Korruptionsverdacht Airbus-Chef Enders kritisiert Ermittlungen gegen Beamten

Die Korruptionsermittlungen gegen einen Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium stoßen bei Beobachtern auf Kritik. Airbus-Chef Tom Enders hält die Vorwürfe gar für ehrabschneidend.

Airbus-Chef Enders: "Selten so etwas Abwegiges gehört"
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Airbus-Chef Enders: "Selten so etwas Abwegiges gehört"


Berlin - Tom Enders hat die gestern bekanntgewordenen Ermittlungen gegen den Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium massiv kritisiert. "In Deutschland sind wir auf dem besten Wege über politische Korrektheit jeden vernünftigen Maßstab zu verlieren", sagte der Airbus-Chef gegenüber SPIEGEL ONLINE. Er habe selten so etwas Abwegiges gehört, wie den angeblichen Korruptionsvorwurf gegen den Beamten.

Die Ehrung der DGLF, die noch dazu öffentlich erfolgt sei, habe ein Signal dafür sein sollen, dass der betreffende Beamte sich um die Luftfahrt verdient gemacht hat. "Das war ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung."

Dem Einwand, er springe einem Freund zur Seite, begegnet Enders mit dem Hinweis aus sein seit Jahren sehr konfliktbeladenes Verhältnis zu dem Beamten. "Er hat uns oft bis aufs Messer gereizt mit seinen Forderungen an die Branche in Deutschland. Er folgt eben nur dem, was er im staatlichen Interesse sieht." Die jetzt erhobenen Vorwürfe jedenfalls seien eine Ehrabschneidung, die der Mann nicht verdient habe. "Es wird Zeit, dass Justiz und Medien die Tassen im Schrank lassen beim Umgang mit Beamten und Politikern."

Einer der Konflikte den Enders anspricht, betrifft die Pläne für den Zusammenschluss von Airbus und BAE Systems. Der Beamte gehörte damals zu den maßgeblichen Kritikern. Die Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern war im Oktober 2012 schließlich am Widerstand der damals schwarz-gelben Bundesregierung gescheitert.

Das Wirtschaftsmagazin "Capital" hatte am Donnerstag von den Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft berichtet. Dem langjährigen Referatsleiter wird vorgeworfen, 2009 eine hohe Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) entgegengenommen zu haben. Die Ehrung mit der "Korrespondierenden Mitgliedschaft" bei der DGLR ist zwar nur mit einem geringen finanziellen Vorteil von jährlich 125 Euro verbunden. Wichtiger ist das Prestige, in einer Reihe mit den Pionieren der Luft- und Raumfahrt wie Sigmund Jähn genannt zu werden.

Beamten ist es dienst- und strafrechtlich verboten, selbst kleine Geschenke anzunehmen. Dazu gehören auch immaterielle Vorteile wie Ehrungen. Die strengen Richtlinien sollen jede Gefahr von vorneherein ausschließen, dass Entscheidungen von sachfremden Erwägungen getragen worden sind, selbst wenn sie sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Dazu gehört auch, dass Beamte auf "besonders korruptionsgefährdeten" Posten spätestens nach fünf Jahren eine andere Aufgabe übernehmen müssen.

mik



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