Airbnb und Co. Paris bittet Privatvermieter zur Kasse

Frankreich knöpft sich Anbieter von Billigbetten für Touristen vor. Ein neues Gesetz zwingt Internetplattformen wie Airbnb, Einnahmen der Privatvermieter künftig direkt an den Fiskus zu melden.

Paris mit Eiffelturm und Sacré Coeur
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Paris mit Eiffelturm und Sacré Coeur

Von , Paris


Die Île Saint-Louis ist ein wunderbarer Ort: Von der Seine umflossen, zählt die kleinere der beiden Binneninseln zu den schönsten Lagen von Paris. Das Ambiente ist geprägt von herrschaftlichen Altbauten oder prächtigen Stadtpalais - hier haben Schauspieler oder Stars der Musik- und Medienszene ihre Apartments, ein Verwandter des Emirs von Katar kaufte das fürstliche Hôtel Lambert.

Nur: Eine Vielzahl der schmucken Wohnungen auf der Île Saint-Louis wird gar nicht von ihren Besitzern genutzt, sondern lukrativ an Touristen vermietet. Die Logiergäste finden ihr Unterkommen meist über Internetportale wie Airbnb, Homestay.com, Abritel oder SeLoger.

Das Geschäft brummt - und zwar nicht nur im historischen Zentrum, sondern in der gesamten Umgebung der französischen Hauptstadt. Sehr zum Ärger der angestammten Hoteliers.

Insgesamt listen etwa 130 digitale Vermittler für den Großraum Paris rund 70.000 Buchungsmöglichkeiten auf; im Stadtgebiet bieten die Internetportale mehr als 41.000 Adressen mit etwa 75.000 Betten an. Das entspricht beinahe dem Angebot des traditionellen Übernachtungsgewerbes.

Die möblierten Internetangebote sind für Paris-Besucher durchweg billiger als eine Hotelunterkunft; auch für die Eigentümer - ob Privatbesitzer oder Immobilienfirmen - rechnet sich das Bettenbusiness: Sie verdienen in guten Lagen mit Touristen bis zu dreimal mehr als mit einem normalen Mietvertrag.

Die Nebenwirkung: Durch die profitable Praxis werden immer mehr Mieter aus günstigen Wohnungen verdrängt. Wenn das so weitergeht, fürchtet Ian Brossat, kommunistischer Abgeordneter in Paris, dann werden in den bei Besuchern beliebten Stadtteilen die Touristen die Anwohner ersetzen. Brossat: "Wir sind uns einig, dass Paris nicht zum Erlebnispark verkommen darf."

Ein neues Gesetz soll diese Entwicklung stoppen. Frankreichs Nationalversammlung hat für Buchungsportale jetzt strikte Auflagen beschlossen: Unternehmen wie etwa der Branchenführer Airbnb müssen künftig die Einnahmen ihrer Internetkundschaft direkt dem Fiskus melden. Bislang galt in Paris für die Portale lediglich die Auflage, die Touristensteuer von 83 Cent je Übernachtung und Person zu zahlen.

Die Privatvermieter werden zur Steuerehrlichkeit gezwungen

Mit der automatischen Übermittlung, vorgeschrieben von 2019 an, werden die Privatvermieter zu mehr Steuerehrlichkeit gezwungen. Laut einem Bericht des französischen Senats deklarieren nur 15 Prozent der Anbieter ihre Einkünfte.

"In der Praxis werden solche Beträge selten angemeldet, sehr selten kontrolliert und so gut wie nie besteuert", sagt der Abgeordnete Pascale Cherki von der Sozialistischen Partei (PS), auf dessen Initiative das Gesetz zurückgeht. "Die Folge: Der Staat verliert Einnahmen, der Steuerzahler ist verunsichert und für ganze Wirtschaftssektoren entsteht eine unlautere Konkurrenz."

Verärgert ist vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe. Jean-Bernard Falco, Gründer des Interessenverbandes "AhTop", macht seit Langem gegen den verzerrten Wettbewerb mobil.

"Wir sind durchaus nicht gegen die Unterbringung von Touristen in Privat-Apartments", so Falco. Aber er rügt: "Ein Hotel muss strikte Sicherheitsauflagen befolgen, aber der private Wohnungsbesitzer oder ein Investor, der die Hälfte seiner Wohnungen an Touristen vermietet, ist nicht daran gebunden."

