Schmiergeldvorwürfe Neue Hinweise auf Korruption bei Airbus

Die Schmiergeldvorwürfe gegen Airbus verschärfen sich: Nach SPIEGEL-Recherchen hat es beim Verkauf von Flugzeugen nach Ägypten dubiose Geldtransfers in Millionenhöhe gegeben.

EgyptAir-Airbus
AP

EgyptAir-Airbus


Der Abschied von Airbus-Chef Thomas Enders am 10. April wird von neuen Korruptionshinweisen überschattet. Interne Dokumente, die der SPIEGEL und die französische Enthüllungsplattform Mediapart zugespielt bekommen haben, legen nahe, dass Manager des Konzerns beim Verkauf von Flugzeugen nach Ägypten Schmiergeldzahlungen angewiesen haben.

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Airbus gab im April 2003 den Verkauf von sieben Maschinen des Typs A330 an Egyptair bekannt. Doch erst drei Monate später schloss das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen einen Beratervertrag mit der libanesischen Firma Samit International ab, die den Verkauf der A330-Maschinen einfädeln sollte. 2006 wiederholte sich der Vorgang beim Verkauf von Maschinen, die auch für die Egyptair-Tochter Air Cairo bestimmt waren.

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Bis 2008 flossen rund zehn Millionen Euro von Airbus an Samit, wovon ein Großteil jedoch offenbar auf Anweisung von Airbus an Dritte weitergeleitet wurde. Das geht aus einer Tabelle mit der Überschrift "Payments made for AB" hervor, die von einem beteiligten Treuhänder stammt. "AB" soll in diesem Kontext für Airbus stehen. Es sind 13 Geldtransfers notiert, über 9,5 Millionen Euro, in mehreren Fällen wird unter "Instruktionen" auf Faxe von mutmaßlichen Airbus-Managern oder Gespräche mit ihnen verwiesen.

Insgesamt sechs Firmen erhielten laut der Tabelle hohe Zuwendungen. Wer hinter den Empfängern steht, könnten Staatsanwälte in Paris herausfinden, die seit Sommer 2017 im Besitz der Unterlagen sind und bereits Zeugen vernommen haben. Weder die Ermittler noch Airbus wollten sich auf Anfrage zu den Vorgängen äußern.

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sve/mbs/gt



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
frenchie3 29.03.2019
1. Meine Güte, die haben geschmiert
Gut, ist gegen das Gesetz. Aber dann sollte man gleich dafür sorgen daß Exporte in viele (und speziell afrikanische) Länder gar nicht erst erlaubt werden. Da verkauft man nichts ohne. Ist so. Und auf der anderen Seite wird gemault wenn man lokale Bräuche nicht beachtet :-)
momentmal-nur-mal-so 29.03.2019
2.
Guter Arbeit Spiegelredaktion. Korruption ist Gift für die ganze Wirtschaft hier oder andreswo. Auch für Sicherheit und Weltfrieden.
Athlonpower 29.03.2019
3. Warum in die Ferne schweigen, wenn die Korruption so nah
Zitat von frenchie3Gut, ist gegen das Gesetz. Aber dann sollte man gleich dafür sorgen daß Exporte in viele (und speziell afrikanische) Länder gar nicht erst erlaubt werden. Da verkauft man nichts ohne. Ist so. Und auf der anderen Seite wird gemault wenn man lokale Bräuche nicht beachtet :-)
Genau so ist es, auch in Deutschland werden ja die politischen Vertreter von Wirtschaft und INdustrie geschmiert äh unterstützt, siehe die zahlreichen Millionenspenden der Tabakmafia an die Volksverräter äh -vertreter, damit z. B. das Tabakwerbeverbot nicht kommt und das bereits bestehende Rauchverbot in Öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen wie Bahnhöfen nicht kontrolliert und durchgesetzt wird, wer sich hier über Afrika und Asien aufregt, der verschließt die Augen im eigenen Land, in Afrika und Asien ist Schmiergeld sozusagen die wichtigste Vorraussetzung um überhaupt was verkaufen zu können, das sollten auch die SPON-Tugendwächter mal kapieren.
frenchie3 29.03.2019
4. @3 Noch eine kleine Präzisierung
Schimpfen Sie nicht über die SpOn Tugendwächter. Nicht den Boten hauen, die berichten auch nur über das was den Staatsanwälten so einfällt.
licht_und_schatten 29.03.2019
5.
So ist das in den meisten Ländern. Deutschland macht keine Ausnahme. Die Unterschiede liegen wahrscheinlich in der Größenordnung. Machen es die deutschen Firmen nicht, dann geht der Auftrag an die anderen Firmen, die es tun. Hier den Moralapostel zu spielen, würde bedeuten, den Export in einem großen Umfang aufzugeben. In diesem konkreten fall hätte Boeing den Auftrag erhalten.
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