Babette Albrecht im Achenbach-Prozess "Die waren wie Hyänen. Alle."

Wiedersehen vor Gericht: Babette Albrecht, Schwiegertochter von Aldi-Gründer Theo, rechnet mit dem Kunstberater und mutmaßlichen Betrüger Helge Achenbach ab. Dabei gewährt sie Einblicke ins Leben von Deutschlands reichster Familie.

Zeugin Babette Albrecht: "Wir hatten ja schon Kunst"
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Zeugin Babette Albrecht: "Wir hatten ja schon Kunst"

Aus Essen berichtet


Sie strahlt, der Schritt ist fest. "Guten Morgen" ruft Babette Albrecht in Richtung der Zuschauer, während sie den großen Verhandlungssaal des Landgerichts Essen betritt. Hier kommt jemand, der sich von einer großen Last befreien will: Die Ehefrau des 2012 verstorbenen Aldi-Nord-Erben Berthold Albrecht und Schwiegertochter des Unternehmensgründers Theo Albrecht.

Wie alle Mitglieder der Familie lebt die 54-Jährige eigentlich zurückgezogen. Doch in diesem Fall schmerzte das Gefühl, über Jahre ausgenutzt und hintergangen worden zu sein, offenbar zu sehr. Albrechts Kinder haben den Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach angezeigt, weil sie überzeugt sind, dass der ihren verstorbenen Vater beim Kauf von Gemälden und Oldtimern in sehr großem Stil betrogen hat.

Die Staatsanwaltschaft beziffert die Schadenssumme auf mehr als 23 Millionen Euro. Es geht um 14 Bilder und neun Oldtimer, bei denen Achenbach zum Teil weit mehr als die vereinbarten fünf beziehungsweise drei Prozent Provision abgerechnet und dazu in mindestens 33 Fällen Belege gefälscht haben soll. Auch andere reiche Kunden des Kunstberaters sehen sich betroffen. Achenbach sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft und hat in Teilen gestanden.

Babette Albrecht spielt auf Angriff

Der Prozess ist bisher also gut gelaufen für Albrecht, die als Zeugin aussagt. Frisch und angriffslustig wirkt sie zunächst mit knallrotem Lippenstift, den Jeans, dem blauen Jackett, der weißen Bluse mit großen Rüschen und den hohen Stiefeln. Eine Brille klemmt im Haar, die andere setzt sie immer wieder auf, wenn sie ihrer Erinnerung durch einen Blick in ihre Unterlagen nachhelfen will.

Eher teilnahmslos und meist weit nach vorn gebeugt sitzt dagegen Achenbach auf der Anklagebank. Das Gesicht noch etwas fahler als an den ersten Prozesstagen, das wallende weiße Haar ein wenig länger als bei früheren Anlässen. Wieder ein dunkler Anzug, das Hemd bis ganz oben zugeknöpft, keine Krawatte. Im Zuschauerraum seine Frau Dorothee in Schwarz, eingerahmt von ihren Söhnen.

Eigentlich sind die Rollen klar: Hier der gierige Kunstberater, der sich geschickt das Vertrauen des Milliardärs und seiner Familie erworben hat und jetzt, konfrontiert mit den Vorwürfen, gesellschaftlich und finanziell am Abgrund steht. Es drohen mehrere Jahre Haft. Und dort die Frau des mutmaßlichen Opfers, die im Namen ihrer Kinder Gerechtigkeit fordert und dabei schon gut vorangekommen ist.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn der Auftritt von Babette Albrecht gibt einen intimen Einblick in die Welt der Erben des wohl bekanntesten und bedeutendsten deutschen Familienunternehmens. Und dieser Einblick offenbart, wie gefangen, ja hilflos, die einzelnen Familienmitglieder als Milliardäre qua Erbschaft sein können. Wem kann man trauen? Wem nicht? Und vor allem: Wohin mit all dem Geld?

insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
wernerwenzel 19.01.2015
1. Was hat das denn nun
mit dem Islam zu tun? Gar nichts, mMn!!!
poetdale 19.01.2015
2. Die sparsamen Albrechts
Nach dem Lobgesang der Aldi Story im Prozess die Realität. Der sparsame Herr Albrecht verschleudert pardon investiert 23 Millionen in Gemälde und Oldtimer. Beim Wert der Objekte fühlt sich die Familie betrogen. Jeder, der Akkuschrauber, Gartenmöbel und Elektrogeräte bei Aldi kauft, sollte hier aufhorchen, wird er doch mindestens genauso hinters Licht geführt
Sangit raju 19.01.2015
3. Uuppps ...
... ist das jetzt nicht ein originäres Thema von RTL ...? Hochstapler sucht Milliardär ...???
Silversurfer2000 19.01.2015
4. Und diese Erben zahlen keine Erbschaftssteuer
Solange das Vermögen riesig ist (Firmen, mehr als 200 Wohnungen, etc.) zahlt man keine Erbschaftssteuer (nur Dummensteuer an Leute wie Helge Achenbach, aber davon hat die Allgemeinheit ja nichts). Bei mittleren Vermögen sind es ca. 20%. Ziemlich ungerecht aus meiner Sicht.
jamesfrazer 19.01.2015
5. Gier und Geiz
sind die anerzogenen Charaktereigenschaften einiger Familien in Deutschland . Und wenn man dann noch perfekt im Lügen ist wäre das die ideale Vorraussetzung als Politiker.
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