Aktienabsturz Europas Börsen verzeichnen Rekord-Minusserie

Schwarze Tage an den Börsen: Der EuroStoxx 50 hat den zehnten Tag in Folge verloren. Mit diesem Rekord notiert Europas Leitindex so schwach wie seit zwei Jahren nicht. Der Dax erlebte die schlimmste Woche seit der Lehman-Pleite. Immerhin drehte der Dow Jones zum Handelsschluss noch ins Plus.

Händlerin an Frankfurter Börse: "Handelswoche des Grauens"
DPA

Händlerin an Frankfurter Börse: "Handelswoche des Grauens"


Frankfurt am Main/New York - Ein Analyst sprach von einer "Handelswoche des Grauens": Am Freitag haben die Ängste vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise zu einer dramatischen Achterbahnfahrt an den Börsen rund um den Globus geführt. Der Dax Chart zeigen verzeichnete in der vergangenen Woche einen der größten Verluste in seiner Geschichte.

Der deutsche Leitindex schloss am Freitag 2,78 Prozent schwächer bei 6236 Punkten. Im Vergleich zur Vorwoche brach das Börsenbarometer um knapp 13 Prozent ein - es war die schwärzeste Woche seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Zudem bedeuteten acht Verlusttage in Folge die längste Negativserie seit 1993.

Auch für den Leitindex der Euro-Zone verlief die Woche kaum besser: Der EuroStoxx 50 Chart zeigen büßte am Freitag weitere 1,54 Prozent auf 2375 Punkte ein und weitete seine Verlustserie auf mittlerweile zehn Tage aus. So schwach notierte der Index seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Ähnlich deutlich fielen die Abschläge der nationalen Aktienindizes in Paris und London aus.

Einen kleinen Lichtblick sendeten am Abend die Schlusskurse an der New Yorker Börse: An der Wall Street konnte sich der Dow-Jones-Index Chart zeigen mit 0,54 Prozent auf 11.444 Punkte ins Plus retten. Zuvor hatten sich Gewinne und Verluste beim US-Leitindex mehrfach abgewechselt. Im Laufe der Woche hat aber auch er fast sechs Prozent an Wert eingebüßt.

Die anderen US-Indizes schlossen hingegen mit Verlusten: Der breiter gefasste S&P 500 drehte mit 0,06 Prozent auf 1199 Punkte ins Minus - er erlebte die schwächste Handelswoche seit November 2008. Noch deutlicher abwärts ging es für die Technologieaktien an der Nasdaq. Der Composite Index Chart zeigen verlor 0,94 Prozent auf 2532 Punkte.

Rätselraten um baldiges Treffen der G-7-Finanzminister

Die Horrorwoche an den Börsen gibt nur zwei Wochen nach dem Brüsseler Krisengipfel der Euro-Länder einer Alarmstimmung Ausdruck: Schon in den nächsten Tagen könnten sich die Finanzminister der G7 angesichts der weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten treffen. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi kündigte am Freitagabend in Rom ein solches Treffen an, nannte aber keinen Termin oder Ort dafür. Ein Sprecher relativierte später, dass die Entscheidung dafür noch nicht endgültig gefallen sei.

Die Regierungschefs wichtiger Industriestaaten führten seit dem späten Nachmittag zahlreiche telefonische Krisengespräche. Bundeskanzlerin Angela Merkel beriet sich mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, mit Großbritanniens Premierminister David Cameron und Berlusconi. "Alle Gesprächspartner waren sich einig, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 21. Juli schnell umgesetzt werden sollen", sagte ein Sprecher der Bundesregierung. Merkel und Sarkozy erörterten die anhaltende Krise zudem am Abend noch mit US-Präsident Barack Obama.

Für den einigermaßen versöhnlichen Ausklang der Börsenwoche in New York machten Händler vor allem zwei Faktoren verantwortlich: Zum einen fielen die US-Arbeitsmarktdaten besser aus als erwartet - die Arbeitslosenquote fiel überraschend von 9,2 Prozent im Juni auf 9,1 Prozent im Juli. Und zum anderen will die italienische Regierung bei der Sanierung der Staatsfinanzen aufs Tempo drücken. Berlusconi kündigte auf einer Pressekonferenz mit seinem Finanzminister Giulio Tremonti an, der bis 2014 geplante ausgeglichene Haushalt des Landes solle möglichst schon 2013 erreicht und zudem in der Verfassung festgeschrieben werden.

