Aktienverkauf Schaeffler soll Rückzug bei Continental planen

Der Kauf war ein Wirtschaftskrimi, der Verkauf läuft offenbar dezenter ab: Drei Jahre nach Übernahme des Autozulieferers Continental will die Schaeffler-Gruppe laut "Financial Times Deutschland" einen Teil ihrer Anteile wieder abstoßen - aus Sorge vor drückenden Zinsen.

Continental-Zentrale in Hannover: Teure Übernahme
dapd

Continental-Zentrale in Hannover: Teure Übernahme


Hamburg - Eine der spektakulärsten Übernahmen der letzten Jahre könnte bald zum Teil rückgängig gemacht werden: Der Familienkonzern Schaeffler plant nach Informationen der "Financial Times Deutschland" ("FTD") Aktien der Tochter Continental Chart zeigen abzustoßen. "Noch im März soll ein Paket verkauft werden", sagte ein Verhandlungsteilnehmer der Zeitung. Weder Schaeffler noch Conti nahmen zu den Plänen Stellung. Über die exakte Höhe des Pakets gibt es laut "FTD" noch Diskussionen. Schaeffler wolle aber auf jeden Fall mehr als 50 Prozent am Hannoveraner Autozulieferer behalten.

Beachtlich wäre der Verkauf dennoch: Schaeffler würde Macht bei dem Automobilzulieferer verlieren, den es erst 2008 in einer spektakulären Übernahmeschlacht übernommen hatte. Nur mit einem Anteil von mindestens 75 Prozent könnte Schaeffler Continental mithilfe eines Beherrschungsvertrags unterwerfen und den ehemaligen Dax Chart zeigen-Konzern wie eine untergeordnete Gesellschaft führen. Derzeit kontrolliert der Automechanik- und Wälzlagerhersteller 75,1 Prozent der Aktien von Continental direkt oder über Dritte.

Schaeffler war gegen den Willen der Konzernleitung von Continental bei dem deutlich größeren Autozulieferer eingestiegen. Dabei machte das Unternehmen hohe Schulden, da sich der Wert der Continental-Aktien innerhalb kurzer Zeit halbierte, Schaeffler aber einen deutlich höheren Preis zahlen musste.

Die Verbindlichkeiten könnten laut "FTD" auch der Grund für den geplanten Aktienverkauf sein. Schaeffler und die Eignerfamilie sind zusammen noch mit circa 11 Milliarden Euro aus dem Kauf der Anteile verschuldet. Allein etwa fünf Milliarden Euro trägt die Holding der Familie. Dafür werden die Zinsen gestundet - eine Zeitbombe da diese zweistellige Prozentsätze erreichen.

Entscheidend für den konkreten Verkaufsplan dürfte die Reaktion der Investoren auf den Jahresausblick des Continental-Vorstands am Donnerstag sein. Continental-Chef Elmar Degenhart kündigte an, die Erlöse sollten 2011 um zehn Prozent auf mehr als 28,5 Milliarden Euro zulegen. Degenhart erwartet jedoch kräftigen Gegenwind durch steigende Rohstoffkosten.

dab/dpa-AFX

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Pinarello, 03.03.2011
1. Die Frau hat es kapiert.
Zitat von sysopDer Kauf war ein Wirtschaftskrimi, der Verkauf läuft*offenbar*dezenter ab: Drei Jahre nach Übernahme des Autozulieferers Continental will die Schaeffler-Gruppe laut "Financial Times Deutschland" einen Teil ihrer Anteile*wieder abstoßen - aus Sorge vor drückenden Zinsen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,748754,00.html
Da hat die gnädige Frau wohl endgültig gemerkt, daß bei diesen Fusionen lediglich die Banken ihren Milliarden Reibach machen.
Haligalli 03.03.2011
2. Machtgelüste hat Milliarden verschlungen
Zitat von sysopDer Kauf war ein Wirtschaftskrimi, der Verkauf läuft*offenbar*dezenter ab: Drei Jahre nach Übernahme des Autozulieferers Continental will die Schaeffler-Gruppe laut "Financial Times Deutschland" einen Teil ihrer Anteile*wieder abstoßen - aus Sorge vor drückenden Zinsen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,748754,00.html
Macht soll ja so süß sein - kann man immer wieder hören. Wer Machtgeil ist, verliert allerdings sehr oft den Überblick für das "Machbare". So auch bei der Übernahmeshclacht der Schaeffler-Gruppe von Conti. Der Deal hat Schaeffler viele Milliarden gekostet. Jetzt wird kleinlaut die Macht Scheibchenweise mit hohen Verlusten wieder abgegeben. Eine Blamage ist das ganze allemal. Für die Beschäftigten ist das nicht besonders lustig, zumal bei solchem Pocker leichtfertig Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.
derlabbecker 03.03.2011
3. das war ja mal ne tolle Aktion....
.... Schaeffler fast pleite gegangen dabei, und nach 3 Jahren wickelt mal den Zusammenschluss wieder ab. Wirklich super Aktion. Frau Schaeffler wird aber leider trotz aller Schulden nicht auf Hartz 4 angewiesen sein.
Das Auge des Betrachters 03.03.2011
4. Frau Schaefler?
Frau Schaefler entscheidet da gar nichts mehr. Die hat längst die Kontrolle verloren und trifft Entscheidungen die die Banken ihr vorgeben. So ist das wenn eine als Frau hofierte glaubt, dass würde genau so laufen wenn es um Geld geht. Die meisten Frauen sind nicht in der Lage zu erkennen, dass Männer zwischen sexuellen Trieben und wirtschaftlichem Handeln unterscheiden. Aus der Position des Entscheiders für Stellenbesetzung von Aussendienstlern, habe ich in dem Zusammenhang Dinge erlebt, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte.
michlauslöneberga 03.03.2011
5. aber auch nur
Zitat von PinarelloDa hat die gnädige Frau wohl endgültig gemerkt, daß bei diesen Fusionen lediglich die Banken ihren Milliarden Reibach machen.
wenn die Banken diese Erträge auch tatsächlich realisieren. Und bis das erreicht ist, ist noch lange hin.
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