Zudem ist offenbar ein Teil der Internetofferten schlicht illegal: Wie in London oder Amsterdam, wo private Wohnungen jährlich maximal 90 oder 60 Tage vermietet werden dürfen, ist auch in Paris das Angebot begrenzt - auf 120 Tage. Tatsächlich, so eine Untersuchung, die der Sender FranceInter zitiert, sind allein bei Airbnb rund 26.000 Wohnungen das ganze Jahr über inseriert.

"Wie will man mit 25 bis 30 Kontrolleuren 50.000 Apartments überprüfen?"

Strafen haben nicht geholfen. Zwar gibt es für unrechtmäßige Vermietungen Bußgelder von bis zu 25.000 Euro. Aber im vergangenen Jahr, so berichtet Interessenvertreter Falco, gab es nur 15 Verurteilungen. "Wie will man mit 25 bis 30 Kontrolleuren 50.000 Apartments überprüfen?", fragt der Hotelier, das sei "schlicht unmöglich".

Erst das jetzt verabschiedete Gesetz dürfte die Praxis grundlegend ändern. Denn mit der Meldepflicht sind nicht nur die Tourismuseinkünfte der privaten Wohnungsbesitzer erfassbar. Zugleich werden auch die Umsätze der meist ausländischen Vermittlungsmultis für die Behörden transparenter.

Beispiel Airbnb-France: Der Ableger der US-Mutter, mit nur zwei Dutzend Mitarbeitern in Frankreich, erwirtschaftet laut "AhTop" mehr als 150 Millionen Euro, zahlt aber offenbar nur 70.000 Euro Steuern - geschickte (und legale) Buchungstricks erlauben es, die Profite ins Ausland zu verschieben. "Die Plattform treibt etwa 20 Prozent der Transaktionen ein, zahlt aber in Frankreich so gut wie keine Körperschaftsteuer", klagt der PS-Abgeordnete Pascal Terrasse.

Solcher Steueroptimierung dürften die Behörden dank der neuen Bestimmungen künftig leichter auf die Schliche kommen. Wie die linke Tageszeitung "Libération" zur Entscheidung des Parlaments schreibt: "Das Fest ist zu Ende."



insgesamt 16 Beiträge
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frenchie3 08.12.2016
1. Ich faß es net
Diese unsere Regierung bringt was gescheites zuwege? Mal sehen wo die Schlupflöcher oder -krater sind. Etwas das lukrativer ist als ein Loch mit Etagenklo und Wasser aus dem Gemeinschaftsbad für 450 Hühner an Illegale zu vermieten muß doch eine Lobby haben.
keksguru 08.12.2016
2. Mitschuld des Hotelgewerbes
die Preisschwankungen werden auch immer schlimmer... ich hab das schon erlebt daß ein und dasselbe Hotelzimmer 50 und drei Wochen später 100 Euro kosten sollte, natürlich ohne jegliche Stornomöglichkeit. Das Zimmer war auch mal für 150 zu haben... da sind die Buchungsportale wie AirBNB schon verläßlicher... das müssen sich die Hoteliers auch nal auf die Mütze schreiben lassen.
quark2@mailinator.com 08.12.2016
3.
Nur dumm, daß man als Vermieter oft schnell paar Stammgäste hat, die immer wieder kommen und dann direkt bar abrechnen, ohne über die Plattform zu gehen ...
Grummelchen321 08.12.2016
4. Wenigstens
fängt mal einer damit an.Hoffentlich kommt das in deutschland auch bald.Schluss mit dem Scheffeln von Schwarzgeld in Metropolen in denen Wohnungsnot herrscht.
dweik01 08.12.2016
5. Das ist mal eine effektive Steuermaßnahme
direkt an der Quelle. Es belastet zwar mal wieder eher die Breite Masse als die großen Fische, geradlinig ist es allemal. Mit BigData Maßnahmen im Internationalen Bankverkehr bei der Bank für internatonalen Zahlungsausgleich oder einer automatisierten Meldeverpflichtung von ausländischen Geldbeträgen bei allen Banken die in der EU tätig sein wollen, ließe sich Einiges erreichen. Man muß es nur wollen und machen.
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