Abkehr von der Discounter-Lehre Aldi Süd lockt Kunden mit Panini-Bildern

Novum bei Aldi Süd: Der Händler setzt auf die Sammelleidenschaft seiner Kunden und verteilt ab Oktober Panini-Bilder. Für Experten der Beweis, dass der Konzern mit der reinen Discounter-Lehre an seine Grenzen stößt.
Einkaufswagen von Aldi Süd: Mit Panini-Bildern auf Kundenfang

Einkaufswagen von Aldi Süd: Mit Panini-Bildern auf Kundenfang

Foto: Federico Gambarini/ picture alliance / dpa

Mülheim/Essen - Ein klar begrenztes Sortiment und Läden, die auf Effizienz getrimmt sind - das ist das Erfolgsrezept von Aldi. Doch nun präsentiert der Discounter eine Neuerung, die in der Aldi-Welt bis vor Kurzem noch als unnötiger Schnickschnack gegolten haben dürfte: Panini-Sammelbilder.

Für je 10 Euro Einkaufswert erhalten Aldi-Süd-Kunden ab dem 18. Oktober sechs Wochen lang je eine Stickertüte mit Panini-Sammelbildern für das "National Geographic"-Sammelalbum "Die Welt in Farbe". Insgesamt 168 Bilder samt Album können Kunden sich erkaufen.

Konkurrenten wie Rewe und Edeka haben solche Sammelbildaktionen längst im Programm. Lidl verteilte erfolgreich Stikeez-Sammelfiguren. Doch von Aldis Neuerung sind selbst Fachleute überrascht, denn das Unternehmen gilt als Discounter in Reinform.

"Das ist nach meiner Kenntnis ein absolutes Novum bei Aldi", sagte der Handelsexperte Matthias Queck vom Marktinformationsdienst Planet Retail. "Genau genommen ist es ein Verstoß gegen die reine Discounter-Lehre, alle unnötigen Kosten zu vermeiden, um ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis zu gewährleisten." Doch offenbar wolle Aldi mit der Sammelbildaktion Kinder und junge Familien wieder stärker an sich binden. "Denn bei jüngeren Käuferschichten hat das Unternehmen längst nicht mehr die unangefochtene Marktstellung wie bei der älteren Generation", sagte Queck. "Die Jüngeren sind auch mit Lidl, Penny und Netto aufgewachsen."

Dass das Unternehmen auf Sammelbildchen setzt, ist nach Ansicht eines Handelsexperten Indiz dafür, dass Aldi mit Preissenkungen allein nicht mehr weiterkommt. Zwar konnte der Marktführer damit sein Image schärfen, sagte GfK-Experte Wolfgang Adlwarth. Doch sei es dem Discounter nicht gelungen, durch die Preisreduzierungen die eigenen Umsätze anzukurbeln. Schließlich ziehe die Konkurrenz meist umgehend nach.

Laut GfK werden die Preiskämpfe für Discounter sogar zum Problem. Während die klassischen Supermärkte in den ersten acht Monaten dieses Jahres ihre Umsätze um 1,8 Prozent steigern konnten, hatten die Discounter rund 1,3 Prozent weniger Geld in den Kassen - nicht zuletzt wegen des Preiswettbewerbs.

mmq/dpa
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