Aktienprognose Börsenprofis hoffen auf Comeback der USA

Amerika steckt noch mitten in der Krise, doch langsam kommt die US-Konjunktur wieder in Fahrt. Davon profitiert auch die deutsche Wirtschaft: Exportstarke Firmen dürfen auf neue Aufträge hoffen. An der Börse könnte dies steigende Kurse bedeuten - vor allem für VW, Daimler und BMW. 
Kapitol in Washington: Wann kommt die US-Wirtschaft wieder in Schwung?

Kapitol in Washington: Wann kommt die US-Wirtschaft wieder in Schwung?

Foto: dpa

Hamburg - Nun ist es amtlich: Die US-Wirtschaft befindet sich in besserer Verfassung als angenommen. Die Zahl der Jobs stieg in den Vereinigten Staaten im Dezember um mehr als 100.000, teilte die US-Regierung am Freitag mit. Die Vormonatszahlen wurden zudem nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote ist außerdem auf 9,4 Prozent gefallen und damit so niedrig wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, sprach vor dem Kongress denn auch von "hoffnungsvollen Zeichen" für die Konjunktur.

Auch andere Indikatoren deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft endlich Fahrt aufnimmt: Mehrere Einkaufsmanagerindizes etwa zeigen ein deutliches Wachstum an. Die Auftragszahlen steigen vielerorts ebenso wie die Bauausgaben. Und am Immobilienmarkt ziehen die Mieten an, während es immer weniger Leerstände gibt.

Es scheint so, als zeigten die massiven Konjunkturhilfen aus Washington endlich Wirkung. Erst kürzlich hatten sich Regierung und Kongress auf ein gewaltiges Steuerpaket geeinigt und die Steuererleichterungen für mittlere Einkommen wie auch für Spitzenverdiener verlängert. Und die Fed pumpt seit Monaten gigantische Summen in die Märkte.

Dies stimmt nun immer mehr Experten optimistisch. So hat die Commerzbank ihre Prognose für das US-Wachstum im laufenden Jahr um einen vollen Prozentpunkt nach oben geschraubt - von drei auf vier Prozent. Der Konsens unter den Fachleuten insgesamt, so die Commerzbank, liegt bei etwa 2,7 Prozent, aber mit steigender Tendenz. "Ich werte die Daten vom Arbeitsmarkt als Anzeichen für eine anhaltende Belebung", ergänzt Analyst Oliver Pursche von Gary Goldberg Financial Services.

Geht es der US-Wirtschaft gut, profitieren auch deutsche Exporteure

Die Entwicklung erfreut auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt. Der Dax   reagiert auf gute Nachrichten aus den USA in der Regel mit kräftigen Kurssprüngen. Am Freitag ging der Index zwar vorübergehend zurück, weil ein noch größerer Stellenzuwachs erwartet worden war. Später notierte der Dax jedoch wieder im Plus. Nicht einmal US-Finanzminister Timothy Geithner, der mit einer düsteren Vision von einem möglichen US-Staatsbankrott Alarm schlug, konnte daran etwas ändern.

Der Grund liegt auf der Hand: Geht es der US-Wirtschaft gut, dann freut das auch die deutschen Exporteure. Mit einem jährlichen Volumen von 54 Milliarden Euro sind die USA das zweitgrößte Ziel deutscher Ausfuhren nach Frankreich.

Viele Unternehmen stützen ihren Erfolg jedoch mehr und mehr auf das Wachstum von Schwellenländern wie China. Die rasante Entwicklung dort eröffnet zwar gewaltige Absatzchancen. Sie ist aber auch mit erheblichen Risiken und Unwägbarkeiten verbunden.

Hohe Abhängigkeit von Fernost

Das beste Beispiel ist die deutsche Autoindustrie, die in China in den vergangenen Jahren eine sagenhafte Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Volkswagen   setzt dort inzwischen so viele Fahrzeuge ab wie in keinem anderen Land der Welt. Auch für Daimler  , BMW   und Porsche   wird die Volksrepublik nach Einschätzung von Analysten spätestens 2015 der größte Absatzmarkt sein. In diesen Tagen, anlässlich des Deutschland-Besuchs von Chinas Vize-Premierminister Li Keqiang, wollen Volkswagen und Daimler neue Milliardenverträge abschließen. "In China", so Analyst Frank Schwope von der NordLB, "haben die deutschen Autohersteller aufgrund der geringen Fahrzeugdichte das größte Absatzpotential."

Wie fragil das Geschäft in Fernost sein kann, zeigen aber die Ereignisse der vergangenen Wochen. So stellte die chinesische Regierung Ende 2010 die Steuererleichterungen für den Kauf von Neuwagen ein, was die Preise de facto um zehn Prozent erhöht. In der Hauptstadt Peking wurde Ende 2010 zudem die Vergabe von Autozulassungen erheblich eingeschränkt - manche Verkaufsräume sind seitdem menschenleer.

In dieser Lage blicken viele deutsche Unternehmen sehnsuchtsvoll gen Westen:

  • Könnte der sich abzeichnende US-Aufschwung ihren Geschäften neuen Schub verleihen?
  • Und könnte er die gefährliche Abhängigkeit von China verringern?

Ein Comeback des US-Markts käme den deutschen Herstellern recht

Auch hier gilt dies insbesondere für die Autoindustrie. Die deutschen Premiumhersteller sind in den USA seit jeher stark vertreten. "Für BMW zum Beispiel sind die USA in manchen Jahren größter Absatzmarkt gewesen", erläutert NordLB-Analyst Schwope. "Noch vor Deutschland."

Auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler glaubt an den erneuten Aufschwung in den Vereinigten Staaten: "Der Absatz der deutschen Hersteller in Nordamerika dürfte 2011 steigen."

Großes hat vor allem Volkswagen vor. Die Wolfsburger, die 2018 größter Hersteller der Welt sein wollen, kehren gerade mit eigener Produktionsstätte in die USA zurück. Bis 2018 soll der Absatz dort auf eine Million Autos im Jahr verdreifacht werden.

Um das zu schaffen, muss VW-Chef Martin Winterkorn allerdings eine ziemliche Aufholjagd starten. Denn der US-Markt wurde zuletzt sträflich vernachlässigt. "Im besten Jahr 1970 hatte Volkswagen einen Marktanteil in den USA von 5,6 Prozent", sagt Schwope. "In den vergangenen Jahren lag er nur noch unter drei Prozent."

Wird das Comeback also gelingen? Sicher scheint: Die US-Geldpolitik dürfte den Aufschwung vorläufig kaum abwürgen. Eine Zinserhöhung, die bei anspringender Konjunktur normalerweise droht, dürfte frühestens 2012 zu erwarten sein. Zu groß ist das Risiko, den beginnenden Aufschwung wieder abzuwürgen.

So gesehen scheint der Weg frei für Winterkorn und die deutsche Autoindustrie. Am Freitag führte die Volkswagen-Aktie die Liste der Dax-Gewinner schon einmal an.

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