Beschäftigte ihre Existenz verlieren während die Vorstände damit ihre Boni erhöhen, bei den Menschen auslöst. Wie Sie auf die Wirre Idee kommen, wenn Menschen die Existenz vernichtet wird, dies mit dem Motte der Französischen Republik, zu rechtfertigen ist mir ein Rätsel. Endlich wurde den Herren aus dem Vorstand mal gezeigt was die Menschen fühlen. Etwas, was diesen Leuten ja sonst nie klar wird.
Nordstadtbewohner 13.10.2015
5. Wer Gewalt verharmlost, ist ein übler Mensch.
Zitat von redwed11Es ist lächerlich, wegen eines Bagatelldelikts (Sachbeschädigung und evtl. einfache Körperverletzung) jemanden in U-Haft zu nehmen. Aber der Vorgang sollte allen in den Vorstandsetagen vor Augen führen was, wenn Entscheidungen getroffen werden, bei dem viele Beschäftigte ihre Existenz verlieren während die Vorstände damit ihre Boni erhöhen, bei den Menschen auslöst. Wie Sie auf die Wirre Idee kommen, wenn Menschen die Existenz vernichtet wird, dies mit dem Motte der Französischen Republik, zu rechtfertigen ist mir ein Rätsel. Endlich wurde den Herren aus dem Vorstand mal gezeigt was die Menschen fühlen. Etwas, was diesen Leuten ja sonst nie klar wird.
Es gibt keine "einfache Körperverletzung", schon gar nicht ist eine Körperverletzung "lächerlich". Wer hier von einem Bagatelldelikt spricht, zeigt sein wahres Ich. Für die In-U-Haftnahme gibt es entsprechende Gesetze, hier in Deutschland als auch in Frankreich. Ich hoffe, dass die Täter hart bestraft werden. Wer Menschen angreift, nur weil er mit ihren unternehmerischen Entscheidungen nicht klarkommt, gehört umgehend ins Gefängnis gesperrt. Das Management von Air France muss das Unternehmen umstrukturieren oder es wird in Zukunft dieses Unternehmen nicht mehr geben.
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