AKW-Rückbau Bilfinger Berger freut sich auf Atomausstieg

BDI-Chef Keitel warnt vor dem schnellen Aus für die Kernenergie - doch er spricht offenbar nicht für die gesamte Industrie. Der Baukonzern Bilfinger Berger sieht die Energiewende als Chance: Stillgelegte AKW würden ihm mehr Geld bringen als laufende.

Bilfinger-Berger-Zentrale: "Geschäftsschädigend wäre eine Abschaltung sicher nicht"
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Bilfinger-Berger-Zentrale: "Geschäftsschädigend wäre eine Abschaltung sicher nicht"


Berlin - In der Diskussion um einen schnellen Atomausstieg hat die deutsche Industrie die Rolle des Mahners übernommen. Eine vorschnelle Energiewende könne den Wohlstand in Deutschland gefährden, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, dem Magazin "Stern". "Wir müssen unglaublich aufpassen, dass in der Diskussion um die Atomenergie unser wirtschaftlicher Erfolg nicht unter die Räder kommt." Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte "Handelsblatt Online", die Abschaltung weiterer Atomkraftwerke könne zu Stromausfällen führen.

Doch es gibt auch Unternehmen, die sich über einen schnellen Ausstieg freuen würden. Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger sieht für sich Chancen durch den Umbau der deutschen Energielandschaft. "Geschäftsschädigend wäre eine Abschaltung sicher nicht", sagte Unternehmens-Chef Herbert Bodner bei der Vorstellung der Bilanz 2010.

Zwar würde der Konzern Aufträge für Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten an Atomanlagen verlieren, doch deren Rückbau nach der Stilllegung könne für Bilfinger ein besseres Geschäft zur Folge haben. Das Unternehmen betreut die meisten deutschen Kernkraftwerke und erzielt damit einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Bodner betonte, die Meiler müssten auch nach einer Abschaltung noch vier oder fünf Jahre instand gehalten werden. Für eine Übergangszeit müsse dann mehr Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken erzeugt werden, um die sich Bilfinger ebenfalls kümmert. "Was auch immer die Veränderungen sein mögen - sie werden für unsere Power Services mehr Chancen als Risiken bringen", sagte der Vorstandschef.

Das im MDax notierte Unternehmen verdoppelte 2010 den Konzerngewinn auf 284 Millionen Euro, die Bauleistung stieg um fünf Prozent auf 8,123 Milliarden Euro. Bodner bekräftigte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Danach sollen Leistung und Ergebnis mindestens das Niveau von 2010 erreichen. Der Konzerngewinn soll durch den Verkauf der australischen Tochter Valemus erheblich über dem Vorjahreswert liegen. Bodner stellte zum letzten Mal die Bilanz vor, ab Juli wird der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Unternehmen führen.

dab/dpa/dpa-AFX/Reuters

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