Derweil kritisierte Jean-Claude Juncker als Vorsitzender der Euro-Gruppe die Debatte um eine mögliche Aufstockung des Euro-Krisenfonds, die vor allem von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Währungskommissar Olli Rehn betrieben wird. "Die Politik muss der Irrationalität der Finanzmärkte aktive Ruhe entgegensetzen", sagte Juncker am Freitag.

Lesen Sie hier die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.

fdi/Reuters/dpa-AFX/AFP/dapd



insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
☺☺☺ 06.08.2011
1. Geld
Eines darf man nie vergessen: Damit jemand Geld haben kann muss ein anderer Schulden haben. Wenn es also zu einem finalen Systemcrash samt Geldentwertung kommt verlieren wir als Ganzes, als Gesellschaft überhaupt nichts, denn für jeden der ein Vermögen verliert verliert ein anderer einen Schuldenberg.
einfachgerecht 06.08.2011
2. Mal ehrlich, wen wundert es ?
Und es müsste noch um die Hälfte weiter runter gehen. Sweet dreams. Ich habe Gott sei Dank kein Geld in Aktien , nur gute Freunde und meinen Frohsinn :-)
chagall1985 06.08.2011
3. Mal eine alte Verschwörungstheorie
Es ist schon wirklich verdächtig wo in Amerika immer wieder diese Käufer zum Handelsende herkommen um den Dow ins Plus zu bringen. Das passiert nun wirklich in schöner regelmässigkeit sobald er mal mehr als 4% nachgibt. Eine Theorie ist ein Strike team aus US Banken der Fed deren Aufgabe es ist das System zu stützen. Ich weiß nicht mehr wie das in der Theorie genannt wurde ist aber bei Börsianern ein weit verbreiter Mythos. Jedenfalls passiert das an solchen Tagen in schöner Regelmässigkeit. Hat aber natürlich auch sein Grenzen.
Dreirund 06.08.2011
4. Wo ist der Witz dabei?
Zitat von sysopSchwarze Tage an den Börsen: Der EuroStoxx 50 hat den den zehnten Tage in Folge verloren. Mit diesem Rekord notiert Europas Leitindex so schwach wie seit zwei Jahren nicht. Der Dax erlebte die*schlimmste Woche seit der Lehman-Pleite. Allein der Dow Jones drehte zum Börsenschluss ins Plus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778694,00.html
Die Tage nach der Lehmann Pleite kannte der Index nur eine Richtung. Nach oben. Und?. Wo waren die überschlagenden Meldungen aus Ihrem Hause, gut verdienende Anleger hätten zu Gunsten des Allgemeinwohls zugeschlagen. Deutsche Unternehmen, die aus vollem Halse neue Schwimmbäder ausbauen, sanieren, neue Schulen stiften, höhere Löhne zahlen, den Allgemeinwohl wie auch immer dienlich sind und waren. 2009 & 2010 waren für Investoren beileibe keine Hungerjahre. Und? Börsenumsatzsteuer realisiert für die Kleinen? Ansonsten, irgend welche Wohltaten zur Zeit des Absahnens? Nein? Dann frei nach Klint Eastwood in dem Film "The Good, the Bad & the Ugly: "Hier, rauche eine Zigarre, ist gur für den Stuhl...
delinquent 06.08.2011
5. Weiter so
Zitat von sysopSchwarze Tage an den Börsen: Der EuroStoxx 50 hat den den zehnten Tage in Folge verloren. Mit diesem Rekord notiert Europas Leitindex so schwach wie seit zwei Jahren nicht. Der Dax erlebte die*schlimmste Woche seit der Lehman-Pleite. Allein der Dow Jones drehte zum Börsenschluss ins Plus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778694,00.html
Sehr schön, gefällt mir.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.