Großauftrag trotz Flugscham Air France-KLM bestellt 60 Airbus-Maschinen

Unlängst hatte die Airline Air France-KLM ihre Kunden per Werbevideo aufgefordert, weniger zu fliegen. Nun hat das Unternehmen bei Airbus dennoch Dutzende neue Maschinen bestellt - weitere könnten folgen.

Airbus A220-300: Geringere Kosten und Kerosinverbrauch
REUTERS

Airbus A220-300: Geringere Kosten und Kerosinverbrauch


Die niederländisch-französische Fluggesellschaft Air France-KLM hat 60 Exemplare des Airbus-Jets A220-300 bestellt. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge beläuft sich das Auftragsvolumen nach Listenpreisen auf bis zu elf Milliarden Dollar. Außerdem sicherte sich die Airline die Rechte zum Kauf von bis zu 60 weiteren Maschinen.

Die Langstreckenmaschinen des Typs A380 will das Unternehmen dagegen bis 2022 ausmustern. Der Großraumjet sei im derzeitigen Marktumfeld nur noch schwer gewinnbringend einzusetzen, hieß es. Air France-KLM will nun auf die kleineren A220 setzen, um Kosten zu senken, Sprit zu sparen und auch den ökologischen Fußabdruck zu verbessern.

Airbus selbst gibt dem A380 keine Zukunft mehr und kündigte im Februar an, den Flieger aus dem Programm zu nehmen. Airlines bevorzugen inzwischen kleinere Flugzeuge mit nur zwei anstatt vier Triebwerken, die sich wirtschaftlicher betreiben lassen.

Der massive Ausstoß von Kohlendioxid durch Flugzeuge wirkt sich stark auf das Klima aus: Regelmäßig tauchen Fluggesellschaften in den Emissionsrankings der größten CO2-verursachenden Firmen weit oben auf.

Noch vor einigen Tagen hatte sogar der Konzern selbst mit einer ungewöhnlichen Werbemaßnahme Aufsehen erregt. KLM-Chef Pieter Elbers hatte in einem Video an die Kunden gerichtet gefragt: "Müssen Sie sich immer persönlich treffen?" "Könnten Sie nicht auch mit dem Zug fahren?"

Das Unternehmen hatte sich damit augenscheinlich in die Kritik am klimaschädlichen Fliegen eingereiht. Auf Forderungen nach einer nationalen CO2-Gebühr auf Flüge in den Niederlanden hatte Air France-KLM dagegen zurückhaltend reagiert. (Lesen Sie hier, warum die Forderung dennoch ein cleverer PR-Schachzug gewesen sein dürfte.)

fek/dpa/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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moeh1 31.07.2019
1. Co2
Der CO2 Ausstoss sollte dort bekaempft werden wo es sich lohnt und das ist nicht der Verkehr. Wir unterstützen indirekt das Verbrennen der Urwälder in Brasilien, Indonesien und im Kongo für Soja und Palmöl. In Deutschland wird eine verfehlte Klimapolitik betrieben, raus aus den AKW um jeden Preis. In der Landwirtschaft wird durch falsche Subventionen mehr CO2 produziert als mit Flugzeugen und PKW zusammen. Aber das Volk lässt sich von Interessengruppen gerne verdummen, das gilt auch für die Medien.
matbhmx 31.07.2019
2. Das mit den 60 Flugzeugen ...
... für Air France ist ja dann eher eine Lachnummer. Der Spiegel sollte Mal lieber über die ohnehin bestehenden Bestellungen bei den Flugzeugherstellern, die übrigens nicht nur aus Airbus und Boeing bestehen, berichten. Die Zahlen gehen in die Tausende. Da muss einem Angst und Bange werden.
warumdenndasschowieder 31.07.2019
3. Die Überschrift "Flugscham"...
...verursacht bei mir schon Brechreiz. Solange die Luftfahrtindustrie entsprechende Wachstumsprognosen hat, wird weiter investiert. Wir können vor lauter Umweltschutz-Hysterie auch mal froh sein, dass wir alle nen Job haben und es uns leisten können solche Debatten zu führen. Ich kenne sehr viele Länder, die ich dank Flugzeug bereisen durfte, in denen man froh ist, wenn genügend auf den Tisch kommt. Und der arme Soja-Bauer kümmert sich nicht um CO2, der fackelt weiter den Urwald ab, um seine Familie zu ernähren. Wir können aber auch einfach alle von nun an daheim bleiben, keine Reisen, keine Urlaube mehr. Und mit Renteneintritt nehmen wir uns denn Strick. Dann sparen wir 30 Jahre CO2 und sonstige Umweltverschmutzungen ein und schonen gleich die Sozialkassen.
moev 31.07.2019
4.
Weil es eben keine Flugscham gibt. Das ist ein Modebegriff einer Gruppe, die vorher auch schon nicht oder so gut wie nicht geflogen ist. Wenn die Konjunktur nächstes Jahr den Bach runter geht hätte das eine signifikante Auswirkung auf die Flugzahlen. Aber Flugscham hält keinen vom Wochenende auf Malle oder der Tagestour nach Barcelona ab. Nur die, die sowas ohnehin schon ablehnte argumentieren jetzt zusätzlich noch mit Flugscham
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