Airbus-Transporter Frankreich prescht im A400M-Streit vor

Die französische Regierung treibt die Verhandlungen um den Militär-Transporter A400M mit aller Macht voran. Verteidigungsminister Morin will zusätzlich 400 Millionen Euro genehmigen - und bittet die Partnerländer gleichzuziehen.

Militär-Airbus A400M bei seinem Jungfernflug: Abschluss der Verträge könnte sich verzögern
dpa

Militär-Airbus A400M bei seinem Jungfernflug: Abschluss der Verträge könnte sich verzögern


Istanbul - Im Streit um die Mehrkosten des Militär-Transportflugzeugs Airbus A400M hat Frankreich eine Aufstockung der zugesagten Mittel zur Deckung der milliardenschweren Finanzierungslücke vorgeschlagen. Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin sagte am Donnerstagabend am Rande eines Nato-Treffens in Istanbul, seine Regierung sei bereit, zusätzlich 400 Millionen Euro zu genehmigen. Sollten die anderen Partnerländer dem folgen, könnten bis zu 1,5 Milliarden Euro über die bereits zugesagten Gelder in Höhe von zwei Milliarden Euro hinaus bereitgestellt werden.

Die anderen Regierungen, insbesondere die deutsche, begegnen dem Vorschlag jedoch mit Distanz. "Wir haben uns auf keine Zahlen in irgendeiner Form geeinigt, auch nicht auf eine Aufteilung der Zahlen", sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Freitag am Rande des Nato-Treffens.

Am Abend zuvor bereits hatte Morin erklärt, Frankreich, Deutschland und Spanien seien zu einem Kredit über 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro zusätzlich zu dem Nachschuss von zwei Milliarden Euro bereit. Guttenberg sagte, die Minister der sieben Bestellerländer hätten sich bei ihrem Gespräch am Vorabend auf einen "klaren, starken Text geeinigt, der noch einmal unseren Willen zum Ausdruck bringt, dass wir gemeinsam ein Ziel finden wollen". Auch werde deutlich gemacht, was die Staaten vom Hersteller Airbus erwarteten. Die Verhandlungen sollten gemeinsam weitergeführt werden, und es herrsche große Einigkeit unter den beteiligten Regierungen. "Alles andere ist im Bereich der Gerüchte."

Staaten sind bereit, mehr als zwei Milliarden Euro zu zahlen

Missmanagement und technische Probleme haben das größte Rüstungsprojekt Europas um mehrere Jahre verzögert und verteuert. Die Mehrkosten könnten bis zu elf Milliarden Euro betragen. EADS Chart zeigen forderte zuletzt von den Staaten eine Nachzahlung von 6,4 Milliarden Euro.

Seit einem halben Jahr verhandelt Airbus mit den sieben Bestellnationen über die Aufteilung der zusätzlichen Kosten. Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Luxemburg, Spanien und die Türkei haben 180 Exemplare des neuen Militärflugzeuges zum Festpreis von insgesamt 20 Milliarden Euro bestellt. Airbus fordert von den Bestellnationen nun mehr als sechs Milliarden Euro zusätzlich.

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Airbus: Die Geschichte des A400M

In der vergangene Woche hatte Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gesagt, die sieben Bestellernationen könnten gemeinsam zwei Milliarden Euro aufbringen.

Deutschland und Frankreich bekräftigten ihren Willen, das Milliardenprojekt zu retten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Paris, es müsse alles getan werden, um eine Lösung zu finden. Sarkozy kündigte an, dies werde schnell gehen. Es handele sich um ein strategisches Projekt. Die Gespräche über die Finanzierung des Militärtransporters wurden derweil am Donnerstag in Berlin auf Staatssekretärsebene fortgesetzt.

Der von den Streitkräften dringend benötigte Transporter ist im Dezember mit rund dreijähriger Verspätung zu seinem Jungfernflug gestartet. Entwicklungspannen und Managementprobleme sowie Sonderwünsche aus den Hauptstädten sind für Verzögerung und Zusatzkosten verantwortlich.

mik/AFP/Reuters



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Sgt_Pepper, 03.02.2009
1. ???
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Von dem A350 wurden inzwischen 478 (!) Stück bestellt. Das heißt, Airbus ist schon vor Auslieferung des ersten Flugzeugs locker in der Gewinnzone. Der A380 hat sich durchgesetzt, 12 wurden schon ausgeliefert - die Gesamtbestellungen belaufen sich auf 198 Stück. Übernommen hat sich EADS / Airbus allein mit dem A400. Offensichtlich laufen ihnen die Kosten davon, während die Verkaufspreise festgeschrieben wurden...
kikolo, 03.02.2009
2.
was um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Realo, 03.02.2009
3. Mal eine "dumme" Frage.....
....weil ich mich mit Flugzeugen wirklich nicht auskenne, bin nur Passagier..... Die Bundeswehr braucht ein neues Transportflugzeug, das steht fest, die Transall ist uralt. Die Russen bauen doch da riesige Maschinen, könnte man da nicht kaufen ? Oder geht das wieder nicht wg. Nato usw....?
nairobi 03.02.2009
4.
Zitat von sysopPannen beim A380, A350 und A400M - hat der europäische Flugzeughersteller Airbus sich mit gleich drei Großprojekten übernommen?
Man ist in einen Wettbewerb der Visionen eingestiegen und vieles versprochen, was man nicht einhalten konnte. Aber damit ist Airbus nicht allein, vor allem nicht in der Branche! Auf der anderen Seite das Atlantiks sieht es nicht anders aus. Dort überflüglt man Airbus bei den Pannen noch. Dort werden ganze Projekte aufgelegt und anschliessend wieder eingestampft. Und die 787 droht zum Nightmareliner zu werden!
Michael B. 03.02.2009
5.
Zitat von kikolowas um himmels willen will die bundeswehr mit 60 riesen transport flugzeugen ...ja das glaub ich auch... .....bundeswehr abschaffen was man nicht hat kann man auch nirgends hinschicken...
Haben Sie auch inhaltlich etwas zu sagen? Die A400M ist nicht riesig, sie ist zwar grösser als die Hercules und Transall aber bei weitem kleiner als eine C17 oder AN-124. Aber sie wollten ja eh nur ihr "bundeswehr abschaffen" loswerden und das gleich zweimal, als ob der Doppelpost ihren Wortbrocken mehr Sinn gäbe.
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