Fusionspläne Aktien von EADS und BAE Systems rutschen ins Minus

Die mögliche Fusion der Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems stößt bei Anlegern auf wenig Begeisterung. Die Aktien beider Unternehmen verloren zeitweise deutlich an Wert. Analysten sehen vor allem Risiken für EADS-Anteilseigner.

Eurofighter: BAE Systems und EADS kooperieren bereits bei mehreren Projekten
DPA

Eurofighter: BAE Systems und EADS kooperieren bereits bei mehreren Projekten


Paris - Die Fusionsgespräche von EADS und BAE Systems sind an den Aktienmärkten mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns rutschte zweitweise um neun Prozent ab. Auch die Aktie des britischen Rüstungskonzerns BAE verlor deutlich an Wert - und lag zeitweise sechs Prozent im Minus. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne war der Kurs am Mittwoch noch um zwölf Prozent gestiegen.

Die US-Bank Citigroup setzte ihre Bewertung von EADS-Aktien herab. Zur Begründung erklärte die Bank, die erwünschten Synergie-Effekte könnten "schwer zu verwirklichen sein", unter anderem weil EADS und BAE vermutlich auf einige ihrer Aktivitäten verzichten müssten, um von den Aufsichtsbehörden grünes Licht für eine Fusion zu bekommen. Analysten warnen zudem, durch den Zusammenschluss werde die EADS-Aktie verwässert.

Die beiden Konzerne hatten zuvor bestätigt, über eine Fusion zu verhandeln. EADS Chart zeigen soll demnach an dem neuen Konzern 60 Prozent der Anteile halten, BAE Systems Chart zeigen 40 Prozent. Gelingen die Pläne, entstünde das größte Rüstungsunternehmen der Welt, es wäre deutlich größer als der US-Konkurrent Boeing.

Boeing-Chef gibt sich gelassen

Die französische Unternehmensgruppe Lagardère, die 7,5 Prozent an EADS hält, teilte mit, einer Fusion erst dann zustimmen zu wollen, wenn "alle Bedingungen" geprüft worden seien. Bislang seien die Pläne aber weder dem Verwaltungsrat von EADS zur Zustimmung vorgelegt worden noch dem Verwaltungsrat von Sogeade Gérance. Diese Holding vertritt die Interessen von Lagardère und des französischen Staates bei EADS.

Die Bundesregierung wusste laut "Handelsblatt" von den Verhandlungen und habe grünes Licht signalisiert. Das Wirtschaftsministerium selbst äußerte sich zunächst nicht.

Boeing reagierte bereits auf die Fusionsgespräche der europäischen Konkurrenten. Der US-Konzern gab sich demonstrativ gelassen. Er habe einen "tiefen Glauben" an die Stärke des Unternehmens, sagte der Boeing-Vorstandsvorsitzende Jim McNerney in Washington. "Ich sehe das nicht als etwas an, das uns fundamental schaden könnte." Vielmehr verdeutliche der mögliche Zusammenschluss eine "globale Konsolidierung".

cte/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Theodorant 13.09.2012
1. A la bonheur !
Was auf dem Papier beim ersten Hinsehen gut und schlüssig aussieht, muß sich im Faktencheck erst einmal bestätigen. BAE Systems (BAES) hat einen ziemlichen Grabbelsack an Produktlinien, die überhaupt nicht zum EADS-Portfolio passen, z.B. Marineschiffbau, Artillerie- und Panzerproduktion. Bei diesen Non-Aerospace-Aktivitäten von BAES, die erst in den letzten zehn Jahren zugekauft wurden, ist zudem die Kundenzufriedenheit eher mau, siehe das Drama um die britischen "Astute"-U-Boote. Hinzu kommt die traditionell aggressiv-halbseidene Vermarktungspolitik der BAES-Marketeers, die immer wieder die britische Anti-Korruptionsbehörde SFO (Serious Fraud Office) bei Deals in Tschechien, Ungarn, Saudi-Arabien, Südafrika usw. auf den Plan rief. Wo BAES in der Tat einen Vorteil in Sachen Fusion hätte, wäre (noch) der U.S.-Markt. Ob das Pentagon allerdings das neue fusionierte Unternehmen weiterhin als quasi-amerikanisch betrachtet, wie es bei BAES North America der Fall war, sei dahingestellt. Last not least bleibt die Frage offen, was aus den EADS-Anteilen an Dassault wird - schwer vorstellbar, dass der französische Staat da tatenlos zusieht...
alfons wöhrl 23.09.2012
2. Enders Steuermann oder Kapitalvernichter?
Herr Reuter und Herr Schremp haben sich eine Welt-AG eingebildet und mit Chrysler umgesetzt. Ergebnis: MBB zerstört Chrysler ist Fiat-Tochter nach Rettung durch US-Steuerzahler Daimler ist in Deutschland nun drittklassig Reuter und Schremp sind Rentner der Betriebe die sie heruntergewirtschaftet haben. Nun strebt Herr Enders einen zivil-militärischen Weltkonzern mit EADS (F und D) und BAe (GB)an: Status zu GB: -Nicht in €-Zone -EU-Querulant -USA-orientiert Status zu BAe: -Hat Airbusanteile vor Jahren verkauft -Hat keinen Anteil am Zivilmarkt -Lebt derzeit noch vom US-Militärmarkt -Der US-Militärmarkt halbiert sich nach der US-Wahl -BAe verliert den Marktanteil in USA Status zu EADS: -Für Eurofighter fehlen interessierte Abnehmer -Frankreich hat EADS in Indien ausgestochen -Für A400M fehlen interessierte Abnehmer -Die Bedeutung von EADS basiert auf Airbus -Airbus ist über viele Jahre mit Aufträgen ausgelastet -EADS-Börsenkapitalisierung bereits nach Fusionsankündigung um 25 % eingebrochen Fazit: -Herr Enders sollte die Finger von dieser Fusion lassen! -Herr Enders soll sich darum kümmern, daß Lastenhefte und Terminpläne eingehalten werden -Herr Enders sollte dafür sorgen, daß Technologieen vor dem Einsatz einsatzfähig entwickelt sind -Herr Enders sollte sich um ein nachhaltiges Nachfolge-Antriebssystem kümmern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.