Tarifstreit  Gewerkschaft beschimpft Air-France-Chef als Brandstifter

Der Streik geht weiter: Die Air-France-Piloten lehnen auch das angeblich letzte Angebot ihres Chefs ab. Gewerkschafter bezeichnen seinen Vorschlag gar als Provokation - und ihn selbst als "pyromanen Feuerwehrmann".

Air-France-Maschine: Mehr als die Hälfte der Flüge fallen aus
DPA

Air-France-Maschine: Mehr als die Hälfte der Flüge fallen aus


Paris - Die Fronten im Tarifstreit bei Frankreichs größter Fluggesellschaft verhärten sich. Als "letztes Angebot" bezeichnete Air-France-Chef Alexandre de Juniac seinen Vorschlag. Gewerkschafter hingegen kontern, der Konzernchef habe nicht mehr Garantien angeboten als zuvor - und sprechen von einer letzten Provokation. Das heißt: Passagiere müssen nun weiter mit Ausfällen durch den Streik rechnen.

Im Mittelpunkt des Tarifstreits bei der französischen Airline steht der geplante Ausbau der Billigtochter Transavia. Der Streik richtet sich gegen Sparpläne des Konzerns Air France-KLM, der Kurz- und Mittelstrecken an Transavia übertragen und seine jährlichen Kosten so um mehr als eine Milliarde Euro senken will. Die Fluggesellschaft will damit auf die wachsende Konkurrenz durch Billigflieger wie Easyjet oder Ryanair reagieren.

Die Piloten, die bis zu 250.000 Euro im Jahr verdienen, fordern einen einheitlichen Vertrag für ihre Berufsgruppe. Sie fürchten, durch billigere Kollegen bei Transavia ersetzt zu werden.

Als Kompromiss schlug die Unternehmensleitung nun vor, die umstrittene Erweiterung der Transavia bis zum Dezember auszusetzen. An dem Konzept halte Air France aber fest: Der Versuch, die Lage zu entschärfen, dürfe den angestrebten Ausbau der Billigtochter nicht beeinträchtigen, hatte Konzernchef Juniac deutlich gemacht. Unverändert bleibe auch das Ziel, die Flotte bis zum Jahr 2017 auf mehr als hundert Transavia-Maschinen aufzustocken.

Die streikenden Piloten lehnten den Vorschlag strikt ab, dieser sei nur ein Ablenkungsmanöver. Um ihre Haltung zu verdeutlichen, bemühte die Arbeitnehmerseite einen provokanten Vergleich: Juniac sei ein "pyromaner Feuerwehrmann", erklärte die größte Air-France-Pilotengewerkschaft SNPL AF ALPA ("Syndicat National des Pilotes de Ligne Air France Alpa") laut dem politischen Wochenmagazin "Le Point". Ein Brandstifter also, der versucht, Flammen zu löschen.

Die Piloten hatten ihren zunächst einwöchigen Streik bis zum kommenden Freitag verlängert. Durch den Ausstand entstehen Air France Betriebsverluste von bis zu 20 Millionen Euro täglich, teilte der Konzern mit. Auch am Montag konnte die Airline nur 41 Prozent der Flüge sicherstellen, am Dienstag sollen es 48 Prozent sein. Frankreichs Regierung bangt bereits um die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens.

bos/dpa

insgesamt 10 Beiträge
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u.loose 22.09.2014
1. Ein wunderbares Beispiel
warum Frankreich NIE irgendwelche Reformen auf den Weg bringen wird... Bis die die 250.000 Einkommen Regionen scheinen die Leute mit sozialistischem Gedankengut durchseucht zu sein... Am besten sollte AirFrance Insolvenz anmelden - anders wird man dem Leiden wohl kein Ende machen können.
knowit 22.09.2014
2. Aur France wie auch die LH
sollten keinen Millimeter nachgeben. Hier muss endlich mal ein deutliches Zeichen gesetzt werden. Ansonsten wird kaum eine dieser traditionellen Fluggesellschaften überleben. Die Zeiten ändern sich, das Kaufverhalten der Kunden ebenso und damit werden leider auch viele lieb gewonnen Privilegien der Piloten hinfällig, die in der neuen Preisrealität nicht mehr darstellbar sind.
hobbyleser 22.09.2014
3. Übernehmen sie
Zitat von u.loosewarum Frankreich NIE irgendwelche Reformen auf den Weg bringen wird... Bis die die 250.000 Einkommen Regionen scheinen die Leute mit sozialistischem Gedankengut durchseucht zu sein... Am besten sollte AirFrance Insolvenz anmelden - anders wird man dem Leiden wohl kein Ende machen können.
Ja, das ist tatsächlich erstaunlich. Da verdienen die einen A.. voll Geld und sind dennoch keine asozialen A...löcher. Vielleicht sollte man da wirklich einmal intervenieren und alle Sozialisten internieren. Es kann ja wohl nicht sein, dass die sich einen besseren Staat leisten, als der deutsche Spießbürger. Am Ende haben die noch besseren Wein und besseres Essen und genießen ihr Leben. Wo kommen wir da hin?
ddrbewohner 22.09.2014
4. Ich beneide die Franzosen
um ihr Volk. Wenn es deutsche wären, würden alle bluten und die Politiker in Schampus baden. Gut gemacht, Frankreich!
hotgorn 22.09.2014
5.
Sicherheit vor billigflug.
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