Bevorstehender Chefwechsel Airbus-Beschäftigte fürchten französische Übermacht

Im April löst der Franzose Guillaume Faury den deutschen Airbus-Chef Tom Enders ab. Arbeitnehmervertreter sorgen sich.
Künftiger Airbus-Chef Guillaume Faury (Archivbild)

Künftiger Airbus-Chef Guillaume Faury (Archivbild)

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Beim europäischen Flugzeugbauer Airbus flammt kurz vor dem Abschied von Firmenchef Tom Enders eine alte Diskussion wieder auf: das Ringen um die strategische Ausrichtung des Konzerns und die Verteilung von Kompetenzen, Aufgaben und Arbeitsplätzen auf die Gründerstaaten Deutschland und Frankreich.

Seit Anfang Oktober steht fest, dass der französische Manager Guillaume Faury den Deutschen Enders im April ablösen soll. Aufsichtsratschef von Airbus ist ebenfalls ein Franzose. Betriebsräte und Gewerkschaften in Deutschland fürchten nun, dass im Zuge des Personalwechsels eine französische Übermacht droht und Jobs ins Nachbarland abwandern könnten. Deshalb verlangen sie langfristige Standort- und Beschäftigungsgarantien und einen Zukunftsdialog insbesondere für die deutschen Werke.

Ein ähnliches Abkommen gibt es bereits seit Längerem beim Münchner Siemens-Konzern. Dort sind Kündigungen nur in Ausnahmefällen möglich.

Künftiger Airbus-Chef Guillaume Faury (rechts) mit Piloten des Transportflugzeugs Beluga XL

Künftiger Airbus-Chef Guillaume Faury (rechts) mit Piloten des Transportflugzeugs Beluga XL

Foto: REGIS DUVIGNAU/ REUTERS

Um ihre Forderung zu unterstreichen, wollen Belegschaftsvertreter zusammen mit der IG Metall am Freitag in Bremen und Augsburg zu Versammlungen aufrufen. Allein an diesen beiden Standorten sind durch den Produktionsrückgang bei den Modellen A380 und A400M rund 600 Stellen sowie die Jobs zahlreicher Leiharbeitskräfte gefährdet. Die Beschäftigten in den übrigen rund 40 deutschen Airbus-Niederlassungen sollen sich im Rahmen interner Informationsveranstaltungen an dem geplanten Aktionstag beteiligen. Außerdem verteilt die Gewerkschaft Flugblätter an die Belegschaften.

"Wir wollen mit dem zentralen Management in einen Zukunftsdialog eintreten", erklärt IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner. Er sitzt gleich bei zwei Airbus-Konzerngesellschaften im Kontrollgremium. Bei den Gesprächen soll es unter anderem um den deutschen Produktionsanteil bei der nächsten Generation von Hubschraubern gehen. Zudem soll geklärt werden, welche Rolle heimische Standorte beim geplanten deutsch-französischen Kampfjet oder einer Ausweitung der Fertigung beim Erfolgsmodell A320 spielen.

Mit ihrem Vorstoß wollen Kerner und seine Kollegen nicht nur Druck auf die Unternehmensführung ausüben, sondern auch auf die Politik. "Die Bundesregierung besitzt noch immer elf Prozent an Airbus und ist noch dazu Großabnehmer von Militärgerät", mahnt IG-Metall-Funktionär Kerner. "Daraus erwächst nicht nur das Privileg, Dividenden zu kassieren, sondern auch die Verpflichtung, sich für die Interessen der Beschäftigten an den deutschen Standorten einzusetzen."