Missbrauch von Kundendokumenten Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Airbus-Mitarbeiter

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen unerlaubten Besitzes vertraulicher Bundeswehr-Dokumente gegen Airbus-Mitarbeiter. 17 Angestellte wurden nach SPIEGEL-Informationen bereits freigestellt.
Airbus A400M Atlas Transportflugzeuge stehen auf dem Vorfeld des Fliegerhorsts Wunstorf

Airbus A400M Atlas Transportflugzeuge stehen auf dem Vorfeld des Fliegerhorsts Wunstorf

Foto: Cindy Riechau/dpa

Wegen möglichen Missbrauchs von Kundendokumenten ermittelt die Staatsanwaltschaft München bei Airbus. Es bestehe der Verdacht, dass sich Mitarbeiter des Konzerns illegal Dokumente aus dem Bereich der Bundeswehr beschafft hätten, wie aus einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums an den Bundestag hervorgeht, die dem SPIEGEL vorliegt. Es werde ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere Mitarbeiter des Luft- und Raumfahrtkonzerns geführt, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Das Unternehmen habe die Strafverfolger selbst eingeschaltet.

Nach SPIEGEL-Informationen führte der Hinweis von Mitarbeitern in der Abteilung Communications Intelligence and Security auf die Spur von Unregelmäßigkeiten, die im Zusammenhang mit einer Ausschreibung für die Bundeswehr stehen. Dabei sollen Unterlagen bei Airbus gefunden worden sein, die dort auf legalem Wege nicht hingekommen sein können, hieß es auch aus Kreisen des Konzerns. Wie die Unterlagen in den Besitz der Airbus-Mitarbeiter kamen, müssten nun die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in München ergeben. Das Verteidigungsministerium ermittelt ebenfalls.

Offiziell erklärte Airbus lediglich, man habe die deutschen Behörden über den möglicherweise rechtswidrigen Umgang einzelner Mitarbeiter mit Kundendokumenten informiert. Diese Unterlagen stünden im Zusammenhang "mit zwei künftigen deutschen Beschaffungsprojekten" im Bereich der Nachrichtentechnik. Airbus beliefert in diesem Bereich vor allem militärische Abnehmer.

17 Mitarbeiter freigestellt

Airbus arbeite bei seiner laufenden internen Prüfung mit externen Rechtsanwälten zusammen und unterstütze die Behörden bei der Aufklärung. 17 Angestellte des Konzerns sind bereits freigestellt worden. Akten und Computer seien sichergestellt worden. Zu weiteren Einzelheiten des Verdachts wollten sich Konzern und Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung leitete auch die Bundeswehr disziplinarrechtliche Schritte gegen einen Mitarbeiter ein. Der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner sagte der "Bild"-Zeitung, der Luft-und Raumfahrtkonzern müsse "jetzt sofort reinen Tisch machen und aufklären. Im normalen Wirtschaftsleben wäre ein Unternehmen im Falle eines solchen schwerwiegenden Verdachts sofort von einer Ausschreibung auszuschließen."

mik/Reuters