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05. August 2011, 23:52 Uhr

Aktienabsturz

Europas Börsen verzeichnen Rekord-Minusserie

Schwarze Tage an den Börsen: Der EuroStoxx 50 hat den zehnten Tag in Folge verloren. Mit diesem Rekord notiert Europas Leitindex so schwach wie seit zwei Jahren nicht. Der Dax erlebte die schlimmste Woche seit der Lehman-Pleite. Immerhin drehte der Dow Jones zum Handelsschluss noch ins Plus.

Frankfurt am Main/New York - Ein Analyst sprach von einer "Handelswoche des Grauens": Am Freitag haben die Ängste vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise zu einer dramatischen Achterbahnfahrt an den Börsen rund um den Globus geführt. Der Dax verzeichnete in der vergangenen Woche einen der größten Verluste in seiner Geschichte.

Der deutsche Leitindex schloss am Freitag 2,78 Prozent schwächer bei 6236 Punkten. Im Vergleich zur Vorwoche brach das Börsenbarometer um knapp 13 Prozent ein - es war die schwärzeste Woche seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Zudem bedeuteten acht Verlusttage in Folge die längste Negativserie seit 1993.

Auch für den Leitindex der Euro-Zone verlief die Woche kaum besser: Der EuroStoxx 50 büßte am Freitag weitere 1,54 Prozent auf 2375 Punkte ein und weitete seine Verlustserie auf mittlerweile zehn Tage aus. So schwach notierte der Index seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Ähnlich deutlich fielen die Abschläge der nationalen Aktienindizes in Paris und London aus.

Einen kleinen Lichtblick sendeten am Abend die Schlusskurse an der New Yorker Börse: An der Wall Street konnte sich der Dow-Jones-Index mit 0,54 Prozent auf 11.444 Punkte ins Plus retten. Zuvor hatten sich Gewinne und Verluste beim US-Leitindex mehrfach abgewechselt. Im Laufe der Woche hat aber auch er fast sechs Prozent an Wert eingebüßt.

Die anderen US-Indizes schlossen hingegen mit Verlusten: Der breiter gefasste S&P 500 drehte mit 0,06 Prozent auf 1199 Punkte ins Minus - er erlebte die schwächste Handelswoche seit November 2008. Noch deutlicher abwärts ging es für die Technologieaktien an der Nasdaq. Der Composite Index verlor 0,94 Prozent auf 2532 Punkte.

Rätselraten um baldiges Treffen der G-7-Finanzminister

Die Horrorwoche an den Börsen gibt nur zwei Wochen nach dem Brüsseler Krisengipfel der Euro-Länder einer Alarmstimmung Ausdruck: Schon in den nächsten Tagen könnten sich die Finanzminister der G7 angesichts der weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten treffen. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi kündigte am Freitagabend in Rom ein solches Treffen an, nannte aber keinen Termin oder Ort dafür. Ein Sprecher relativierte später, dass die Entscheidung dafür noch nicht endgültig gefallen sei.

Die Regierungschefs wichtiger Industriestaaten führten seit dem späten Nachmittag zahlreiche telefonische Krisengespräche. Bundeskanzlerin Angela Merkel beriet sich mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, mit Großbritanniens Premierminister David Cameron und Berlusconi. "Alle Gesprächspartner waren sich einig, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 21. Juli schnell umgesetzt werden sollen", sagte ein Sprecher der Bundesregierung. Merkel und Sarkozy erörterten die anhaltende Krise zudem am Abend noch mit US-Präsident Barack Obama.

Für den einigermaßen versöhnlichen Ausklang der Börsenwoche in New York machten Händler vor allem zwei Faktoren verantwortlich: Zum einen fielen die US-Arbeitsmarktdaten besser aus als erwartet - die Arbeitslosenquote fiel überraschend von 9,2 Prozent im Juni auf 9,1 Prozent im Juli. Und zum anderen will die italienische Regierung bei der Sanierung der Staatsfinanzen aufs Tempo drücken. Berlusconi kündigte auf einer Pressekonferenz mit seinem Finanzminister Giulio Tremonti an, der bis 2014 geplante ausgeglichene Haushalt des Landes solle möglichst schon 2013 erreicht und zudem in der Verfassung festgeschrieben werden.

Derweil kritisierte Jean-Claude Juncker als Vorsitzender der Euro-Gruppe die Debatte um eine mögliche Aufstockung des Euro-Krisenfonds, die vor allem von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Währungskommissar Olli Rehn betrieben wird. "Die Politik muss der Irrationalität der Finanzmärkte aktive Ruhe entgegensetzen", sagte Juncker am Freitag.

Lesen Sie hier die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

fdi/Reuters/dpa-AFX/AFP/dapd

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