Übernahme durch Microsoft Nokia-Aktionäre beschließen Verkauf der Handysparte

14 Jahre lang dominierte Nokia den Markt für Mobiltelefone - dann kam der Absturz. Nun haben die Aktionäre des finnischen Konzerns das Ende der Nokia-Handys besiegelt: Für 5,44 Milliarden Dollar wird die Sparte an Microsoft verkauft.

Nokia-Modelle im Jahr 2001: Damals war die Welt für die Finnen noch in Ordnung
REUTERS

Nokia-Modelle im Jahr 2001: Damals war die Welt für die Finnen noch in Ordnung


Hamburg - Eine Ära geht zu Ende: Die Anteilseigner des finnischen Konzerns haben den Verkauf der Mobiltelefonsparte an den US-Software-Konzern Microsoft abgesegnet. Sie stimmten mit überwältigender Mehrheit von mehr als 99 Prozent dafür.

Damit geht ein Kapitel Wirtschaftsgeschichte zu Ende. Nokia Chart zeigen war einst Weltmarktführer, 14 Jahre lang dominierte das Unternehmen den Markt. 2012 aber lief der südkoreanische Hersteller Samsung Chart zeigen den Finnen den Rang ab.

Nokia hatte den Trend zu Smartphones und Tabletcomputern verschlafen. Zwar entwickelte das Unternehmen auch Geräte mit vielen Multimedia-Funktionen. In der Gunst der Verbraucher konnten diese jedoch nicht mit Produkten wie dem iPhone von Apple mithalten, das mit der nutzerfreundlichen Steuerung über einen berührungsempfindlichen Bildschirm ab 2007 Maßstäbe setzte.

Microsoft Chart zeigen will nun groß in den Handymarkt einsteigen und zahlt 5,44 Milliarden Dollar für die Nokia-Handysparte. Die beiden Unternehmen arbeiten schon seit längerem zusammen, zahlreiche Nokia-Smartphones laufen mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

Nach dem Verkauf der Handysparte bleibt Nokia noch das Netzwerk-Geschäft. Angesichts des Smartphone-Booms gewinnen leistungsfähige Netze für die mobile Datenübertragung an Bedeutung. Erst Anfang Juli hatte Nokia nach ergebnisloser Käufersuche bekanntgegeben, das mit Siemens gemeinsam betriebene Netzwerkausrüstungsunternehmen Nokia Siemens Networks künftig ohne den deutschen Partner führen zu wollen.

Nokia steckt tief in der Krise: Im Jahr 2011 fuhr das Unternehmen rund 1,2 Milliarden Euro Verlust ein, 2012 waren es schon 3,1 Milliarden Euro, in den ersten neun Monaten dieses Jahres 590 Millionen Euro. Die Aktionäre sind überzeugt, dass die Konzentration auf die Netzwerkausrüstung das Unternehmen wieder profitabel machen wird.

Sämtliche Produktionsstandorte, die mit dem Handygeschäft verbunden sind, tritt Nokia an Microsoft ab. Das Unternehmen geht davon aus, dass die betroffenen 32.000 Mitarbeiter vom US-Software-Konzern übernommen werden.

Nokia beschäftigt derzeit rund 56.000 Menschen und hat Werke in China, Indien, Südkorea, Vietnam, Brasilien, Mexiko und Ungarn. Bis 2008 hatte Nokia auch in Deutschland produziert, und zwar in Bochum. Die Finnen verlagerten die Produktion aber nach Rumänien, was auf massive Proteste stieß. Nach nur vier Jahren schloss Nokia das Werk in der Stadt Cluj wieder.

stk/AFP



insgesamt 22 Beiträge
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hdudeck 19.11.2013
1. So weit so gut?
Zitat von sysopREUTERS14 Jahre lang dominierte Nokia den Markt für Mobiltelefone - dann kam der Absturz. Nun haben die Aktionäre des finnischen Konzerns das Ende der Nokia-Handys besiegelt: Für 5,44 Milliarden Dollar wird die Sparte an Microsoft verkauft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/aktionaere-von-nokia-beschliessen-verkauf-der-handysparte-an-microsoft-a-934478.html
Was ist aber nun der technische Vorgang des Verkaufs? Verbleiben Nokia Aktien bei Nokia minus Phones Department? Oder werden die Nokia Aktien durch MS Aktien ersetzt? Wird der Verkaufserloes auf die Aktien ausgeschuettet? Oder machen die Aktionaere dicke Backen und bekommen nichts?
robin-masters 19.11.2013
2. Ein Lehrstück
in der Industriegeschichte. Wie man zur Nummer 1 wird und wie man ins bodenlose fällt. Auf dem Erfolg ausgeruht und alle Trends verpennt.
darthmax 19.11.2013
3. Konzernausrichtung
Das passiert einem Konzern, der sich einseitig auf ein Produkt ausrichtet. Die Frage, was das Netzwerkgeschäft überhaupt noch wert ist. steht auch im Raum.
MD020842 19.11.2013
4. ...und weiter geht's mit der Talfahrt...
Mit Nokia wird es weiter bergab gehen. Im Netzwerkgeschäft gibt es andere Größen... Die Handysparte ist weg... Das frische Kapital wird auch in endlicher Zeit aufgebraucht sein...
Das Groschengrab 19.11.2013
5. Telefonieren ist Nebensache.
Zitat von robin-mastersin der Industriegeschichte. Wie man zur Nummer 1 wird und wie man ins bodenlose fällt. Auf dem Erfolg ausgeruht und alle Trends verpennt.
Ja, der Abstieg von Nokia ist tatsächlich ganz großes Kino. Ich vermute, das Unternehmen hat nicht erkannt, daß es mit seinen eigenen Smartphone-Kreationen, die es ja gab, nicht weiterkommt. Es ist ja nicht so, daß Nokia den Trend verschlafen hat. Sie haben 2008 Symbian übernommen und glaubten wohl, damit könnten sie ihre ganz eigenen Smartphone-Trends setzen. Aber das hat auch BlackBerry einige Jahre lang geglaubt... Nokia hat nicht verstanden, daß es hier nicht um Mobiltelefone, sondern kleine Computer geht und das Telefonieren eigentlich Nebensache ist.
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